Nalbandian im Visier von Scotland Yard

18. Juni 2012, 14:57

Dem Wiederholungstäter droht nach "Tritt der Schande" acht­wöchige Sperre - Gewalt gegen Referees im Tennis nichts Neues

London/Frankfurt - Die feine britische Gesellschaft war not amused, als ein argentinischer Tennis-Rüpel die Tea Time auf so ungeheuerliche Weise störte. Auf dem Balkon der Royal Box im feudalen Londoner Queen's Club trauten sie ihren Augen nicht angesichts eines Skandals, der nun sogar Scotland Yard auf den Plan gerufen hat.

Hauptdarsteller in der nachmittäglichen Doku-Soap auf feinstem englischen Rasen war David Nalbandian. Der stets leicht verträumt wirkende Argentinier mit dem Silberblick hatte im Finale der Wimbledon-Generalprobe gegen Marin Cilic (Kroatien) kurzerhand die Nerven verloren. Beim Stand von 7:6, 3:4 trat er voller Wut gegen die Werbebande am Stuhl von Linienrichter Andrew McDougall, der dadurch eine nicht unerhebliche Verletzung am Schienbein erlitt. Mit hochgezogenem Hosenbein zeigte McDougall die blutende Schnittwunde und humpelte dann in die Katakomben. Scotland Yard bestätigte am Montag, dass eine Anzeige wegen Körperverletzung vorliegt. "Es wird Untersuchungen geben", teilte die Polizei in London mit.

Nalbandian wurde nach seinem Austraster wegen unsportlichen Verhaltens disqualifiziert und muss nach dem "Tritt der Schande", wie es das englische Boulevardblatt The Sun gewohnt martialisch formulierte, eine achtwöchige Sperre befürchten. Schließlich ist der Wimbledon-Finalist von 2002 ein Wiederholungstäter.

Aktenkundig

Im Januar bei den Australian Open musste der 30-Jährige 8000 Dollar Geldstrafe zahlen, nachdem er bei seinem Zweitrunden-Aus gegen John Isner (USA) einen Offiziellen mit Wasser bespritzt hatte. Bereits als Nachwuchsspieler war Nalbandian auf noblem englischen Grün disqualifiziert worden: Zum Halbfinale des Wimbledon-Juniorenturniers 1999 kam er zu spät - und durfte gleich wieder gehen.

Diesmal war es dem Mann aus Cordoba ein echtes Anliegen, schon auf dem Court Reue zu zeigen. "Ich hatte niemals vor, ihn zu treffen. Es war eine unglückliche Reaktion, ich wollte nur den Frust nach einem verlorenen Punkt rauslassen. Manchmal kann man sich eben nicht kontrollieren", erklärte Nalbandian, der nicht nur auf sein Preisgeld (44.945 Euro) und 150 Weltranglisten-Punkte verzichten, sondern wohl auch noch 10.000 Euro Strafe zahlen muss.

Obwohl Nalbandian Reue zeigte, nutzte er die Plattform und gab der Spielervereinigung ATP eine Mitschuld an seinem Ausraster. "Jeder macht Fehler, die ATP hat auch Fehler gemacht, aber nichts passiert. Teilweise fühlen wir Spieler uns sehr unter Druck gesetzt", sagte der Argentinier. Nalbandian war unter anderem nicht damit einverstanden gewesen, dass die Turnierleitung im Queen's Club auf dem durch den Regen feuchten Rasen spielen ließ.

Dass die Unparteiischen im Tennis gefährlich leben, ist nicht erst seit Sonntag bekannt. 1995 kassierte Stuhlschiedsrichter Bruno Rebeuh in Wimbledon zwei Ohrfeigen von der Ehefrau des US-Spielers Jeff Tarango. Dieser hatte zuvor wegen angeblicher Fehlentscheidungen Rebeuhs in Tarangos Spiel gegen Alexander Mronz kommentarlos den Platz verlassen.

Die Damen können auf der nach unten offenen Skala des schlechten Benehmens ohnehin ganz gut mithalten. 2009 bedrohte Serena Williams im Halbfinale der US Open eine Linienrichterin, die ihr einen Fußfehler angekreidet hatte, mit den Worten: "Wenn ich könnte, würde ich dir den Ball in deine Kehle stopfen." Die so Beschimpfte wollte sogar noch etwas ganz anderes gehört haben. Demnach soll Williams gesagt haben: "Ich bring dich um." (sid, 18.6.2012)

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jetzt mal halblang ...

... dass es den Linienrichter erwischt hat, war alles andere als beabsichtigt ... halt bissl mehr emotio als normalerweise, so what ...

Noch ein Spieler der sich nicht an Regeln jeglicher Art hält.

Tennis :(

wie invanisevic, als er den schläger schmiss und den linesman traf...

...das sind halt noch typen, auch wenn eine Verletzung nicht zu entschudligen ist, nicht so wie die stereotypen die nicht mal lachen oder schreien können....emotionslose vampire

Scotland Yard!

klingt reisserisch ist aber Schwachsinn. Disqualifikation OK, Geldstrafe OK, aber nach fahrlässiger leichter Körperverletzung Scotland Yard ins Spiel zu bringen ist schwer überzogen.
Klingt nach BILD Zeitung.

Stimmt, Argentinier können nicht nur Fußball-Foulen,

das geht auch beim Tennis ganz gut.

man könnte einfach ordentliche banden aufstellen oder auf die werbung verzichten.

Auch wenn die Bande robuster gewesen wäre, geht es nicht an, dass er so knapp neben einem Linienrichter seine Wut auslässt. Das war zu 100% respektlos.

Die Disqualifikation geht mehr als in Ordnung.

Auf jeden Fall war die Disqu. gerechtfertigt.
Der Linienrichter hatte aber auch den Auftritt seines Lebens!

... auf den er wohl liebend gerne verzichtet hätte!

Das Problem bei solchen Aktionen ist folgendes:

Wenn man das den Spielern "durchgehen" lässt, passiert so etwas wieder. Bei Strafen die "wehtun" (disqu.), überlegen man sich das zweimal, "Hitze des Gefechts hin oder her". Gameverlust oder Geldstrafe, bringt hier gar nichts. Offizielle müssen geschützt werden, insbesondere "Volunteers" wie in diesem Fall.

Britische Kommentatoren. Ich liebe diese Fairness gegenüber den Sportlern und die positive Grundhaltung.

völlig übertriebene reaktion. nalbandians intention war es sicher nicht, den linienrichter zu demolieren. so wie halt der eine oder andere mal sein racket schrottet, hat er seinem ärger mit einem tritt gehen die bande luft gemacht. wie konnte er wissen, dass diese im queens club nur aus sperrholz ist.
das gehört selbstverständlich nicht auf einen tennisplatz und sicher bestraft. aber die dankbaren medien drehen ihm jetzt einen strick draus.

Na das will ich wohl hoffen, dass er den Linienrichter nicht absichtlich verletzt hat! Wenn ja, hätte das ja strafrechtliche Konsequenzen.

Nalbandian hat aber auf jeden Fall grob fahrlässig Schaden für ein andere Person in Kauf genommen, um seinem Ärger freien Lauf zu lassen. Dafür gehört er bestraft.

Sowieso ist klar, dass im Sport kein Unparteiischer angegriffen oder auch nur beeinflusst werden darf.
Da hat Nalbandian alle nur denkbaren Grenzen überschritten.

you cant´t be serious!

Übertriebene Reaktion?

Wohl eher beim Spieler anzusetzen. Was verstehen Sie hier nicht? Ich sshe im TV-Beitrag, dass N. aus nächster Nähe gegen eine Werbebande tritt, wobei vorhersehbar war, dass der in nächster Nähe zur Bande sitzende Linienrichter dadurch zumindest gefährdet sein würde. Auf diese Tat gab es nur eine vernünftige Reaktion: den Spieler zumindest für dieses Turnier aus dem Verkehr zu ziehen.

Ich glaube, Nalbandian hat diese Kiste, in der der Stuhl des Linienrichters steht, einfach für viel robuster gehalten. Er hat nicht damit gerechnet, dass schon durch einen leichten Tritt die Bretter durch die Gegend fliegen.

ich finde die konsequenz, das spiel abzubrechen und cilic als sieger auszurufen, vollkommen richtig.
aber nalbandian war sicher nicht darauf aus, wie einige sensationswillige meinen, den linienrichter zu verletzten. genau darauf läuft die berichterstattung hinaus.

Der hat den Schiedsrichter verletzt und zwar nicht durch einen Unfall sondern durch eine grob fahrlässige Aktion - klar muss der disqualifiziert und bestraft werden. Nach ihrer Logik dürften auch betrunkene Autofahrer die Kinder überfahren nicht soooo streng bestraft werden, weil tote Kinder waren sicher nicht ihre Intention.

stimmt, es war ein mordversuch am [schieds]richter. schöne grüße noch an den hc!

fail!

naja das Beispiel is jetzt ein bisl zu hart im Vergleich. zwischen übertrieben Emotionen im Sport und ihrem Vergleich sind ja gott sei dank noch Lichtjahre ...

Eine gute Entscheidung

Er wird beim nächsten Mal mehr Rücksicht auf Personen in seiner Umgebung nehmen.

mit recht! muss er genau auf die bande treten, wo gleich dahinter der linienrichter sitzt?! ziemlich bescheuert.

soll er von mir aus sein racket zertrümmern oder was weiß ich....siehe djokovic im FO-finale...so macht man's richtig! ;)

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