Peru-Reminiszenzen, Teil 2

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  • Führer für die Cordillera Blanca:Brad Johnson: Classic Climbs of the Cordillera Blanca PeruAusgewählte
 und gut beschriebene Touren. Das aktuellste Guidebook für diese Region 
mit guten Hinweisen nicht nur zu den Bergen, sondern für die gesamte 
Reiseplanung. Beim den Touren Beschreibungen sollten aber zwei Punkte 
beachtet werden: (1.) Die Bedingungen in der Cordillera Blanca verändern
 sich rasant von Jahr zu Jahr. (2.) Das faszinierende und doch auch 
gefährliche an so einer Reise ist, dass die Berge nicht so erschlossen 
sind wie in den Alpen. Das gilt auch für die Führerliteratur.Taschenbuch: 202 Seiten, Englisch, Western Reflections Publishing Co
    foto: western reflections publishing co

    Führer für die Cordillera Blanca:
    Brad Johnson: Classic Climbs of the Cordillera Blanca Peru
    Ausgewählte und gut beschriebene Touren. Das aktuellste Guidebook für diese Region mit guten Hinweisen nicht nur zu den Bergen, sondern für die gesamte Reiseplanung. Beim den Touren Beschreibungen sollten aber zwei Punkte beachtet werden: (1.) Die Bedingungen in der Cordillera Blanca verändern sich rasant von Jahr zu Jahr. (2.) Das faszinierende und doch auch gefährliche an so einer Reise ist, dass die Berge nicht so erschlossen sind wie in den Alpen. Das gilt auch für die Führerliteratur.
    Taschenbuch: 202 Seiten, Englisch, Western Reflections Publishing Co

  • Ein medizinischer Ratgeber zum HöhenbergsteigenThomas Hochholzer, Martin Burtscher: Trekking & Expeditionsbergsteigen"Höhenmedizin
 ist prinzipiell einfach: Wenn man sich in der Höhe nicht wohl fühlt, 
steigt man nicht weiter auf. Doch ob Trekker oder Bergsteiger - immer 
mehr suchen die Einsamkeit in der Natur oder wollen hoch hinaus! Und 
scheitern oft aus Unwissenheit an Höhenproblemen. Dieser medizinische 
Ratgeber soll den Leser in die Lage versetzen, sich optimal auf eine 
geplante Tour vorzubereiten. Dazu haben eine Reihe von Autoren, allesamt
 Bergsteiger, Bergführer oder Ärzte, beigetragen. Neben den Kapiteln 'Trekking', 'Akklimatisation' und 'Extreme Höhe' werden unter anderem 
auch 'Training' oder 'Polarmedizin' ausführlich beschrieben. Wertvolle 
Tipps, Abbildungen und Ausrüstungslisten lassen am Ende wenig Fragen 
offen." (Quelle: Verlagstext Panico)Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Ratgeber war uns sehr hilfreich!332 Seiten, Deutsch, Panico Alpinverlag
    foto: panico alpinverlag

    Ein medizinischer Ratgeber zum Höhenbergsteigen
    Thomas Hochholzer, Martin Burtscher: Trekking & Expeditionsbergsteigen

    "Höhenmedizin ist prinzipiell einfach: Wenn man sich in der Höhe nicht wohl fühlt, steigt man nicht weiter auf. Doch ob Trekker oder Bergsteiger - immer mehr suchen die Einsamkeit in der Natur oder wollen hoch hinaus! Und scheitern oft aus Unwissenheit an Höhenproblemen. Dieser medizinische Ratgeber soll den Leser in die Lage versetzen, sich optimal auf eine geplante Tour vorzubereiten. Dazu haben eine Reihe von Autoren, allesamt Bergsteiger, Bergführer oder Ärzte, beigetragen. Neben den Kapiteln 'Trekking', 'Akklimatisation' und 'Extreme Höhe' werden unter anderem auch 'Training' oder 'Polarmedizin' ausführlich beschrieben. Wertvolle Tipps, Abbildungen und Ausrüstungslisten lassen am Ende wenig Fragen offen." (Quelle: Verlagstext Panico)
    Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Ratgeber war uns sehr hilfreich!
    332 Seiten, Deutsch, Panico Alpinverlag

  • In Huaraz findet man einige sehr schöne, kleine 
private Unterkünfte. Wir haben uns für Olaza's Bed and Breakfast entschieden. Diese 
Unterkunft lässt keinen Wunsch offen: sehr sauber, freundlich, warme 
Duschen und eine Frühstücksterrasse mit direktem Blick auf die 
Cordillera Blanca und die Cordillera Negra. Zusätzlich sprechen die 
Vermieter hervorragend Englisch und sind sehr hilfsbereit bei der 
Tourenplanung und -organisation.
    foto: olazas

    In Huaraz findet man einige sehr schöne, kleine private Unterkünfte. Wir haben uns für Olaza's Bed and Breakfast entschieden. Diese Unterkunft lässt keinen Wunsch offen: sehr sauber, freundlich, warme Duschen und eine Frühstücksterrasse mit direktem Blick auf die Cordillera Blanca und die Cordillera Negra. Zusätzlich sprechen die Vermieter hervorragend Englisch und sind sehr hilfsbereit bei der Tourenplanung und -organisation.

Nina und ihre Freunde erklimmen den Pisco, den Chopicalqui und den Artesonraju. Im Reiseblog sind wir mit dabei

Nach unzähligen Kurven und Schlaglöchern kommen wir nach ein paar Tagen in Huaraz und in der Cordillera Negra in den Bergen der Cordillera Blanca an. 

Mühevoll laden wir unser Gepäck für die nächsten zwei Wochen aus dem Taxi. Glücklicherweise liegt unser erstes Base Camp nahe an der Schotterpiste und wir haben im Nu unsere Ausrüstung zu einem potenziellen Zeltplatz geschleppt. Das Base Camp liegt idyllisch eingebettet zwischen zwei kleinen Bächen. So weit, so gut - wären da nicht die unzähligen Maultiere, Esel und Kühe und deren Hinterlassenschaften, wäre es leicht, einen guten Zeltplatz zu finden. Schließlich geben wir uns mit einem "relativ" sauberen Platz zufrieden.

Die nächsten Tage verbringen wir mit der Höhenanpassung. Da wir genügend Zeit haben, können wir diese generalstabsmäßig und fast nach Lehrbuch durchführen: Untertags unternehmen wir einzelne Wanderungen, um langsam in größere Höhen aufzusteigen, und zeitgleich verlegen wir unsere Schlafhöhe kontinuierlich 300 bis 400 Meter nach oben. Die Busladungen von Touristen, die hier täglich einfallen und mit Eiltempo zu den umliegenden Seen aufsteigen, ignorieren wir dabei einfach. Ein wenig Schadenfreude können wir uns aber nicht verkneifen. Denn so manch einer von denen wird am Abend mit höllischen Kopfschmerzen einschlafen.

Aller Anfang ist leicht

Ein paar Tage später machen wir uns dann schon für unser erstes Gipfelziel bereit. Mit einer Höhe von 5.760 Meter und einem einfachen Anstieg gehört der Pisco zu den leichtesten 5.000ern dieses Gebirgszugs. Dennoch sind auf dem Weg zum Gipfel zahlreiche kurze Aufschwünge mit bis zu 50 Grad zu überwinden, was in Kombination mit der Höhe viele Gruppen zum Umdrehen zwingt. 

Spontan schließen wir uns im letzten Camp mit einem Spanier zusammen, der offenbar alleine unterwegs ist. Mit Händen und Füßen verständigen wir uns über die Abmarschzeit und hoffen das Beste. Doch wie sich herausstellt, ist der Spanier gut zu Fuß, und wir kommen zügig voran. Zwar spüren wir mit jedem Schritt bergan die dünne Luft stärker, doch schließlich erreichen wir doch noch pünktlich um 7 Uhr - zum Sonnenaufgang - unser Ziel. 

Dabei zaubern die ersten Sonnenstrahlen lange flache Schatten über den Gletscher und tauchen die umliegenden Berge in pastellfarbenes Licht. Zu dritt genießen wir dieses grandiose Schauspiel vom flachen Gipfelpilz aus. 

Nach einer ausgiebigen Rast kommen dann doch noch nachkommende Bergsteiger den letzten steilen Anstieg empor und wir machen uns für den Abstieg bereit: einfach zu viele Leute.

Bei strahlendem Sonnenschein kommen wir sogar bei dem leichten Abstieg ziemlich ins Schwitzen. Trotzdem bleibt noch genügend Zeit, die umliegende Bergkulisse zu studieren und uns ein Bild von den Bedingungen bei unseren nächsten beiden Zielen zu machen.

Auf der Flucht vor dem Rind

Das nächste Ziel sollte der nahe Chopicalqui sein. Ein imposanter Berg und nach den Huascarans, mit 6.354 Meter Höhe, der zweithöchste in der Cordillera Blanca. Aber nicht nur der Berg selbst hat bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen, auch dessen Base Camp: Eine schöne, kleine, ruhige Almwiese inmitten von Gestrüpp und zwei schroff-steilen Berghängen. Nichts Böses ahnend, schlagen wir unser kleines Zelt auf. Doch kurz nach dem Einschlafen ist es mit der Ruhe und Idylle auch schon wieder vorbei.

Offenbar macht unser Zelt den einheimischen Kühen den Schlafplatz streitig. Die Rindviecher zeigen sich diesbezüglich auch wenig kooperativ und trampeln die ganze Nacht über unsere Zeltschnüre. Damit nicht genug, durchstöbern sie zielstrebig unser draußen deponiertes Gepäck nach Fressbarem. Einer besonders ausgefuchsten Kuh müssen wir so kampflos unser verschraubtes und eingepacktes (!) Geschirrwaschmittel überlassen. Nichts wie weg hier!

Einigermaßen unausgeschlafen machen wir uns also in aller Früh auf den Weg ins erste Hochlager, wo uns ein angenehmes Kontrastprogramm erwartet: Wir sind fast alleine und weit und breit keine Rindviecher zu sehen.

Umkehren statt Risiko

Schon einen Tag später, kurz nach Mitternacht, starten wir zeitgleich mit zwei anderen Gruppen in Richtung Gipfel. Ein sternenklarer Himmel sorgt für eisige Temperaturen, die mit zunehmender Höhe immer tiefer fallen. Nach ein paar Metern tut sich dann auch schon das erste Hindernis auf. Eine Gletscherspalte mit einer kleinen, filigranen Schneebrücke und eine darauffolgende Eiswand versperren den Weg. Problemlos und schnell überwinden wir den Aufschwung, doch hinter uns macht die dritte Gruppe (die einzige kommerzielle zu dieser Zeit am Berg) bereits kehrt. Zu groß erscheint den Bergführern das Risiko.

Ein langgezogener Grat führt dann weiter hinauf zum Gipfel. Vor ein paar Jahren war dieser Anstieg noch als recht leicht bewertet. Leider setzt die Klimaerwärmung den Gletschern in Peru aber derart stark zu, dass sich die Bedingungen rasant ändern und speziell dieser Anstieg immer anspruchsvoller wird. So sind immer wieder ein paar überraschende Eisstufen zu überwinden, bis wir etwas mehr als hundert Meter unter dem Gipfel zu stehen kommen. 

Nur noch ein letzter Anstieg trennt uns hier vom Gipfel. Dazu muss noch ein steiles Schneefeld gequert werden, in dem sich viel Triebschnee angesammelt hat, und nirgendwo ist ein guter Ankerpunkt für eine Sicherung auffindbar: der ideale Baustein für eine riesige Lawine. Nach einer kurzen Absprache ist uns beiden klar, dass wir dieses Risiko nicht eingehen wollen und dass hier unser Aufstieg endet. Dennoch genießen wir den sich uns bietenden Ausblick und sind froh, so weit gekommen zu sein. Ein paar Stunden später erreichen wir wieder das Hochlager. Erschöpft vom Auf- und Abstieg geht es gleich ans Wasser- und Essenkochen. Beim Essen besprechen wir nochmals die Tour und unsere Entscheidung umzudrehen und kommen zu dem Schluss, dass es die richtige Entscheidung war. Am nächsten Tag steigen wir weiter ab und machen uns wieder auf den Weg in die Zivilisation - nach Huaraz.

So nah und doch so fern

Nach ein paar Tagen Erholung und ausgiebigen Mahlzeiten in Huaraz geht es zu unserem letzten Reiseziel - dem Artesonraju. Die meisten kennen den 6.025 Meter hohen Berg vom Kinobesuch oder Fernsehabend. Der Form nach ist der Grat des Berges die Vorlage für das Paramount-Pictures-Logo. Ein majestätischer Berg! Unverkennbar und pyramidenförmig ragen seine steilen Wände aus dem Paron-Tal. Dementsprechend schwierig sind auch die Anstiege und Routen. 

Unser Plan ist es, den Gipfel über die Südwand zu erreichen. Da wir uns in Peru und damit auf der Südhalbkugel der Erde befinden, ist hier die Südwand so etwas wie eine Nordwand in den Alpen: eine eis- bzw. schneebedeckte kalte Wand. Trotz der Steilheit birgt diese Route kaum objektive Gefahren, da man keinem Eis- oder Steinschlag ausgesetzt ist. Die zahlreichen Gedenktafeln und -bilder entlang der Anmarschroute zum Berg sorgen dennoch für ein mulmiges Gefühl.

Am Berg selbst ist das alles vergessen - was jetzt zählt, ist der Augenblick: Überschlagend sichernd, kämpfen wir uns Meter für Meter die Wand hinauf, doch der Gipfel will und will nicht näher kommen. Da der Abstieg über dieselbe Route erfolgen soll, haben wir unsere Umkehrzeit so gewählt, dass wir mit dem Dunkelwerden aus der Wand kommen. Im Nachhinein eine krasse Fehleinschätzung, denn die Umkehrzeit kommt immer näher, und wir bewegen uns scheinbar kaum vom Fleck!

Waren es beim Chopicalqui externe Faktoren, die uns zum Umdrehen bewegten, liegt die Sache hier gänzlich anders: Wir selbst und unser falscher Zeitplan geben diesmal den Ausschlag. Im oberen Drittel der Wand beschließen wir, dass wir ohne einen Gipfelerfolg umkehren müssen. Auch wenn die Energiereserven gereicht hätten, um heil hinauf und hinunter zu kommen, würden wir nicht mehr rechtzeitig und sicher aus der Wand kommen. In mondloser Schwärze über die Wand, den Bergschrund und die Gletscherspalten zum Lager zu krabbeln erscheint dann doch nicht wirklich verlockend.

Nur aufgeschoben

Stunden später konnten wir auch das beweisen, erreichen aber gut und sicher das Lager. Das Fazit: Wie beim Chopicalqui würden wir uns auch im Nachhinein wieder für die Umkehr entscheiden. Aber - und hier waren wir uns einig - irgendwann wollen wir doch noch auf diesem Gipfel stehen.

So geht ein langes und schönes Abenteuer in einer anderen Berg- und Kulturwelt für uns zu Ende. Nun, ein halbes Jahr später, streifen die Gedanken wieder die vergangenen Erlebnisse, und schon tun sich neue Ziele auf. Jetzt fehlen eigentlich nur noch die nötige Zeit und das Kleingeld, um den Rucksack zu packen, sich in ein Flugzeug zu setzen und in ein neues Abenteuer aufzubrechen.

-> Hier geht's zum ersten Teil des Abenteuers. Und -> hier gibt's die Fotos dazu.

-> Hier geht's zur aktuellen Ansichtssache zum Text.

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