Deutsche Reeder suchen Weg aus der Krise

19. Juni 2012, 15:10

Es steht schlecht um die Schifffahrtbranche, Pleiten und Fusionen stehen in den nächsten Jahren bevor

Hamburg - Die deutschen Reeder finden keinen Weg aus der Krise. 80 Prozent erwarten, dass etliche Reedereien das nächste Jahr nicht überstehen werden, ergab eine Umfrage von teleResearch Mannheim unter mehr als 100 Reedereien im Auftrag der Beratungsfirma PwC. "Die meisten Reedereien wollen in den kommenden Jahren nicht in neue Schiffe investieren", sagte PwC-Experte Claus Brandt am Dienstag in Hamburg. Deutschland drohe der Abstieg aus dem Kreis der führenden Schifffahrtsnationen. Andere Nationen speziell aus dem asiatischen Raum könnten mit staatlicher Unterstützung in den Aufbau ihrer Handelsflotten investieren.

Die Schifffahrt leidet weltweit unter Überkapazitäten, mangelnder Auslastung und Preisdruck. Zwar erwarten die meisten Reeder in den kommenden Monaten steigende Fracht- und Charterraten, doch könnten damit nicht die aufgelaufenen Verluste ausgeglichen werden. "Besonders kleinere Reedereien mit weniger als 100 Mio. Euro Umsatz haben keine guten Perspektiven", sagte Brandt. Bei vielen Schiffen sei eine Insolvenz bisher nur aufgeschoben und durch Finanzierungsvereinbarungen mit den Banken vermieden worden. "Viele Reeder haben ihre finanziellen Reserven verbraucht und stehen unter großem Druck von Seiten der Kreditgeber."

Rund ein Drittel der weltweiten Containerschiffsflotte wird bisher von Deutschland aus dirigiert, wenn auch meistens nicht unter deutscher Flagge. Der maritime Sektor insgesamt - Schifffahrt, Häfen, Werften, Finanzierer, Zulieferer und Dienstleister - steht in Deutschland nach den Worten von Brandt für 380.000 bis 400.000 Beschäftigte und einen Umsatz von 85 bis 90 Mrd. Euro. Sollte die Handelsflotte schrumpfen, hätte das nach Einschätzung der Beratungsfirma unweigerlich Auswirkungen auf die gesamte maritime Wirtschaft in Deutschland und würde den Verlust von Arbeitsplätzen nach sich ziehen. "Schiffe und Beschäftigung würden ins Ausland gehen", sagte Brandt.

Einfache Wege aus der Krise sind nicht erkennbar, so lange sich die Märkte nicht erholen. Denkbar seien Förderinstrumente zugunsten der Schifffahrt wie verbilligte KfW-Kredite oder Bürgschaften, erklärte der PwC-Experte. Die Möglichkeiten der Reedereien, sich selbst zu helfen, sind offenkundig weitgehend ausgeschöpft. In den vergangenen Jahren haben die Reeder beim Kampf gegen die Krise in unterschiedlichem Maße ihre Finanzierungen überprüft und neue Kapitalquellen erschlossen, Investitionen zurückgestellt, Schiffe aufgelegt oder verkauft, Bauverträge storniert und Mitarbeiter entlassen. Doch sei die Dauer und Tiefe der Krise von den meisten unterschätzt worden. "Es zeigt sich durchgängig, dass unterm Strich sehr viel härter konsolidiert werden musste als ursprünglich angenommen", sagte Brandt. (APA, 19.6.2012)

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10 Postings

Diese feinen Reedereibesitzer mögen aufhören zu jammern. Dieses größte Kartell der globalen Wirtschaft finde ich zum Kotzen. Es finden regelmäßig koordinierte Ratenerhöhungen statt und als Nutzer dieser Dienstleistung hat man keine Möglichkeit zu entkommen. Und damit ja nichts passieren kann, erhöhen wir die Raten und reduzieren wir den verfügbaren Frachtraum, damit eine Begründung für die Ratenerhöhung gegeben ist.

Deutschen Flugzeugträgerverband aufbauen

Die deutsche Bundesregierung könnte aus der Not eine Tugend machen und zwei mittelgroße bis große Flugzeugträger samt Begleitschiffen und Flugzeugen in Auftrag geben - anders als die willigen Länder Frankreich und Großbritannien könnten die Deutschen sich das tatsächlich leisten. Nicht nur die USA sondern auch Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Brasilien, Indien, Russland, ja selbst Thailand verfügen über Flugzeugträger. Das Deutschland als viertgrößte Wirtschafts- und zweitgrößte Exportmacht, die auf offene Seewege angewiesen ist, nicht zu diesem erlesenen Kreis gehört, ist realistisch betrachtet hochnotpeinlich. Die deutschen Schiffsbauer und Zuliefererbetriebe hätten bei einem solchen Milliardenprojekt ordentlich was zu tun.

Man muss halt mehr Schiffe auf Riffe auflaufen lassen

Man müsste den Asiaten mal DKD (Monopoli) erklären:

Wenn jemand alles "gewonnen" hat ist das Spiel zu Ende.

Weichheit ist auch ein Dalent.

DKT (Monopoly)

Einfach alle in Griechenland...

...domizilieren, da zahlt man keine Steuern.

In D auch nicht,

weil die Schiffe ohnehin ausgeflaggt werden.

Was die Reederer aber nicht daran hindert, nach der Bundeswehr zu schreien, wenn mal wieder ein Schiff von Piraten überfallen wurde...

...weil die Schiffe ohnehin ausgeflaggt werden

..und wenn sie noch unter deutsche flagge fahren liegt das, meist, daran das sie hochsubventioniert in ner deutschen Werft gebaut wurden und einige wenige jahre dazu verpflichtet wurden.
gerade die deutschen Reeder verstanden es über Jahrzehnte perfekt dem deutschen staat zu "schröpfen"
"Mitleid" ist völlig unangebracht.
wer wirklich übrigbleibt ist/sind, wie immer, die echten Hackler

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