Ausbau von schulischer Tagesbetreuung langsamer als erhofft

Nur 7.700 anstelle 10.000 geplanter zusätzlicher Plätze für 2012/13 - Schmied und Mödlhammer sehen aber nur "Anlaufschwierigkeiten"

Wien - 80 Millionen Euro investiert die Regierung pro Jahr, um die Zahl der Plätze in der schulischen Tagesbetreuung bis 2015/16 auf 160.000 anzuheben. Inklusive der Hortplätze soll es dann 210.000 Plätze geben. Der Ausbau läuft allerdings nicht so rasch wie gewünscht, räumten Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Gemeindebund-Chef Helmut Mödlhammer (ÖVP) am Montag bei einer Pressekonferenz ein. Im kommenden Schuljahr wird es nur rund 7.700 zusätzliche Plätze (plus 7,02 Prozent) geben, geplant waren 10.000 pro Jahr. 2012/13 können damit 116.772 AHS- und Pflichtschüler Nachmittagsbetreuung oder eine verschränkte Ganztagsschule, in der sich Unterricht und Freizeit abwechseln, besuchen.

Seit Start des Programms vor eineinhalb Jahren wurden rund 12.800 Plätze neu geschaffen. "Wir sind erst am Anfang des Programms, das muss sich erst einspielen", gab sich Schmied dennoch optimistisch, dass die Schaffung von mehr als 43.200 zusätzlichen Plätzen bis 2015/16 gelingen wird. Ebenso Mödlhammer: "Es ist ein sehr guter Start angesichts der widrigen Bedingungen." Die bisher ausgeschütteten Mittel würden vor allem in die Infrastruktur fließen, begründete Schmied den stockenden Start. "Ich gehe davon aus, dass sich das in den nächsten drei Jahren beschleunigen wird."

"Enormer Aufholbedarf im ländlichen Raum"

Dabei gebe es im städtischen Raum schon jetzt ein sehr dichte Versorgung, an den AHS-Unterstufen gebe es ab Herbst an fast 90 Prozent der Schulen ganztägige Modelle. Von einem flächendeckenden Angebot sei man aber "noch sehr weit entfernt". Schmied appellierte dabei an die Standorte, auf das Modell verschränkter Ganztagsschulen als die "innovative und auch von pädagogischer Seite begrüßte Form" zu setzen. Ihr politische Zeil sei es, über die Neue Mittelschule (NMS), die bis 2016 die Hauptschule ersetzen soll, "letztlich zu einer ganztägigen gemeinsamen Schule zu kommen".

Auch Mödlhammer betonte den "enormen Aufholbedarf" im ländlichen Raum. Dass es gewisse "Anlaufschwierigkeiten" gebe, habe mehrere Gründe: Es brauche noch eine gewisse Bewusstseinsänderung bei manchen Direktoren, dazu kämen bürokratische Hürden. Die Schulen hätten zudem Probleme, Personal für die Nachmittagsbetreuung zu finden. Der Gemeindebund-Vorsitzende erhofft sich jedoch eine gewisse Entspannung, wenn mit Herbst die ersten Freizeitpädagogen - eine neue, eigens für den Freizeitteil am Nachmittag entwickelte Berufsgruppe - an die Schulen kommen. Er hofft allerdings, dass auch das neue Lehrerdienstrecht hier Verbesserungen bringt - und wurde von Schmied in seiner Hoffnung bestärkt: Eine längere Anwesenheit der Lehrer auch am Nachmittag sei Teil der Dienstrechtsverhandlungen.

Der Gemeindebund-Vorsitzende kritisierte außerdem, dass die Gemeinden nicht direkt über die Bundesmittel verfügen können. Diese werden derzeit auf Basis von 15a-Vereinbarungen vom Bund an die Länder überwiesen, die das Geld dann an die für die Erhaltung der Pflichtschulen verantwortlichen Gemeinden weiterleiten. Bis 2016 sind die 80 Millionen Euro pro Jahr sichergestellt, darüber hinaus ist die Finanzierung jedoch offen. Mödlhammer wünscht sich dabei gleich eine Umstellung auf eine Finanzierung per Finanzausgleich, was den Gemeinden "unglaublich viel Bürokratie ersparen würde". Auch Schmied betonte, dass "alles daran gesetzt wird, diese Initiative weiterzuführen". (APA, 18.6.2012)

Share if you care
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.