Falsche Hoffnungen auf CO2-Lagerung unter der Erde

Kohlendioxid, das zurück in die Erde gepumpt wird, löst Erdbeben aus - Gas könnte wieder entweichen

Washington - Es klingt bestechend einfach: Wenn die Nutzung fossiler Brennstoffe dem Klima durch die Freisetzung von Unmengen an CO2 schadet, warum schickt man das Gas nicht wieder dorthin zurück, wo der Kohlenstoff herkam, nämlich unter die Erde? Platz genug müsste schließlich da sein.

Experten bezeichnen die Idee als Carbon Capture and Storage (CCS). Das schädliche Kohlendioxid sollte bei seiner Entstehung sofort eingefangen und anschließend tief in der Erdkruste gespeichert werden. Einige erhoffen sich davon die Rettung der herkömmlichen fossilen Energiewirtschaft. So lange zumindest, bis die Vorkommen ganz zur Neige gehen.

Doch diese Hoffnungen dürften zum Scheitern verurteilt sein, sagt der Geowissenschafter Mark Zoback von der Stanford University in Kalifornien. Das Problem sind vor allem die enormen Mengen, erklärt der Forscher im Standard-Gespräch. Er und sein Kollege Steven Gorelick haben eine umfassende Analyse der Möglichkeiten von CCS durchgeführt und diese im Fachblatt "PNAS" publiziert. Fazit: Die sichere Speicherung von klimarelevanten Massen an CO2 ist wahrscheinlich illusorisch.

Die Zahlen sind beeindruckend. Rund 3,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid müssten pro Jahr in die Erdkruste gepresst werden, um eine wesentliche Auswirkung auf den Erderwärmungsprozess zu erzielen. Das entspricht knapp dem Volumen der momentanen jährlichen Erdölfördermenge. Weltweit.

Allerdings ließe sich das klimaschädliche Gas nicht so leicht in ehemalige Ölfelder pumpen. Die Kosten wären gewaltig. Stattdessen müsste man Lagerstätten dort suchen, wo CO2 anfällt: in Industrienationen und boomenden Ländern wie China und Indien.

Technisch wäre CCS durchaus machbar, sagt Zoback. Das Kohlendioxid ließe sich verflüssigt in poröses Gestein injizieren. Doch dabei drohen auch Gefahren. Der Porendruck würde steigen, was zu einer Zunahme bereits bestehender Spannungen in der Erdkruste führt. Das würde kleinere Erdstöße auslösen, wie sich bei der unterirdischen Lagerung von Abwasser aus der Erdgasgewinnung in den USA gezeigt hat. Für die CO2-Speicherung in angeblich hermetisch dichtem Gestein hätte das große Folgen. "Ein einzelnes schwaches Erdbeben könnte die Abdichtung aufreißen", sagt Zoback. Das CO2 würde aufsteigen und früher oder später wieder in die Atmosphäre entweichen. Riesige Investitionen - umsonst.

Die Idee ist allerdings nicht völlig sinnlos, betont Zoback. "Wir hoffen, dass CCS weiterentwickelt wird, für spezielle Fälle." Ein solcher wäre die Utsira-Formation tief unter der Nordsee. Dort gewonnenes Erdgas enthält von sich aus viel CO2. Das Kohlendioxid wird noch auf den Bohrinseln abgetrennt und sofort über eine separate Leitung in eine besonders lockere, weiche und verformbare Sandsteinschicht gepresst.

So können sich keine Spannungen aufbauen. Ideal für die CO2-Speicherung, erklärt Zoback. Leider wird es nicht genug solcher Formationen auf der Welt geben. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD, 19.6.2012)

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Irreführender Artikel

Die CO2-Speicherung war doch niemals eine Idee, um fossile Energie weiterhin verbrennen zu können "bis die Vorkommen ganz zur Neige gehen". Hingegen könnte es eine Möglichkeit für Länder wie z. B. Polen sein, die 90% ihres Stroms aus Kohle produzieren. Die können beim besten Willen nicht schnell genug aus der Kohleverbrennung ganz aussteigen.

Und noch etwas ist seltsam: Unterirdische Gasspeicher gibt es schon seit Jahrzehnten. Wieso sollen Kohlendioxid-Speicher dann unmöglich sein? Gas ist mindestens so gefährlich wie CO2.

An Alle Klimawandelgegner:

Kaum jemand bestreitet die Evolution, also warum bestreitest Du dann dass es den Klimawandel gibt!

Würd mich interessieren welche Lobby diesen Schwachsinn erfunden und betrieben hat....

Gibt sicher seitens der Öl/Gas/Kohle Lobby massives Interesse diese Ressourcen auch noch bis zum letzten Jota abzubauen - bevor man auf nachhaltige und sinnvolle Konzepte umsteigt.

CO2 wird von Pflanzen mit Hilfe von Sonnenlicht und Wasser in O2 und Zucker verwandelt. Das ist ein ganz normaler Vorgang und keineswegs für das Klima schädlich.

Troll?

Behauptet auch niemand.

War von Anfang an kein Fan von CCS.

Das ist kein Vergleich zum Tunnelbau oder Minenabbau.
Die Technik für sowas ist noch nicht ausgereift, es gibt noch nicht einmal eine Skizze dafür!
Das ist der selbe Schmarrn wie Erdwärmekraftwerke.

Ich bin dafür erst mal 50-100 Jahre in Forschung zu investieren, um unter anderem zu Prüfen, wie bestimmte verschiedene Gesteinsschichten aufeinandergestapelt auf diesen Druck reagieren, bevor man es nochmal versucht. Denn es war mir nicht bekannt, das sowas durchkalkuliert wurde, und wenn nicht bekannt, weil es dies einfach nicht gab, dann ist das einfach ein Versäumnis und fahrlässig gegenüber den Bewohnern in der Umgebung.

na ja,

Untertage-Gasspeicher gibt es ebenso wie Erdwärme-Kraftwerke eh erst seit mehr als einem halben Jahrhundert ;-)

Meteorismus, Flatulenzen für Mutter Erde: wird/werden sie/wir das aushalten?

man könnte ja

aus dem co2 wieder c + o2 machen, dann das c vergraben.
...oder einfach gleich unten lassen ?

Wenn würde man das c verheizen

und wieder co2 daraus machen. Nur kostet dieser Kreislauf mehr Energie wie er bringt.

Ihre Aussage widerspricht dem 1. HS der Thermodynamik.

Nein, tut er nicht, einen 100% Wirkungsgrad gibt es nämlich nicht und es verletzt kein Gesetz (das gegenteil ist der Fall) mehr Energie zu benötigen (Rest ist Abfallwärme)

Doch, so wie er es formuliert hat schon. Die Reaktionsenthalpie in diesem Kreislauf muss im gesamten Null ergeben (= Hess'scher Satz).

Der gilt aber nur für die Enthalpie*änderung*, wie viel Energie auf dem Reaktionsweg verloren geht bleibt ja davon unberührt

Klar, am Ende ist wieder genau so viel Energie gespeichert wie am Anfang, aber der Weg dorthin ist lang und, energetisch gesehen, sehr teuer

Natürlich gilt es nur für die Enthalpieänderung. Es wäre Schwachsinn, absolute Enthalpien verwenden zu wollen.

Lesen Sie noch einmal, was "franz fröhlich" schrieb: Er erwähnte einen Kreislauf. Einen Kreislauf zu formulieren hat aber mit dG oder dA keinen Sinn, da sie die Reaktion CO2 -> C + O2 positiv wären, sprich nicht ablaufen.

Sie könnten auch einfach einsehen, dass ich Recht habe. Stattdessen reiten Sie sich immer weiter in Ihrem thermodynamischen Irrtum. Zufällig kenne ich mich da gerade gut aus, weil ich für eine Prüfung zu diesem Thema lerne.

>Es wäre Schwachsinn, absolute Enthalpien
>verwenden zu wollen
Eben

>Sie könnten auch einfach einsehen,
>dass ich Recht habe
Das haben sie aber nicht, oder wir reden aneinander vorbei

> in Ihrem thermodynamischen Irrtum
Es ist kein Irrtum, das das Umkehren einer Reaktion in Summe mehr Energie verbraucht als danach im Reaktionsprodukt enthalten ist

"Es ist kein Irrtum, das das Umkehren einer Reaktion in Summe mehr Energie verbraucht als danach im Reaktionsprodukt enthalten ist."

Das ist nicht pauschal wahr. Gehen's ein bisschen Thermodynamik lernen... Ich mache es auch grad und Ihnen würde es auch nicht schaden.

Kommt da noch was oder war das jetzt alles? Doch nicht so wie gedacht? :)

Oder lieber für die Prüfung gelernt und diese gemacht.

>Das ist nicht pauschal wahr
OK, man lernt ja nie aus, bringe sie doch mal ein Beispiel einer Reaktion, die umzukehren *exakt* so viel Energie erfordert wie man zuvor erhalten hat. Mehr kann es ja nie sein, da sind wir uns doch einig, oder?

>Gehen's ein bisschen Thermodynamik lernen
Na dann, dann mal Butter an die Fische, ich lerne immer gern dazu.
Erklären sie mir mal wie eine reale Reaktion aussieht, die einen Wirkungsgrad von 100% hat wenn man sie umkehrt

Aber um diese Diskussion zu Ende zu bringen:

Natürlich gibt es keinen 100%igen Wirkungsgrad, aber auf die ursprüngliche Fragestellung zurückgekommen: Natürlich müsste man diesem Kreislauf von außen Energie zuführen. Wenn man das aus erneuerbaren Energien schafft, wäre das passend.

Jetzt haben sie begriffen, worum es geht!

Es kostet mehr Energie als es bringt, was anderes habe ich nicht behauptet.
lg

>Natürlich gibt es keinen 100%igen Wirkungsgrad
Könnten sie sich bitte entscheiden?

>Natürlich müsste man diesem Kreislauf von
>außen Energie zuführen
Ganz richtig und nichts anderes habe ich behauptet

Also: Schön brav Thermodynamik lerne und nicht hochnäsig Sprüche klopfen.

Und einen Wirkungsgrad von 100% habe ich nie behauptet, den haben Sie daherphantasiert.

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