"Halte USA für größeres Sorgenkind als Europa"

Interview | Günther Oswald, 19. Juni 2012, 17:58
  • Wittig: "Wenn die Chinesen sagen, ihre Wirtschaft wächst um sechs bis acht Prozent, wächst sie tatsächlich um acht bis zehn Prozent."
    foto: der standard

    Wittig: "Wenn die Chinesen sagen, ihre Wirtschaft wächst um sechs bis acht Prozent, wächst sie tatsächlich um acht bis zehn Prozent."

Martin Wittig, Chef von Roland Berger, sieht in den USA das größte Risiko. In Griechenland oder Spanien würde er dennoch nicht investieren

STANDARD: Die Griechenland-Wahl ist geschlagen: Wie wahrscheinlich ist es noch, dass sich die Zahl der Euroländer reduziert?

Martin Wittig: Ich war immer der Meinung, dass es gelingen muss, Griechenland im Euro zu halten. Die Konsequenzen eines Austritts werden gemeinhin unterschätzt. Abgesehen von den politischen Konsequenzen, wie etwa: Wer regiert dann? Kommt es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen?

STANDARD: Jetzt wird darüber diskutiert, Griechenland mehr Zeit zu geben. Das heißt doch automatisch auch, dass es ein drittes Rettungspaket geben wird müssen, oder?

Wittig: Es bedeutet sicher eine Verteuerung gegenüber dem ursprünglichen Plan, aber sie entspricht den Gegebenheiten. Da die Wirtschaft dort stark schrumpft, wäre nichts anderes möglich gewesen. Besteht Aussicht auf eine Einigung über eine Fiskalunion, werden die Geldgeber auch zu Konzessionen auf der Zeitachse bereit sein - ein Give and Take.

STANDARD: Der Druck auf Spanien steigt. Für die Banken wurden schon Hilfen beantragt. Wird auch der Staat an sich Hilfe benötigen?

Wittig: Im Moment überwiegt die Unsicherheit. Noch weiß niemand, was die Griechenland-Wahl bedeutet. Gäbe es Signale für eine Streckung der Ziele für Griechenland, könnte sich die Lage allgemein beruhigten

STANDARD: Ihr Haus analysiert für Spanien den Finanzbedarf des Banksektors. Wird der Maximalbetrag von 100 Milliarden ausgeschöpft werden müssen?

Wittig: Wegen der Vertraulichkeitsverpflichtung kann ich solche Fragen nie beantworten. Nur so viel: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat dazu ja bereits eine Analyse publiziert. (Maximalschätzung 60 bis 80 Mrd. Euro, Anm.)

STANDARD: Können Sie Kunden ruhigen Gewissens raten, in Griechenland oder Spanien zu investieren?

Wittig: Sagen wir es so: Ich weiß von keinem Unternehmen, das derzeit vorhat, dort zu investieren - auch wir nicht.

STANDARD: Wieso nicht?

Wittig: Weil es in diesen Ländern neben der Unsicherheit einen signifikanten Reformstau gibt: bei Arbeitsmarktgesetzen, Unternehmensbesteuerung, Sozialsystemen. Zum Beispiel bedeuten Personaleinstellungen sofort hohe, langfristige Bindung. Das sind starke Investitionshemmnisse.

STANDARD: Sind China und Indien die nächsten Sorgenkinder? Die Wachstumsprognosen wurden zuletzt nach unten korrigiert.

Wittig: Die Vergangenheit hat gezeigt: Wenn die Chinesen sagen, ihre Wirtschaft wächst um sechs bis acht Prozent, wächst sie tatsächlich um acht bis zehn Prozent. Die Frühindikatoren deuten nicht darauf hin, dass der Trend stark absackt. Mein Gefühl ist, dass China das recht gut steuert. Die Führung weiß, dass ihre internen Probleme sonst zunehmen würden. Die Unterschiede zwischen den ärmsten und den reichsten Regionen sind in China viel ausgeprägter als in Europa oder in den USA.

STANDARD: Also bleibt Europa global gesehen das größte Problem?

Wittig: Ehrlich gesagt halte ich die USA für ein größeres Sorgenkind. Die Arbeitslosigkeit verharrt auf hohem Niveau. Amerika ist vor allem ein Binnenmarkt. Der funktioniert nur, wenn die Verbraucher Vertrauen haben - hohe Arbeitslosigkeit verhindert das. Entschuldigt Präsident Obama dies alles mit den Entwicklungen in Europa, liegt er sicher falsch.

STANDARD: Wobei sicher auch der Wahlkampf eine Rolle spielt.

Wittig: Natürlich spielt der eine signifikante Rolle. Obama weiß, wenn er die Wahl verliert, verliert er sie mit dem Arbeitslosenthema.

STANDARD: Hat Obama schlechte Wirtschaftspolitik gemacht?

Wittig: Es gab jedenfalls Versäumnisse. Sie können nach vier Jahren Amtszeit nicht jeden Missstand auf den Vorgänger schieben. Die Rettung der Automobilindustrie hat funktioniert. Auch die Rettung der Banken wurde entschlossen und gut durchgeführt. Investitionen in Infrastruktur aber, die dem Land wirklich gut getan hätten, fielen praktisch aus. Diese Chance haben die USA verpasst. (Günther Oswald, DER STANDARD; 20.6.2012)

Martin C. Wittig (48) ist seit Juli 2010 Vorsitzender des globalen Beratungsunternehmens Roland Berger Strategy Consultants.

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"Zum Beispiel bedeuten Personaleinstellungen sofort hohe, langfristige Bindung. Das sind starke Investitionshemmnisse."
Arschgeigen; euch wäre es am liebsten es gäbe gar keinen Kündigungsschutz. Aufnehmen, Ausnützen, Wegschmeissen.

die da

Diese Realitäten töten uns Opfer.
Wie das Aufblasen eines Muskels : der blick in den Spiegel wird zur Obsession. Während immer_mehr nicht zu verstehen ist (…) für welchen „Ertrag“ (?) wir diese Attaktionen bekommen !!? … ?
Unwiderstehliche Versprechen und GleichgültigkeitEn in den narzisstisch zugeführten Wunden.
Aber immer gut in Form.
Manager (die da) so liebevoll in guter Absicht.
Leben wär aber (ohne die da) ein doch so lässiges Land....

Hmm ?

"Die Vergangenheit hat gezeigt: Wenn die Chinesen sagen, ihre Wirtschaft wächst um sechs bis acht Prozent, wächst sie tatsächlich um acht bis zehn Prozent."

Das glaubt er doch wohl selbst nicht.
In China sind praktisch ALLE Zahlen manipuliert. Das Wachstum liegt in der Realität deutlich niedriger.
Vermutlich ist China bereits in einer Rezession.
Der weltweite Rohstoffpreisverfall geht zumindest bereits davon aus. Auch die Börse in Changhai läuft weiter abwärts.

Manche meinen, das wären die richtigen Zahlen für die USA

Arbeitslose über 20% und Inflation bei 5%

http://www.shadowstats.com/

Was für eine Rolle spielen die US-Schattenbanken?

Wenn die USA ihre offiziellen Banken bankrott gehen lässt? Was passiert mit den Forderungen der EU-Banken die sie gegenüber offiziellen US Banken haben? Haben US-Schattenbanken überhaupt dieses Derivate Risiko - oder stehen sie schon in 2. Reihe um an die Stelle der offiziellen US-Banken zu treten. Könnten unsere Banken das aushalten? Bzw. würde uns (EU-China etc.) das Derivate - Risiko um die Ohren fliegen?

Grabman Sucks

möchte da ja seine gewinnbringende Sparte verkaufen? Warum sollte man etwas verkaufen, das Gewinne bringt - oder ziehen dunkle Wolken auf, am Horizont?

Wer kann dann die Lücke schließen

wo einst unsere Banken vielleicht waren? (Sollte das Derivate Risiko um die Welt ziehen)

die mafia wär ein kanditat, die novomatic ebenfalls - falls du die lücke mit einem moralisch gleichwertigen nachfolger für die banken schließen willst - ansonsten wären institutionen zu empfehlen, die sich a: an strenge regeln halten müssen
und
b: einer demokratisch organisierten kontrollinstanz unterstellt sind

um die lücke zu schließen - dabei geht es vor allem um regeln was die geldmenge im verhältnis zur vorhandenen wirtschaftsleistung betrifft, die geldschöpfung, die vergabe von krediten, mechanismen um das geld im kreislauf zu halten, abschaffung der kapitalverzinsung, abschaffung von spekulation auf resourcen u. lebensmittel etc....

das alles bleibt aber graue theorie, solange jene denen die banken gehören das sagen haben

dazu...

... fällt mir nur zum tausendsten mal ein:

http://www.youtube.com/watch?v=ko5CCSomDMY

"konzessionen auf der Zeitachse"

wenn jemand schon so formuliert, riecht man doch die blenderei zehn km gegen den wind...

Nicht ärgern! lieber schauen, wer aus der usa nach Europa zieht, bzw. im großen Stiel einkauft! In ca. 50 Jahren redet niemand mehr von der usa. Aber hoffentlich wieder von den Indianern, die leider in dem freien Land usa im Gettos wohnen!

wo er recht hat ...

würde auch meinen, dass im zweifelsfall die europäische wirtschaft gesünder ist als die amerikanische...
... aber wenn wir einen schritt weiter gehen, würde ich der ostteuropäischen noch ein besseres zeugnis ausstellen als unserer!

Naja, in Osteuropa gibts eine enorme Privatverschuldung, ähnliches trifft auch auf die USA zu.

Warum sagt eigentlich niemand offen...?

Der wahre Ursprung dieser Krise ist eine neue Umverteilung der Werte. Global in Richtung der BRICS Länder, in Europa zusätzlich in die Staaten des ehemaligen Ostblocks. Das ist goldrichtig so und konnte unmöglich ohne spürbare Folgen für die ehemals reichsten Teile der Welt (Westeuropa, USA) passieren.
Logische Folge: Dort muss man den Gürtel enger schnallen und mit Know-how und Innovationen versuchen, gegen billigere Produktion in den neuen erste-Welt-Ländern zu punkten.

Ist das wirklich so logisch?

Wenn das Erdöl oder Lithium etc ausgeht, geht es aus, aber soweit sind wir noch nicht. Und warum es uns in Europa schlechter gehen soll, wenn China effizienter als früher Dinge Sachen produziert, ist nicht völlig klar.

re

was soll da nicht klar sein wenn sie ein t shirt kaufen das statt 10 euro nur 2 euro kostet dann lösen sie damit 3 Probleme aus 1) das sie diese praktiken in china fördern das ein arbeiter nicht genügend Lohn bekommt um ein normales leben zu führen 2) das in europa keiner mehr t shirts produzieren wird und sie somit ihre arbeit verliert 3) das letztlich sie dann aufgefordert werden mehr zu arbeiten und weniger zu verdienen damit sie konkurenzfähig sind und das nennt man dann so schön wettbewerbsfähig sein !! alles ganz logisch

China produziert ja nicht wirklich effizienter. China produziert billiger, weil die Leute weniger kriegen, die Sozialstandards sind niedriger und sie halten ihre Währung unten (ok, das gebens jetzt langsam und schrittweise auf).

ja, ein vorbild an "wettbewerbsfähigkeit" und "wachstum" dieses china, und ein gutes besipiel dafür, wie es den menschen geht, wenn sie weiter auf diese schwachsinnigen wirtschaftsdogmen hören.

Buch dazu empfehlenswert Tiger Mom

Kinder werden gedrillt bis 12 Uhr Mitternacht, dürfen auf keine Geburtstagsparty gehen, müssen perfekte Noten nach Hause bringen... Amokläufer, die in China auf Kindergartenkinder schießen...Käfigmenschen...hinter einem Chinesen stehen 100 andere und warten auf den Job... Das Problem ist, in China werden nur einige wenige reich durch die Erfolge, aber die Arbeitnehmer bekommen so wenig, dass die Binnenwirtschaft (auch auf Grund der hohen Inflation) nicht gut läuft. Mit mehr Binnenwirtschaft etwas höheren Gehältern und höherem Wechselkurs könnten mehrere Personen in China am Wohlstand teilhaben. So befördern wir uns Global in finstere Mittelalter

Genau so hat Griechenland

sich selbst Zugrunde gerichtet.
Zu schnelle Lohnanpassungen an Zentraleuropa => Preissteigerungen => Finanzierung auf Kredit.
Ohne strukturelle Anpassungenen ist ein hohes Lohniveau nicht zu halten. Derzeit muss Griechenland intern Inflationieren.
Immer wieder wird am falschen Ende der Konsumtheorie gedreht.

intern inflationieren? Wie soll denn das gehen? Wozu Griechenland gezwungen wird, ist eine interne Deflation. Und das ist so ziemlich der kritischste Vorgang den es gibt. Man kann nur hoffen, dass wir in Europa nicht so dumm sind Griechenland in eine echte Deflation zu treiben, sondern die Möglichkeit geben nur real abzuwerten (also so wie es Deutschland in den letzten Jahren gemacht hat). Ob das aber wirklich was bringt ist sehr fraglich. Wenn das nämlich alle machen ist die Katastrophe perfekt.

ohne kommentar!

immer wenn die finanzoligarchie den dollar kurz vor den kollaps gefuehrt hat werden neue konflikte und wirtschaftskrisen aus dem hut gezaubert. diesmal muss eben europa fuer die us-oligarchie bluten ...

und alle Vorschläge

und Empfehlungen der Groß- und ehemaligen Kolonialmächte zielen darauf ab, Deutschland endlich auszuschalten, welches den 'Eurozug' noch am laufen hält.

die langfristige Bindung bei Arbeitsverträgen...

...stört selbstverständlich das Investoreninteresse, aus kurzfristigen Rosinenpicken und hire&fire-Aktionen ein paar Milliarden Dollar rauszuschinden

On es in ihre Weltanschauung passt oder nicht ist das eine

ändert jedoch nichts an der Tatsache, das restriktiver Kündigungsschutz mit einem geringeren Beschäftigungsniveau zusammengeht.

Den 25% Arbeitslosen in Spanien hilt es nur wenig, wenn andere in ihren Jobs toll geschützt und nur schwer kündbar sind.

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