Red Bull, der Fußball und die Medizin

  • Bernd Pansold, Red Bulls Chefdiagnostiker.
    foto: foto: kerstin joensson/dapd

    Bernd Pansold, Red Bulls Chefdiagnostiker.

  • Die drei von der Baustelle: Ko-Trainer Piet Hamberg, Ko-Trainer Niko 
Kovac und Torwarttrainer Herbert Ilsanker kürzlich beim Trainingsauftakt
 von Meister Red Bull Salzburg.
    foto: foto: kerstin joensson/dapd

    Die drei von der Baustelle: Ko-Trainer Piet Hamberg, Ko-Trainer Niko Kovac und Torwarttrainer Herbert Ilsanker kürzlich beim Trainingsauftakt von Meister Red Bull Salzburg.

Fußballmeister Salzburg sucht einen Trainer. Dieser muss nicht zuletzt mit der medizinischen Ab­teilung von Red Bull kooperieren. Diese leitet Bernd Pansold. Dieser hilft Sportlern von Red Bull. Diese fahren auch für den Skiverband.

Salzburg/Wien - Champions League, Hinspiel zur zweiten Quali-Runde. 21./22. Juli: Auftakt zur österreichischen Fußball-Bundesliga. Da wie dort, davon ist auszugehen, wird Red Bull Salzburg vertreten sein, Red Bull Salzburg ist ja nicht irgendwer, sondern Österreichs Fußballmeister und Cupsieger. Fraglich ist nur, wie lange Salzburg dann in der Champions League vertreten ist. Denn vier Wochen vor Saisonbeginn gibt der Doublegewinner ein Bild des Jammers ab. Nach dem Rücktritt von Ricardo Moniz wird ein neuer Trainer gesucht, durch den Raum schweben Namen wie Gerard Houllier oder Ralf Rangnick, vielleicht steigt auch Niko Kovac vom Assistenten zum Chef auf, immerhin leitet er seit einigen Tagen das Training. Doch wer auch immer Moniz folgen wird, ihm bleibt kaum Zeit, eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu formen.

Bei aller von der RB-Chefetage gezeigten Überraschung über den Moniz-Rücktritt dürfte klar sein, dass Red Bull den Trainer an seinem Schritt nicht gehindert hat. Eher im Gegenteil. Die jüngste Einmischung in Moniz' Arbeit dürfte eine zu viel gewesen sein. Sie ging dem Vernehmen nach auf das Konto der medizinischen Abteilung, die sich in Trainingsabläufe eingemischt hat.

Einflüsterer

Ob es bloß der neue Vereinsarzt Markus Klein war, über den Moniz gestolpert ist? Da und dort ist von einem "neuen, wichtigen Einflüsterer" an Mateschitz' Seite die Rede, dabei soll es sich um Nachwuchsleiter Percy van Lierop, einen Niederländer, handeln. Auch Peter Vogl, dem Geschäftsführer des Klubs, und seinem Assistenten Oliver Glasner scheinen die Hände gebunden, während Red Bull einen neuen Trainer sucht.

Hinter oder über Klein, dem Klubarzt, steht Bernd Pansold, der oberste Leistungsdiagnostiker von Red Bull. Pansold half im Olympiastützpunkt Obertauern auch österreichischen Skifahrern von Hermann Maier abwärts. Er war allerdings, wie ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel schon seinerzeit betonte, "nie beim ÖSV beschäftigt". Als der Skiverband den Olympiastützpunkt übernommen hatte, da drängte er auf eine Trennung von Pansold, dem in Form des DDR-Dopingprozesses Ungemach drohte. Und Schröcksnadel betonte: "Ich habe immer jegliche Zusammenarbeit mit Dr. Bernd Pansold abgelehnt."

Diese Ablehnung wurde dadurch bestärkt, dass Pansold wegen Beihilfe zur Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Heute, nach all den Jahren, ist die Ablehnung möglicherweise nicht mehr ganz so strikt. Pansold ist seit Jahren als oberster Leistungsdiagnostiker für Red Bull tätig, und viele der von Red Bull gesponserten Sportler treten regelmäßig zu Leistungstests oder auch zwecks Therapie und Wiederaufbau nach Verletzungen im Trainingszentrum Thalgau an, beispielsweise Lindsey Vonn oder Formel-1-Piloten, allen voran Sebastian Vettel. Die Weltklassekletterer Angela Eiter, Kilian Fischhuber und David Lama waren vor Jahren öfter, in jüngerer Vergangenheit aber nicht mehr in Thalgau.

Für alle Red Bull-Sportler offen

Das Red-Bull-Zentrum steht prinzipiell allen Red-Bull-Sportlern offen. Die Skispringer und heimischen Red-Bull-Aushängeschilder Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer freilich trifft man in Thalgau genausowenig an wie die von Red Bull unterstützten Biathleten. Sehr wohl aber ÖSV-Snowboarder. Benjamin Karl und Sigi Grabner berichteten auch in jüngerer Vergangenheit immer wieder von Aufenthalten in Thalgau.

Interessant ist, dass man ansonsten immer wieder auf eine Mauer des Schweigens stößt, wenn man Sportler oder Betreuer auf Thalgau oder Pansold anspricht. Da ist sogar von Verschwiegenheitserklärungen die Rede, die zu unterschreiben waren. Die Snowboarder sind also auch in der Beziehung vergleichsweise lockere Typen. Laut Christian Galler, Snowboard-Referent im ÖSV, findet der ÖSV die Thalgau-Besuche der Snowboarder zwar auch aktuell "nicht wirklich witzig. Aber der Präsident drückt da ein Auge zu".

Galler sieht sich, wie er sagt, allein schon aus finanziellen Gründen gezwungen, das Konditionstraining auszulagern, und ist glücklich über die Möglichkeiten, die Red Bull anbiete. "Komplette Trainingsbegleitung, -planung und -umsetzung." Zu Pansold sagt Galler, dass dieser sich in der Leistungsdiagnostik "auskennt wie kaum ein anderer". Und dass man " irgendwann auch einen Strich ziehen können muss". (Fritz Neumann, David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe 19.06.2012)

Share if you care