Immer mehr Österreicher ziehen in den erweiterten "Speckgürtel"

19. Juni 2012, 14:23
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Großstadt-Vororte und Randgemeinden boomen als Wohnorte - Städtebund fordert Wiedereinführung des Vorsteuerabzugs bei Bildungseinrichtungen

Wien - In der Großstadt arbeiten und am Land wohnen wird immer beliebter. Das zeigt eine am Dienstag vom Städtebund präsentierte Aufstellung der Statistik Austria. Den höchsten Bevölkerungszuwachs verzeichneten demnach zwischen 2001 und 2011 die Städte und Gemeinden im Einzugsgebiet von Wien (Gänserndorf +28,1 Prozent, Vösendorf +25,7) und Graz (Seiersberg +22,6 Prozent, Gratkorn +13,2). Auch die Randgemeinden von Linz (Leonding +14,0 Prozent) und Innsbruck (Hall in Tirol +10,5 Prozent) wiesen deutliche Zuwächse auf.

Quelle: Statistik Austria (PDF-Datei, 17 MB) 

Auffällig ist, dass im Gegensatz zu den Großstadtregionen strukturschwächere Gebiete einen Bevölkerungsschwund verzeichnen. In vielen Gemeinden in den alten steirischen Industrieregionen (Eisenerz -23,1, Murau -10,1, Köflach -8,6) oder im nördlichen Waldviertel (Raabs an der Thaya -10,8, Litschau -10,1, Heidenreichstein -10,0 Prozent) ist dieser Trend nachvollziehbar.

Altes Eisenerz

Eisenerz hat mit 51,4 Prozent auch den geringsten Anteil an Personen im klassischen "Erwerbsalter" (20 bis unter 65 Jahre) und ist damit wenig überraschend Schlusslicht bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen (12,2 Prozent). Zum Vergleich: Spitzenreiter Lustenau hat einen Anteil an "Jungen" von immerhin 24,7 Prozent.

Was die Landeshauptstädte angeht, hat Graz laut Angaben der Statistik Austria mit einem Bevölkerungsplus von 15,6 Prozent in den vergangenen Jahren am Stärksten zugelegt. Knapp dahinter folgt Eisenstadt mit 14,66 Prozent. Eine Bevölkerungszunahme im zweistelligen Bereich kann auch noch Wien vorweisen (10,58). Linz (+3,2), Salzburg (+3,8) und Bregenz (+3,86) stehen am anderen Ende der Skala.

Die Großstadt ist dabei Anziehungspunkt für Personen mit Migrationshintergrund. 2010 lebten rund 80 Prozent der Personen ausländischer Herkunft in nur zehn Prozent aller Gemeinden.

Kinderbetreuungsquote steigt

Als Herausforderung für die Städte zeigt sich laut Generalsekretär Thomas Weninger die Bereitstellung von Kinderbetreuungsplätzen. Betrachtet man die Entwicklung der Kinderbetreuung bei Drei-, Vier- und Fünfjährigen in den letzten zehn Jahren, zeige sich, dass bei allen drei Alterskategorien beträchtliche Anstiege zu erkennen seien.

So erhöhte sich die Betreuungsquote der Dreijährigen von 53,4 Prozent im Jahr 1999 auf mittlerweile 80 Prozent. Bei den Vierjährigen wurde in den letzten zehn Jahren eine Steigerung von 84,0 auf 95,5 Prozent verzeichnet, bei den Fünfjährigen von 90,2 auf 94,4 Prozent. Die Betreuung der bis Zweijährigen liegt aktuell bei 17,1 Prozent.

Die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für die vorschulische Erziehung beliefen sich 2010 in den Landeshauptstädten auf durchschnittlich 262 Euro pro Einwohner bzw. 5.700 Euro pro betreutem Kind, beim allgemeinbildenden Unterricht lagen die Kosten bei durchschnittlich 338 Euro pro Einwohner bzw. 3.300 Euro pro Schüler.

Verteuerung durch eliminierten Vorsteuerabzug

Umso ärgerlicher findet es Weninger, dass im Rahmen des Konsolidierungspaketes die Möglichkeit des Vorsteuerabzuges für Bildungseinrichtungen eliminiert wurde. Dadurch würden sich Investitionen für Bauprojekte um 20 Prozent verteuern.

Neben der Rücknahme dieser Maßnahme verlangte der Städtebund neuerlich eine Reform des Finanzausgleichs in Richtung Aufgabenorientierung. Der FAG sollte sich nicht nur an der Einwohnerzahl sondern auch an den Aufgaben orientieren, würden doch die Städte eine Fülle von Aufgaben für ihr Umland übernehmen. (APA, 19.6.2012)

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