"Fürsorgepflicht", aber kein Recht auf "hitzefrei"

19. Juni 2012, 12:43
  • Hitzefrei? Nein, da muss man durch.
    foto: apa/obs

    Hitzefrei? Nein, da muss man durch.

Arbeitnehmer müssen ihrer Dienstpflicht nachkommen, Arbeitgeber müssen Klimaanlagen aktivieren

Wenn ein paar heiße Tage ins Land ziehen, taucht die Diskussion jedes Jahr aufs Neue auf. Haben Arbeitnehmer das Recht auf "Hitzeferien"? "Nein", so lautet die Auskunft der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). Eine gesetzliche Grundlage existiert nicht. Was sehr wohl existiert, sind Bestimmungen zum Raumklima und zur Fürsorgepflicht, die Arbeitgeber gegenüber ihren Beschäftigten haben.

Wie die GPA auf ihrer Seite informiert, so gibt es eine Arbeitsstättenverordnung (AStV), die Regelungen zum Raumklima in Arbeitsräumen inkludiert: "Nach dieser Verordnung hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass in der warmen Jahreszeit bei Vorhandensein einer Klima- oder Lüftungsanlage die Lufttemperatur 25 Grad Celsius möglichst nicht überschreitet oder andernfalls sonstige Maßnahmen ausgeschöpft werden, um nach Möglichkeit eine Temperaturabsenkung zu erreichen."

Klimaanlage und Duschen nicht Pflicht

Das könnten zum Beispiel Jalousien zur Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung sein. Eine Pflicht zur Errichtung einer Klima- oder Lüftungsanlage besteht nicht. Gibt es allerdings eine solche Anlage, muss der Arbeitgeber sie auch in Betrieb nehmen, so die GPA. Eine Verpflichtung, während einer Hitzeperiode Duschen zur Verfügung zu stellen, besteht nicht. Waschplätze müssen aber vorhanden sein.

Im Rahmen der Fürsorgepflicht müssen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter vor der Gefahr einer Gesundheitsbeeinträchtigung schützen. Die GPA empfiehlt Unternehmen zum Beispiel folgende Maßnahmen:

  • Getränke in ausreichender Menge (kein Alkohol)
  • Ventilatoren in den Arbeitsräumen
  • Bei Arbeit im Freien Kopfbedeckungen und Sonnencreme
  • Lockere Bekleidungsvorschriften
  • Zusätzliche Arbeitspausen
  • Besondere Rücksichtnahme auf ältere und gesundheitlich gefährdete Arbeitnehmer

Bis zum Hitzekollaps muss keiner arbeiten, betont die GPA, denn: "Arbeitnehmer, die ernstzunehmende gesundheitliche Beschwerden verspüren, haben das Recht, den Arbeitsplatz zu verlassen und einen Arzt aufzusuchen." (red, derStandard.at, 19.6.2012)

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"Nach dieser Verordnung hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass in der warmen Jahreszeit bei Vorhandensein einer Klima- oder Lüftungsanlage die Lufttemperatur 25 Grad Celsius möglichst nicht überschreitet oder andernfalls sonstige Maßnahmen ausgesc

d.h. auf gut deutsch, wenn keine klimaanlage vorhanden ist, darf's auch 30°C und mehr haben? klass'!

Das heißt auf gut Deutsch

die ganze Verordnung ist für den Hugo :) Eine typisch Österreichische Lösung übrigens...

Bei mir hats grad die 30er Marke überschritten im Büro :-)

Also ich habe z.Zt. in meinem Büro 28°C und meinen Ventilator hab ich mir gestern aus dem eigenen Geldbörsel gezahlt, weil mein Arbeitgeber dafür kein Budget übrig hat (für ne Klimaanlage erst Recht nicht...).

Hat's auch. Z.B. in Industrieanlagen, Hallen, in denen viel Abwärme entsteht. Auch bei maximaler Durchlüftung hat es da noch mal z.B. 15 Grad über Umgebungstemperatur, jetzt also so 45-50 Grad. Das über Klimaanlagen wegzukühlen wäre energietechnischer Wahnsinn. Da könnten Sie nur alle Giessereien, Zellstoffkochereien, etc. etc. im Sommer dichtmachen. Ja, da arbeiten dann Leute, evtl. auch noch in Schutzkleidung, und gar nicht luftig angezogen, im Sommer eben eher in vielen kurzen Etappen mit Abkühlungspausen.

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