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Eines wird man den Wiener Festwochen 2012 nicht vorwerfen wollen: dass sie das "wirkliche Leben" ausgeblendet hätten. In Erinnerung bleiben wird von einem zwiespältigen Jahr der Behauptungsehrgeiz der Programmmacher. In einer von Unruhen erschütterten Weltgesellschaft ziehen die Kapitalströme an den allermeisten Menschen vorüber. Die Angst vor Veränderungen sitzt nicht nur den Europäern im Nacken. Auch in Lateinamerika und Asien beschäftigen sich die Theatermacher mit Umwälzungen, die längst globale Ausmaße angenommen haben.
Die Folgen für die darstellenden Künste liegen auf der Hand. Wem das Menschheitselend unter den Nägeln brennt, der pfeift auf die äußere Form der Arbeit. Der Wille, Zeugnis abzulegen von den Erschütterungen im Weltmaßstab, dominiert immer häufiger die Ästhetik. Und so stachen heuer ein paar Starvehikel, ob mit Cate Blanchett oder von Peter Handke, merkwürdig ab von der Masse kleiner, landeskundlicher Einlassungen: Theaterskizzen mit sozialtherapeutischer Funktion.
Nicht an der Masse haperte es, sondern an der Mitte. Nachdem Shermin Langhoff die Festwochen (für sie) peinlicherweise versetzt hat, wird sich der designierte Intendant Markus Hinterhäuser umso genauer überlegen müssen, mit wem er ab 2014 Theater macht. Die Tabula ist nicht rasa. Aber sie harrt neuer Zeichensetzungen. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 18.6.2012)
Elf Jahre Wiener-Festwochen-Ära Luc Bondy
der gern viel von der "Welt" faselt, offenbar jedoch wenig von ihr gesehen hat (resp. sehen will), und der Inszenierungen wie "Schande", "Ganeshs Reise" oder "Meister und Margarita" dementsprechend für "Theaterskizzen mit sozialtherapeutischer Funktion" hält.
Ein typischer Wiener halt, dieser Pohl.
dass mann sich auch mal beeinflussen lassen könnte von dem, was in der gegenwärtigen (Theater-)Welt vorgeht, der Gedanke scheint nicht (mehr) zu kommen.
Dass es mal eine Aufführung wie "Sportstück" an der Burg gab oder eine Aktion wie Schlingensiefs Container, erscheint mir heute - bei der aktuellen Tristesse der Gediegenhiet - wie eine Halluzination.
dass Schlingensief als Folge einer solchen Aktion eingeladen würde, an der Burg zu arbeiten, wäre heute völlig abwegig. Auch Schleef wäre unter Hartmann undenkbar gewesen (wobei ich sagen muss. dass auch Bachler oder Kusej inzwischen voll im Establishment angekommen sind).
Ja, das stimmt leider - die Burg versinkt so völlig im Mittelmaß. Für die Auslastung natürlich gut, aber auf Dauer eben auch fragwürdig ... Nächste Spielzeit gibt es außer Breth, Castorf und Needcompany ja kaum Spannendes. Das ist so verzweifelt auf Publikumserfolg angelegt, dass einem das Würgen kommt ...
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