Brasilien baut AKW mit 30-jähriger Technologie

Ein deutsches Kernkraftwerk lagert seit 1984 in Einzelteilen verpackt in Angra dos Reis. Nun wird es mit einer Bürgschaft aus Berlin gebaut

Deutsche Qualität hält. Dessen sind sich die Manager des brasilianischen Energieversorgers Eletronuclear sicher. Der Staatskonzern baut im brasilianischen Küstenort Angra dos Reis ein von Siemens entwickeltes Atomkraftwerk (AKW) auf, dessen Einzelteile ab 1984 per Schiff über den Atlantik kamen. Der mit dem mittlerweile stillgelegten deutschen AKW Brokdorf idente Meiler erhitzt in Deutschland die Gemüter. 2010 hat die deutsche Regierung dem Konsortium Siemens/Areva NP nämlich eine Exportbürgschaft über 1,3 Milliarden Euro versprochen. Für ein AKW, das im Inland - nicht nur, aber auch - aus Sicherheitsgründen nicht mehr erwünscht ist.

"Das wird wie Philippsburg oder Brokdorf, genau wie die deutschen Anlagen", wird Bauleiter José Eduardo Costa Mattos in der "Süddeutschen Zeitung" zitiert. Über den Atomausstieg in Merkelland kann sich der Ingenieur nur wundern. "Schade um Deutschland, ihr werft alles weg", führt er in der Zeitung den mutmaßlichen Know-How-Verlust ins Treffen. Ganz verloren ist es freilich nicht, da die deutsche Siemens das Geschäft mit der Kernenergie an den französischen Atomkonzern Areva veräußert hat.

Unsicheres Gelände gegen Ideologie

Die Grünen und Greenpeace kritisieren die von der Bundesregierung gewährte Bürgschaft - sie soll Siemens/Areva im Falle eines brasilianischen Zahlungsausfalls entschädigen - seit je her scharf. Zu unsicher sei das von Muren bedrohte Gelände an der malerischen Costa Verde. "Nach derzeitigem Planungsstand beherzigt Angra 3 nicht die Lehren aus Fukushima", heißt es in einem Gutachten der Umweltschützer von Greenpeace und "Urgewald". "Da wird mit der Angst gespielt. Das ist alles ideologisch", entgegnet Leonam dos Santos Guimaraes, Berater des Eletronuclear-Chefs, in der "Süddeutschen".

Schließlich ist man mit dem ebenfalls von Siemens aufgestellten Angra 2, in Betrieb ist das 1350-Megawatt-Werk seit 2001, zufrieden. Und: notfalls brauche man die Bürgschaft nicht. Eine endgültige Zusage der deutschen Bundesregierung steht nämlich noch aus. Die deutschen Grünen befürchten, dass sie vor der Sommerpause des Bundestags gewährt wird.

Viel Zeit, die für die Sicherheit relevanten Pläne zu ändern, bleibt indes nicht. 2015 soll Angra 3 ans Netz gehen. (sos, derStandard.at, 18.6.2012)

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