Sony Mobile will Apple und Samsung die Zähne zeigen

Zentraleuropa-Chef Gerhard Sturm: "Ja, wir haben Fehler gemacht"

Der Oberösterreicher Gerhard Sturm, Zentraleuropa-Chef bei Sony Mobile, übt sich in japanischer Demut: "Ja, wir haben Fehler gemacht. Sony Ericsson ist in den ersten Jahren stark gewachsen. Wenn man erfolgreich ist, kann passieren, dass man nicht mehr so genau zuhört."

Das soll jetzt anders werden. Seit Februar ist nach zehn Jahren die mit dem schwedischen Partner Ericsson geteilte Handysparte wieder fest im Kreis der Sony-Familie. Die Integration der mobilen Produkte - Handy und Tablets - soll bei der Neuausrichtung des tief in den roten Zahlen steckenden japanischen Elektronikkonzerns neben den Bereichen Foto und Gaming einer der Eckpfeiler sein.

"Uns war und ist wichtig, nie andere zu kopieren, sondern selbst Innovationen zu bringen"

Bei einem globalen Marktanteil von drei Prozent im ersten Quartal liegt ein sichtlich weiter Weg vor Sony Mobile. Wie will das Unternehmen hier aufholen? "Indem wir auf unsere bisherigen Stärken und Vorteile aufbauen" , sagt Sturm und zählt zur Erklärung auf: "Uns war und ist wichtig, nie andere zu kopieren, sondern selbst Innovationen zu bringen. Wir legen Wert auf eigenes Design. Und wir können nicht nur Hardware wie Smartphones, Fernseher, Playstation bieten, sondern mit Sony Music und Pictures auch Content."

Der 38-jährige Gmundener sieht die Sony-Smartphones der Marke Xperia als Teil von etwas Größerem. Von Kunden käme immer häufiger der Wunsch, ihre Unterhaltungselektronik vom Fernseher über Stereoanlage und Kamera bis hin zum Smartphone gewissermaßen aus einem Guss zu erhalten, mit einer durchgängigen Benutzeroberfläche. "Das wäre reizvoll für unsere Kunden. Diesen Stellenwert können wir mittelfristig haben."

12-Megapixel-Kamera

Einen Ansatz dazu sieht er zum Beispiel im Xperia S. Die mit der 12-Megapixel-Kamera des Smartphones aufgenommenen HD-Videos und Fotos können über den HDMI-Anschluss auch am Fernseher angeschaut werden. Auch sonst versuche der Hersteller seine Kunden mit Features abzuholen, die ihnen den Alltag erleichtern sollen.

Als Beispiel nennt Sturm Xperia Smart Tags. Mit den kleinen Anhängern können mittels NFC (Technik zum kontaktlosen Übertragen von Daten über kurze Distanzen) wiederkehrende Aufgaben automatisiert auf einem Smartphone ausgeführt werden. Ein im Auto angebrachter SmartTag kann etwa dazu genutzt werden, dass auf dem Smartphone gleichzeitig GPS, Bluetooth und eine Navi-App gestartet wird.

Nummer drei in Österreich

Doch mit technischen Spielereien allein sind Marktanteile nicht zu gewinnen. Schon gar nicht, wenn die Konkurrenz so große Namen wie Apple und Samsung trägt. Und denen es an technischen Einfällen bei weitem nicht mangelt, um die Kunden in ihrem Bann zu halten.

Die Stärke der anderen könnte auch deren Schwachpunkt sein, deutet Sturm an. "Nehmen wir einmal den österreichischen Markt. Den Netzbetreibern werden die zwei großen Anbieter allmählich zu stark. Samsung und Apple machen im gehobenen Smartphone-Bereich oft bis zu 50 Prozent des Portfolios aus. Das wollen sie ausbalancieren", sagt der Sony-Manager. " Wir möchten hier der Hecht im Karpfenteich werden."

Ein anderer Vorteil sei, dass Sony Partnern gegenüber ein offenes Modell pflege und deren Services einbaue. Anders als etwa Apple, das in sich geschlossen sei. Der Weg zur Hecht-Mutation zeichne sich bereits ab. GfK-Zahlen zufolge sei Sony in Österreich im April im Smartphone-Segment die Nummer drei gewesen.

Dass zum starken Wachstum auch die Schwäche Nokias beigetragen hat, streitet Sturm nicht ab. Aber Nokia sei immer noch eine starke Marke " und wir sollten da nicht so arrogant sein und unseren eigenen Erfolg an Misserfolgen anderer messen", fügt der Österreicher japanisch-demütig hinzu. (Karin Tzschentke, Der Standard 20.06. 2012)

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