Durnwalder: "Mario Monti will nur Geld haben"

Interview | Christoph Prantner
18. Juni 2012, 19:00
  • Luis Durnwalder regiert seit mehr als 22 Jahren in Südtirol.
    foto: hopi-media/bernhard j. holzner

    Luis Durnwalder regiert seit mehr als 22 Jahren in Südtirol.

Italiens Regierungschef kümmere sich nicht um Südtirols Autonomie, sagt Landeshauptmann Luis Durnwalder. Er wolle diese ausbauen, unrealistische Sezessionsbestrebungen lehne er ab.

STANDARD: In Südtirol wird derzeit wieder einmal heftig über ein Los von Rom und einen Freistaat debattiert. Fast könnte man meinen, man habe dort die Streitbeilegung und den europäischen Einigungsprozess nicht mitbekommen. Wie erklären Sie sich das?

Durnwalder: Oppositionsparteien brauchen ja irgendeine Daseinsberechtigung. In Südtirol ist es so, dass es bei der Opposition - mit Ausnahme der Grünen - nicht um Ideologie geht, sondern um Volkstumspolitik. Die SVP dagegen hat einen realistischen Weg eingeschlagen, der internationalen Verpflichtungen und Abkommen entspricht, den Weg der Autonomie. Statt Selbstbestimmungsrecht und Freistaat sagen wir, dass wir eine Vollautonomie möchten. Das heißt, einen Ausbau unserer derzeitigen Befugnisse.

STANDARD: Was genau soll das sein, eine Sezession quasi innerhalb der italienischen Staatsgrenzen?

Durnwalder: Autonome Gesetzgebung und Verwaltung bedeutet, dass man die notwendigen Zuständigkeiten hat, um diese Autonomie auch leben zu können. Wir haben mit der Streitbeilegungserklärung zwischen Italien und Österreich eine ganze Menge von Zuständigkeiten bekommen, aber eben nicht alle. Wir würden gerne bei der Polizei oder in der Gerichtsbarkeit mehr mitreden wollen oder auch die Verteilung der Post selber übernehmen. In den 1960er Jahren wäre das nie erreichbar gewesen, jetzt ist es realistisch, sie zu fordern. Früher oder später werden wir das eine oder andere bekommen.

STANDARD: Bozen war immer erfolgreich, wenn es eine schwache Regierung in Rom gegeben hat. Heute ist es wieder der Fall, aber Mario Monti ist sehr harsch gegenüber Südtirol. Sogar von Kürzungen der Rücküberweisungen von Steuerzahlungen aus Rom ist die Rede. Ist das noch aktuell?

Durnwalder: Es ist leider so, dass Monti und Co keine Politik machen. Sie wollen nur die Staatsfinanzen sanieren. Bisher haben sie nur Steuern erhöht und Leute entlassen. Das ist nicht die richtige Politik, denn man müsste Prioritäten setzen, eine grundsätzliche Reform des Staates angehen. Monti kümmert unsere Autonomie überhaupt nicht, er will nur Geld haben. Wir haben bereits auf eine halbe Milliarde an Einnahmen verzichtet, zugunsten des Staatshaushaltes, aber jetzt möchte er noch einmal eine halbe Milliarde haben. Das können wir nicht geben. Abgesehen davon haben wir Abkommen mit dem Staat, und die muss er einhalten. Sonst müssen wir, wie so oft, den Verfassungsgerichtshof anrufen.

STANDARD: Was rechtfertigt die SVP heute eigentlich noch als ethnische Sammelpartei?

Durnwalder: Südtirol hat 511.000 Einwohner. Selbst wenn alle italienischen, deutschen und ladinischen Südtiroler für die Autonomie eintreten würden, dann wären wir immer noch nur ein Prozent der italienischen Bevölkerung. Wenn wir etwas erreichen wollen, dann muss wenigstens dieses eine Prozent möglichst mit einer Stimme sprechen.

STANDARD: Sie treten im nächsten Jahr ab, was ist Ihre Vision für das Land in den nächsten Jahren?

Durnwalder: Mein Wunsch wäre, dass sich eine gewisse Öffnung fortsetzt. Wir brauchen mehr Basisdemokratie und einen Ausbau unserer Autonomie. Und wir müssen dafür sorgen, dass sich das Zusammenleben zwischen den drei Volksgruppen verbessert, sich die alten Wunden, die noch immer irgendwo zu spüren sind, schließen. In der Wirtschaft müssen wir die Vollbeschäftigung aufrechterhalten und qualitativ hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Wir verlieren 20 Prozent der Akademiker, die irgendwo im Ausland studieren und nicht mehr zurückkehren. Wir haben noch viel zu wenig Export, da brauchen wir noch Entwicklung, Innovation und so weiter. Ich glaube da haben wir jede Menge zu tun.

STANDARD: Wer wird Ihr Nachfolger?

Durnwalder: Wenn ich das wüsste! Viele glauben ja noch nicht, dass ich wirklich abtrete. Es gibt eine ganze Menge von Kandidaten, die die Voraussetzungen hätten. Aber leider ist es so, dass unter diesen Leuten keiner so heraussticht, dass ich sage: Der ist es. Das soll dann die Parteibasis machen. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 19.6.2012)


Luis Durnwalder (70) hat in Wien Jus und Agrarwissenschaften studiert. Ab 1973 gehörte er für die SVP der Regionalregierung von Trentino-Südtirol an, seit 1989 ist er Südtiroler Landeshauptmann. Heute, Dienstag, wird er im Nationalrat der Festveranstaltung zu 20 Jahre Streitbeilegung zwischen Italien und Österreich beiwohnen.

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Na da schau her, wie sich die zeiten ändern...

http://derstandard.at/124654310... g-erklaert

Die südtiroler benehmen sich wie pubertierende

Keine ahnung von der geschichte.
Die autonomie wird uns schon retten und
Wenns um fußball und formel 1 geht, sind wir italiener.
"dem land tirol die treue" wird gern gesungen, aber mit dem zusatz: von dir gerissen wurde südtirol...gott sei dank.....
Als ich unterschriften für eine mögliche doppelte staatsbürgerschaft für südtiroler gesammelt habe, wurde ich von südtirolern ausnahmslos belächelt.
Jetz, wo der italienische staat am abgrund steht, wird die schutzmacht österreich angerufen.
Wie gesagt: pubertär

republik BAYROL

mein Vorschlag: Bayern, Tirol und Südtirol sollen sich zusammenschließen und sich endlich von den Saupreissen, den Wiener Todeln und den römischen Mafiosi befreien!
Der bairische Dialekt wird Amtssprache, der Alpendollar wird Zahlungsmittel und wir treten aus der EU aus!
Visionen braucht das Land!!!!!!!!!!

"Mario Monti will nur Geld haben"

da redet der richtige!!

wenn nichts mehr erpressbar ist, dann wird er ganz nervös ...

genau....am Besten wär ja er würde sich sein fürstliches Gehalt mal ein bischen kürzen. Ist ja gut, dass der Kampf gegen die ital. Gauner so anstrengend ist, aber mehr als Obama und Merkel zu verdienen ist wohl gelinde gesagt eine Frechheit!
Aber darin sind sich alle Politiker ja immer einig: sparen sollen die anderen, nur nicht man selber!

ja wenn es ans Eingemachte geht

wird der Durnwalder ungemütlich

Südtirol wird sich befreien!

kein Unrecht bleibt ewig!

FREE SÜDTIROL!

ruh dich ein bisschen aus, du bist reichlich verwirrt!! ...

Teil2

Anstelle wirklich etwas politisch-Nachhaltiges im Rahmen der EU zwischen den 3 Ländern des eh. Alt- Tirols auf die Beine zu stellen u die gemeinsame Kultur und Identität zu fördern, schafft man ein Zahnlose aber dafür teure "Region zur Territorialen Zusammenarbeit", welcher maximal dem Tourismus oder der Wirtschaft dient.

Jeder der sich in den letzten Jahren mit S-Tirol beschäftigt hat, weiss dass die Autonomie welche 1972! festgelegt und bis 1992 mehr oder weniger umgesetzt wurde nach und nach ausgehölt wird. Die "Dynamische (Voll) Autonomie" der SVP wirds unter Monti nicht spielen und ist reine Propaganda um wenigstens irgendeine Zukunftsvision zu haben! 2013 bei den Wahlen wird sich zeigen, wohin der Weg Südtirols gehen wird.

Lage in Tirol (Süd)

Ein Typisches Durnwalder- Interview. Für ihn ist jede Opposition nur lästiges Beiwerk, welche in der SVP Alleinherrschaft so nebenbei geduldet wird.

In S-Tirol ist das Denken über die zukünftigen Entwicklung des politischen Status des Landes verboten, es gilt nur die SVP Doktrin welche ja die einzig realistische ist. Jeder andere Vorschag (langfristige Anbindung an Österreich in welcher Form auch immer, Freistaat etc.) wird nur als "Scharfmacherei oder Hetzterei gegen die Volksgruppen" in irgend einer Weise abgetan.

Des weiteren sind in S-Tirol beinahe alle Medien, und das tägliche Leben in einer Weise mit der SVP verbandelt, dass sogar ÖVP und SPÖ zu tiefsten Proporzzeiten vor Neid erblasst wären

freistaat tirol

die republik österreich betreibt im grunde genommen seit 20 jahren keine relevante südtirol-politik mehr. ein unabhängiger nationalstaat tirol (nordtirol, osttirol, südtirol, ggf. vorarlberg und das trentino) wäre ein überlebensfähiger kleinstaat mit ca. 2 mio einwohnern (3 großstädte, nur 1 weniger als dann österreich) in dem die interessen der deutschen, der italienischen und der ladinischen volksgruppe gleichermaßen gewahrt werden könnten in einem friedlichen miteinander. los von wien nördlich des brenners und los von rom südlich des brenners sollte die losung lauten.

Vorarlberg???? Trentino ???????

Haben die wirklich starke Bindungen an Tirol oder warum gerade diese Regionen?

Ganz einfach, weil das heutige "Trentino" ürigens ein erstr 1850 von Irredentisten eingeführter Name als Welsch oder Südtirol Jahrhunderte lang zu Tirol und damit zu Österreich gehört hat.

http://www.youtube.com/watch?v=M1SOUh6pbfE

Vorarlberg war bis zum 1.WK eine Verwaltungseinheit mit Tirol.

weshalb sie auch in einer Volksabstimmung zu 80% zur Schweiz wollten

Vorarlbe

Das traurige ist nicht nur dass man keine S-Tirolpolotik mehr betreibt, auch die Geschichts und Landeskenntnisse der Abgeordneten, besonders welche im Südtirolausschuss sitzen sind zum Teil eine Katastrophe.

Teilweise beschrnkt soich das Wissen rein auf Dolomiten, Wein, Törggelen und dass da irgendetwas um 1918 einmal war...

3 großstädte? wo gibts in tirol 3 großstädte?

die trentiner wollen bestimmt einen staat mit den tirolern. gaaanz sicher.

die idee ist zwar nett aber völlig unrealistisch.

definition einer großstadt: ab 100.000 einwohner. innsbruck, bozen und trient erfüllen dieses merkmal. das trentino war früher das alte welschtirol. gibt heute noch welschtiroler schützen, in ihrem selbstverständnis sehen sich viele trentiner auch als tiroler, es gibt ja auch die partito autonomista trentino tirolese. lega nord bestrebungen auf sezession stoßen auch auf viel zustimmung in norditalien, warum sollte ein kleiner gemeinsamer staat der deutschen, italiener und ladiner da gänzlich unmöglich sein?

oh.. und natürlich Liechtenstein^^

schätz mal er meinte diese 3:
1 Innsbruck 120.147
2 Trient 112.142
3 Bozen 104.029

sind halt addiert nicht mal eine großstadt :)

@freistaat: südtirol, tirol, vlbg, bayern, schweiz zusammen (nach unwahrscheinlichkeit geordnet^^)

"sind halt addiert nicht mal eine großstadt :)" - so seh ich das auch:)

ich würd julisch friaul auch dazu nehmen. is schön dort.

wenn sich europa neu sortiert

und das wird es hundertprozentig, ob wir wollen oder nicht, dann wird auch das thema bereinigt.

nationalismus hin oder her, irgendwann ist das politikgemauschel am ende und es kommt zusammen was getrennt wurde oder auseinander was nicht passt.

ob das belgien sein wird, vielleicht schottland oder südtirol. irgendwann ist die zeit der märchen und visionen vorbei, spätestens wenn die kohle ausgeht und die politik sich in zwei extreme lager spaltet.

selbst die bayern sind nicht gefeit davor, ihre pleite nordbrüder weiter durchzufüttern, vor allem wenn die roter als rot sind.

Südtirol

Wenn Südtirol mit 1% der ital. Bevölkerung die Autonomie geniesst, dann müssten auch die wesentlich bedeutendere Minderheiten in anderen EU-Länder die Autonomie bekommen zB. die Ungarn in der Slowakei und Rumänien usw.
Aber gleiches Recht für Alle ist nicht Sache der EU...

liegt ja meist am Staat selbst...ich erinnere nur an die Minderheit der Slowenen in Kärnten....wie lange brauchte es bis man eine Ortstafel aufstellen durfte????
Also am besten vor der eigenen Haustür kehren bevor man wieder nach der EU schreit....

die eu hatte damit herzlich wenig zu tun. aber natürlich wäre es richtig, dass alle minderheiten (nicht zuletzt die slowenen in kärnten) stärker geschützt würden,aber da müssen sich die jeweiligen minderheiten (mit ihren "heimatländern" im rücken) eben selbst drum kümmern und sich einsetzen.

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