Europa improvisiert sich durch die Krise

Kolumne | Hans Rauscher, 19. Juni 2012, 19:01

Wir sind immer am Rande eines terminalen Umfallers, mit immer neuen Maßnahmen und Stützungsmilliarden und mit dem Bewusstsein, dass so bald kein Ende sein wird

Österreichische Politiker werden derzeit immer häufiger auf der Straße oder bei Veranstaltungen mit der Frage angesprochen, die die Leute wirklich interessiert: "Was passiert mit unserem Geld?"

Die Möglichkeit, dass ein finanzieller Totalcrash über Europa oder auch die Welt kommt - nach dem düsteren Vorbild der 30er-Jahre - ist im Bewusstsein der Bürger. Es findet kein stiller Run auf die Banken statt, wie in Griechenland oder in Spanien, aber die Sorge um die Ersparnisse und um die Stabilität des Euro ist ganz offensichtlich da.

Beim Gipfel der 20 wichtigsten Industriestaaten in Mexiko wurde über die richtige Methode zur Krisenbekämpfung gestritten. Die Amerikaner fordern, Europa müsse jetzt auf massive Verschuldung und Flutung der Wirtschaft mit Geld setzen. Die Europäer erwidern gereizt, sie ließen sich von den Amis, die im übrigen mit der Bankenkrise die Schwierigkeiten ausgelöst haben, nicht belehren. Und man sei ohnehin schon dabei mit einer Fiskalunion, einer Bankenunion und anderen Maßnahmen die europäische Wirtschaftspolitik zu vereinheitlichen.

Beim EU-Gipfel Ende nächster Woche soll das teilweise festgeklopft werden (Österreich unterstützt gemeinsam mit Deutschland, Italien und Spanien eine gemeinsame Bankenaufsicht durch die Europäische Zentralbank).

Und so improvisieren wir uns durch die Krise - immer am Rande eines terminalen Umfallers, mit immer neuen Maßnahmen und Stützungsmilliarden und mit dem wachsenden Bewusstsein, dass so bald kein Ende sein wird.

Eine österreichische Führungspersönlichkeit, die an den wichtigsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen seit Beginn der Krise 2008 beteiligt war, spricht die Realität an:

"Wir wissen immer noch nicht, welche Instrumente funktionieren und welche nicht. Wir standen am Beginn der Finanzkrise vor der Wahl, Banken pleitegehen zu lassen - mit irreversiblen, nicht abzuschätzenden Folgen am nächsten Tag; oder sie zu stützen und Garantien auszusprechen. Man hat aus den Dreißigerjahren gelernt und keinen reihenweisen Bankenzusammenbruch zugelassen. Aber es ist derzeit kein Ende abzusehen" .

Die europäische Politik befinde sich in der Situation eines Reiters auf einem galoppierenden Pferd: "Wir halten uns im Sattel, wir haben die Zügel noch in der Hand, aber wir wissen nicht genau, wo es hingeht".

Man könne nur weiter versuchen, oben zu bleiben, in manchen Verschnaufpausen das Pferd weiter zu füttern, aber dann gehe der Galopp wieder los und neue Hindernisse müssten übersprungen werden. Die Probleme seien eben nicht nur finanztechnischer Natur: Wenn man 100 Milliarden für Spaniens Banken hinlege, so sei damit noch immer nicht geklärt, wie Spanien aus seiner realwirtschaftlichen Krise herauskomme.

Wachstum durch neue Megaschulden zu stimulieren, wie es die Amerikaner und die europäische Sozialdemokratie fordern, erscheint nicht als vielversprechender Weg. Europa wird sich wohl weiter durch die Krise improvisieren. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 20.6.2012)

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Wertere rau, viele werden jetzt nicht mehr

lesen. Aber zu meinen Anmerkungen unten habe ich jetzt auch eine Quelle gefunden

http://mib.rbs.com/insight/r... e-solution

"Sparen" hat halt mehr Bedeutungen.

Und wenn EZB und IWF gegen die Restrukturierung von sogar insolventen Banken sind, haben sie einen "Klescher" - mit Ideologie hat das nichts zu tun.

Zusammenhalten und einiges "Rückabwickeln" ....

Nur um ein "Hakerl" zu korrigieren ;)

sie werden gelesen. wüsste gerne, was herr rauscher hierzu sagt: http://www.flassbeck.de/pdf/2012/... irrtBZ.pdf -

Langsam gesteht Rauscher ein, dass er am Ende seiner Weisheit ist!

Langsam wird es Zeit, dass sich auch ein Herr Rauscher mit den Konsequenzen des Schuldgeldsystems auseinandersetzt.

Retten wir den Euro nicht – Verteidigen wir die Menschen

Costas Lapavitsas, Wirtschaftsprofessor an der Universität in London: "Die europäische Arbeiterklasse hat kein Interesse an der Währungsunion. Aber die Linke hat ein entscheidendes Interesse daran, die Interessen der Arbeiterklasse zu verteidigen. Wenn das bedeutet, dem Euro zu schaden, dann soll es so sein."

http://www.linkswende.org/5918/Die-... ige-Kuh-EU

Wachstum mit Schulden stimulieren .. erscheint nicht als vielversprechender Weg

Es gibt ja nichts Schlimmeres als Maßnahmen mit unsicherer Wirkung.

So verschreiben wir lieber weitere Sparprogramme, da wissen wir wenigstens _sicher_ dass es nicht funktioniert. Das seit 2010 laufende Experiment zeigt es eindrucksvoll: die eifrigsten Sparer in Europa haben am wenigsten Wachstum: http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/06/1... -of-error/

Sogar Großbritannien, von der Eurokrise unberührt, hat sich mit den Cameron'schen Sparmaßnahmen in eine double-dip-Rezession reingespart.

Krugman

...ist aber nun wirklich kein objektiver Zeuge. Der ist immer fürs Gelddrucken und für eine linke, expansive Strategie. Wird wohl sein linksliberaler Familien-Background sein.

Am meisten sorge ich mich ob der Politiker, die nicht im Mindesten in der Lage sind, die Situation richtig einzuschätzen und schon bei den einfachsten Dingen auslassen.

Erst kürzlich las ich durch Zufall ein Mail eines geschassten Exministers, in dem er mehrmals seine Club-Kollegin (selbe Partei!) im Nationalrat "Frau Fekta" nannte. Von sonstigen Rechtschreibfehlern ganz zu schweigen. Von solchen Leuten werden wir regiert, das ist doch unfassbar.

wundert es wen???

die banken haben ihre politker gut abgerichtet...

egal, wie beschi**en es der bevölkerung gehen mag: solange es den banken gut geht und die weiterhin tun und lassen dürfen was sie wollen.
und solange es den politkern gut geht und sie tun und lassen dürfen, was sie wollen,
wird sich an diesem system genau gar nichts ändern.

naja, vielleicht schon: man wird auf staatsumgehende methoden umsteigen, um zu überleben...

da gibt`s so ein bonmot:

"überlasst das denken den pferden, die haben einen grösseren kopf".
die geheimnisvolle österreichische führungspersönlichkeit muss ein ausgesprochener pferdeflüsterer sein.
der franzi strohsack wohl nicht, obwohl er sich schon ein paarmal vergaloppiert hat.
die grundlegende frage ist doch eher, wie ist es zum galopp gekommen ?
wurde das pferd in panik versetzt oder hat der reiter aus dem trab in den galopp gewechselt ?
und wer oder was zwingt den reitersmann, die deutsche reitersfrau wieder in den galopp ?
schumpeter hat sich einst gewunschen als "letzter herrenreiter" zu gelten.
aber das glück dieser erde liegt sowieso auf dem rücken der pferde.
oder besser der steuerzahlenden lastesel.

Zitat Interview Hr. Homburg (aus Süddeutsche Zeitung): "Hoffnung haben diejenigen, die nichts besitzen, denn ihnen kann auch nichts genommen werden. Hoffnung haben auch jene ehrenwerten Mitglieder der Finanzindustrie, die jetzt noch ein oder zwei Jahre mit Steuerzahlers Hilfe Kasse machen, um sich dann mit dem eigenen Flugzeug auf die eigene Insel zu verabschieden und aus der Ferne zuzusehen, wie die übrigen hier klarkommen. Hoffnung hat schließlich, wer zu einer buddhistischen Lebensweise findet und materiellen Werten ganz entsagt. Für die anderen sehe ich schwarz."

auf die eigene INsel

(Gott sei Dank steigt der Meerespegel)

und die zahl der hoffnungsfrohen steigt jeden tag

Zu spät

Dass der EURO by muddling through gemanagt wird, das ist nicht gerade neu. Das ist klar und offensichtlich seit die Krise ausgebrochen ist.

Es geht gar nicht um neue Schulden wie Rau schreibt, sonder nur darum die Einsparungswut in einer Rezession einzudämmen.

bezweifle die wirtschaftskompetenz heimischer journalisten - verfolge aber mit großem interesse die beiträge auf www.flassbeck.de
bzw. konkret: http://flassbeck.de/pdf/2012/... irrtBZ.pdf

nachtrag zum .pdf link oben. folgt man den ausführungen prof. dr. heiner flassbecks, kommt weitergesponnen und umgelegt auf Ö auch dem steuerdeal mit der schweiz, der ja zulässt, dass geld nicht zwingend retour kommen muss (ausserdem: wer soll es überprüfen?) sondern weitewrverlagert werden kann, besondere bedeutung zu. die diplomatenpässe geschenkt, aber letztlich bedeutet das, dass eine finanzkräftige konservative minderheit mitten in eu den rest zu tode "gambelt", wenn man so möchte ...

was wir hier in der krise im wochentakt hautnah miterleben

wird doch auf eu-ebene seit jahrzehnten so gemacht! dilettantismus wohin das auge reicht?! oder wie sind wir wohl in diese situation gekommen?

es geht hier also nicht nur um die krisenbewältigung, sondern ein prinzipielles versagen der eu-bürokratie - und zwar auf ganzer ebene.

daher finde ich die forderung nach einem eu-bundesstaat oder mehr kompetenzen für die kommission geradzu gefährlich. den kompetenzen dorhin verschieben wo's keine gibt - das war noch nie eine gute idee!

sie meinen jetzt aber nicht,

dass in brüssel nicht die allerfähigsten, weitsichtigsten personen sitzen und entscheiden, die ihre interessen völlig hintanstellen und allfällige lobbying/bestechungs/überredungsversuche kalt abschmettern, sitzen???

oder meinen sie in brüssel sitzen all die, die sich in den nationalstaaten als funktionäre bewehrt haben, bestechlich/korrupt sind und es lieben lobbyiert zu werden (am besten irgendwo zwischen fidschi und irgendeinem nobelp*ff in rio)???

[sorry, manche statements muss man zweimal von sich geben]

Studien werden gefälscht. Wahrheiten verschwiegen. Politiker glauben alles händeln zu können und sind eigentlich nur Dorftrotteln mit einem inzestuösem Gedankengut aus einer alten Hierarchie heraus.

Der Wutbürger hat eigentlich keine Wut. Es ist die Frechheit der Dummheit gegen die er Lautstark kämpft.

Politiker müssen anfangen auf das wesentliche zu hören. Auf das Wesen des Lebens! Denn dieses ist die Grundlage für ein Überleben. Und vor allem muss man in größeren Maßstäben denken. Arbeit gäbe es genug! Nur leider ist der Ehrgeiz auf den falschen Zielen fixiert.

ein Mensch der ungesund lebt, weiß eigentlich, dass er sich ändern sollte um gesund zu leben. Aber warum macht er es nicht, und wartet bis der Krebs unheilbar wird?

die 30iger Krise ist eigentlich gar nicht mit dem Kollaps von heute zu vergleichen.

Der Kapitalismus muss jetzt einmal kräftigst gewaschen werden. Einzig und alleine die Gier ist an viele Katastrophen schuld. Dies führt von der ausgebeuteten Umwelt bis hin zur Armut eine gewichtige Rolle.

Das Problem ist: man redet von einer freien Welt, und die hat aber kein Ziel, außer Kapital anzuhäufen.

Eigentlich ist es eine Selbstvernichtungsmaschinerie.

Seit 2008 betreiben wir in der Panik

Botoxökonmie. Es liegt unfassbar viel Geld herum. Aber, es rührt sich nicht. Also Neues muss her.

Wir schauen gebannt in die Büchern plötzlich merken wir: völlig schief.

Beim Wetter gleichen sich immer wieder Hoch und Tiefdruckgebiete aus. Da stürmt es manchmal.

Warum nicht bei Wirtschaft? Wir ALLE verlören NICHTS, nur die Bücher veränderten sich.

Ich wiederhole mich: Europ Banken (im Gegensatz zu denen in USA) haben viel zu hohe Bilanzsummen/Kernkapital. Herunter/hinauf!

Das ginge vom Krachen lassen "unnötiger" B. bis zur Umleitung von Geldfluten zu Nullkosten in die Bevölkerungen.

Schon wären die Bilanzsummen weniger .. Bev pauken die Staaten heraus ... und könnte auch noch daran VERDIENEN ---> mehr ausgeben....

Wenn Sie die Forderungen reduzieren ohne die Verbindlichkeiten (sprich Sparbücher) anzupassen sinkt das Eigenkapital und die Quote verringert sich.

Das weiß jeder Handelsschüler nach dem ersten Monat wenn die Bilanz durchgenommen wurde.

Herr Handelsschüler, Sie

haben weder Kernkapital noch Eigenmittel verständen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kern... pitalquote

Sie ist die wichtige Komponente im Verhältnis zu den risikotragenden Aktiva eines Kreditinstitutes.
Und sind die Passiva (Spareinlagen zB) niedriger müssen auch die Aktive (Kredite zB) niedriger sein und die Sicherheit steigt bei gleichbleibendem Kernkapital.

Es ist wirklich mühsam sich mit halbwissenden Argumenten herum zu schlagen, und die auch noch im Oberlehrerstil vorgetragen.

Und oft genau von jenen, die behaupten Linke haben von Wirtschaft keine Ahnung.

Das GEGENTEIL ist meist der Fall.

ALSO: Bilanzsummen müssen herunter (um mindesten EUR 5 Billionen) und Kernkapital muss hinauf.

Soweit ich als Laie weiß üben Reiter den Umgang mit Pferden:

Nicht zurückweichen, keine Angst zeigen - sonst akzeptiert das Pferd den Reiter nicht und macht was es will.

Denkbar wäre aber auch, dass die Fi uns für die Pferde hält. Und das Gefühl, dass wir alle den Gürtel enger schnallen müssen kommt nur daher, weil sie uns den Sattel enger schnallen!

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