Kantiges Raumfahrzeug erfolgreich getestet

22. Juni 2012, 23:23

Hunderttausende Messdaten geliefert - Start von norwegischer Raketenbasis Andøya

Andøya/Stuttgart -  Nach zehn Minuten war alles vorbei: Das scharfkantige Raumfahrzeug "Shefex II" ist nach seinem Testflug am Freitag planmäßig am Fallschirm nahe Spitzbergen gelandet - und hat die Wissenschaft um Hunderttausende Messdaten bereichert. Forscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatten das Modul, das mit Rakete 12,6 Meter maß, um 21.18 Uhr von der norwegischen Raketenbasis Andøya gut 250 Kilometer ins All geschossen. Das teilte eine DLR-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart mit.

Bei dem Experiment sollten verschiedene Hitzeschutzsysteme und Kühlsysteme getestet werden. "Mit dem Flug von "Shefex II" sind wir wieder einen Schritt weiter auf dem Weg, ein Raumfahrzeug zu entwickeln, das einfach gebaut ist wie eine Raumkapsel, aber Steuerungs- und Flugmöglichkeiten hat wie zum Beispiel das Space Shuttle - nur deutlich billiger", sagt Projektleiter Hendrik Weihs vom federführenden Stuttgarter DLR-Institut für Bauweisen- und Konstruktionsforschung laut Mitteilung. Bei "Shefex II" besteht die Verkleidung anders als bei der herkömmlichen Flugkörpern nicht aus abgerundeten und einzeln angefertigten Kacheln, sondern aus ebenen Flächen. Diese sind technisch einfacher und günstiger zu produzieren.

Tausende Daten pro Sekunde

Nach Angaben von Weihs sollten mehr als 300 Sensoren etwa für Druck, Temperatur und Wärmefluss pro Sekunde 3.000 bis 5.000 Daten liefern. Bis diese analysiert sind, werde es Jahre dauern. "Was wir für die Konstruktion brauchen, wird wohl schon nächstes Jahr ausgewertet sein." Denn in vier bis fünf Jahren soll der dritte Teil der "Shefex"-Mission in den Praxistest geschickt werden. Die Abkürzung "Shefex" steht für "Sharp Edge Flight Experiment", was übersetzt "scharfkantiger Flugversuch" heißt.

Bisher seien die hohen Temperaturen von über 2.500 Grad Celsius, die an den scharfen Kanten gerade beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre entstehen, ein Problem für die Herstellung von Raumfahrzeugen gewesen, erklärte Weihs. Die Forscher testeten mit "Shefex II" nun sowohl ganz neue Materialkonstruktionen, als auch abgewandelte Einsatzformen bestehender Technologie.

Am Ende wollen die Wissenschafter mit Hilfe ihrer Erkenntnisse aus dem "Shefex"-Projekt einen neuartigen, kleinen Raumgleiter bauen, Dieser soll ab 2020 zur Verfügung stehen. Wenn dieser dann kantig statt abgerundet ist, bedeutet dies einen Einschnitt in der Raumfahrttechnik. Doch Weihs gibt sich zurückhaltend: "Von Revolution würde ich da noch nicht unbedingt sprechen." (APA/red, derStandard.at, 22.6.2012)

Kommentar posten
16 Postings

erinnert mich an den Lotus Epirit

"Eine Faustregel, die jeder Raketenforscher beherzigen sollte: Man sollte immer davon ausgehen, dass sie explodiert."

Also Raumfahrt-Revolution würde ich es auch nicht bezeichnen, wenn man die aerodynamischen Eigenschaften des Fluggeräts verschlechtert damit man Kosten sparen kann.

Noch am ehesten eine Material-Revolution weil man ein Material entwickelt hat, das die höhere Reibungshitze aushält.

einfachere hohe stückzahl produktion kann schon auch eine revolution sein, was glauben sie wieviele autos es geben würde wenn man für die produktion von einem auto 300 der besten (NASA) Wissenschafter bräuchte...
massenweltraumausflüge - wir kommen!

"It has to be pointy"...sagt der Diktator...

Das könnte auch für SpaceX interessant sein.

5000 Daten

kilo? meter? zahlen? buchstaben? oder voelleicht doch bytes?

vielleicht meinen die 3000 - 5000 Datensätze. ich frage mich auch ob der Satz heißen soll: 300 Sensoren etwa für Druck, Temperatur und Wärmefluss pro Sekunde, liefern die Daten, oder: 300 Sensoren etwa für Druck, Temperatur und Wärmefluss liefern die Daten pro Sekunde...

Müssen wohl 5000 Bit sein - also 625 Byte.

Andøya?

Bei der Seitenansicht des Geräts hätte ich eher an Peenemünde gedacht. ^^

nichts neues, schon die borg setzten auf einen cubus.

angesichts ihrer zeitreise-unternehmungen würde ich sagen, werden sie auf kuben gesetzt haben werden. oder so.

Wow.

Wusste gar nicht, dass die Norweger eine Raketenbasis in 250 km Höhe haben! (C:

eigenartiger Vergleich

bisher verwendete man Kacheln, jetzt "Flächen".

na solang sie keine Punkte oder Linien verwenden...

Na, dann viel Glück.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.