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vergrößern 800x552Eine unmögliche Liebe und ihre klischeehafte Pose an der Wiener Staatsoper: die großartige Krassimira Stoyanova (als Elisabetta) und Ramon Vargas (als Don Carlo).
Tolle Stimmen und ein gutes Orchester tragen durch den Abend.
Wien - Bedauerlich, dass die Wiener Staatsoper mithilfe von Regisseur Daniele Abbado fast zwei Wochen vor Saisonschluss szenisch in die wohlverdiente Sommerpause ging. Somit kann man zum einen nur hoffen, dass sich die Sängerschaft, die in einem düsteren Holztrichter nie theatrale Opernschablonen auslassen darf, bei der einseitigen Herumsteh-Belastung keine nachhaltigen Muskelkater eingefangen hat. Sich daraus ergebende Umbesetzungen wären so zahllos wie schmerzhaft.
Zum anderen endet damit eine oft bis in den Alltag hinein sehr gute Staatsopernsaison mit dem paradoxen Eindruck, dass heuer selbst Repertoireabende diese Premierenversion von Verdis Don Carlo an Lebendigkeit übertrafen. Wobei: Es wirkt zunächst plausibel, die Figuren - mit ihrer Gefangenschaft in Misstrauen und Macht- wie Gefühlschaos - in räumliche Enge zu hüllen. Das Ambiente (Bühnenkonzeption: Graziano Gregori; Bühne: Angelo Linzalta) schafft auch eine gewisse Dichte der Atmosphäre und ermöglicht optische Effekte, so etwa, wenn durch Öffnungen poetisches Licht (Alessandro Carletti) hereinstrahlt oder der Blick frei wird auf das Gemälde eines herrschaftlichen Kollektivs des stilisierten 19. Jahrhunderts.
Ja, die Wandelbarkeit der Bühnenkonstruktion erbringt punktuell auch elegante dramaturgische Verwandlungseffekte; die Raumgestalt allein vermag allerdings nie die gesamte Erfolgslast einer Oper zu tragen. Hier wäre es auch zu viel der Last: Zumal nicht nur die Einzelfiguren, vielmehr auch die Gruppenszenen mehr einem Posing für eine Fotoprobe ähnelten denn einem dynamischen Bewegungstheater, das als Kontrast zu intimen Momenten hätte fungieren können. Kurzum: So wenig Interaktion zwischen den Figuren, so wenig Belebung der an sich vor Konflikten berstenden Charaktere führte nur zu einer Form des träg-oberflächlichen Geschichtenerzählens. Es hätte ja nicht gleich die inspirierte Leichtigkeit eines Peter Konwitschny sein müssen. Auch nur ein wenig mehr Mobilität hätte das Stück jedoch erst recht inhaltlich erhellt.
Die musikalische Seite jedenfalls versprühte Glanz, konkret: von packender Vokalintensität Rene Pape (als Filippo II.), im Großen und Ganzen solide Ramon Vargas (als Don Carlo) und besonders zum Finale hin von glühender Intensität die Stimme von Krassimira Stoyanova (als Elisabetta). Zudem: energisch Luciana D'Intino (als Eboli), profund Eric Halfvarson (Il Grande Inquisitore) und nicht nur stimmlich grandios, vielmehr auch schauspielerisch differenziert Simon Keenlyside (als Rodrigo).
Glanzvoll auch das Staatsopernorchester unter Franz Welser-Möst: Da strömten die Kantilenen elegisch dahin, da entfaltete dieser Orchesterklang kostbarste Aura. Nur bei kollektiven Akzenten der dramatischen Art wurde es etwas zu knallig. Und dies an jeder exponierten Stelle. In Summe dennoch eine orchestrale Performance von starker Sogkraft. Applaus für alle, auch für Regisseur Abbado. (Ljubiša Tošic, 18.6.2012)
Weitere Vorstellungen: 19., 22., 26. und 29. Juni, 19.00
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Wenn noch ELEKTRA (!!), LUCIA (hoffentlich zweimal zumindest mit Damrau, viermal mit Beczala) und eine toll programmierte Ballett-Gala ausstehen, kann wohl nur die sog. Kultur-Redaktion im STANDARD von Sommerpause sprechen, denn für dieses Häuferl ist immer Pause, nur halt nicht "wohlverdient".
Was den neuen "Carlo" betrifft, so wird sich derzeit kaum eine besser ausgewählte Sängerschar finden - und der Rest ist für ein längeres Repertoire-Leben geeignet als z. B. der "Macbeth" von Frau Nemirova (von Verdi war der nämlich nicht)!
ä
Mal ehrlich-wieviel Personen haben wohl die Münchner Aufführung gesehen und was hat daher ein derartiger Vergleich für einen Sinn? Abgesehen davon dass man schon lange keinen derart musikalisch hochwertigen Don Carlo in Wien gehört hat (weder französisch noch italienisch)! Im Übrigen fällt mir "tiefgefroren" nicht zu dieser Ausführung ein.
Die Wortgewalt von KritikerInnen ist natürlich angesichts einer vom Publikum derart umjubelten Premiere extrem gefordert. Blöd auch, wenn sich die sonst differenziert argumentierende Spezialistenliga so einig ist, wie bei dem neuen Don Carlo. Wittert da jemand Absprache? Aber nein, besser wäre es für die Unzufriedenen gewesen, die Regenbogenparade zu verfolgen: die war bunt, laut, lebhaft eindringlich, durchorganisiert, auf den Punkt gebracht und bitte den Rest der gewünschten Argumentationen nach Belieben aus dem Wortbaukasten zu ergänzen.
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