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Giorgos Karagounis schoss die Griechen ins Viertelfinale.
Tragisch ist das, war zu hören. Aber tragisch ist eher nicht das Wort, das mit Giorgos Karagounis in Verbindung zu bringen ist, obwohl der Kapitän der griechischen Nationalmannschaft für jenes EM-Viertelfinale gesperrt ist, das er der gebeutelten Nation mit seinem Siegestor im Gruppenspiel gegen Russland am Samstagabend ziemlich sensationell beschert hat.
Vielmehr scheint der 35-Jährige, der aus Pyrgos, der Hauptstadt des Regionalbezirks Elis auf dem nordwestlichen Peloponnes stammt, ein Liebling der Götter zu sein. Ja, die griechische Anhängerschaft, also eigentlich alle Griechen, halten den "Alten", wie Karagounis mittlerweile voller Respekt genannt wird, selbst zumindest für einen Halbgott. Schließlich war er es, der To Piratiko, dem Piratenschiff, also der Nationalmannschaft, mit dem allerersten Tor der EM 2004 den Kurs zu einer der größten Sensationen des europäischen Fußballs gewiesen hatte.
Karagounis, trotz seiner schmächtigen Statur ein Mittelfeldstratrege von der kampfkräftigen, nie aufsteckenden Sorte, netzte an jenem 12. Juni in Porto nach sieben Minuten gegen Gastgeber Portugal. Die Griechen von Coach Otto Rehhagel gewannen die Partie mit 2:1 und drei Wochen später auch noch das Finale gegen die Portugiesen mit 1:0. Dieses Match hat Karagounis wegen einer Sperre versäumt - tragischerweise, wurde gesagt.
Karagounis, der seine Fertigkeiten in der Schule von Panathinaikos Athen lernte, spielt seit 1999 in der Nationalmannschaft. Das erste von bisher nur neun Teamtoren gelang ihm zwei Jahre später beim Debüt von Trainer Rehhagel, einem 1:5 in Finnland. Nach und nach wuchs er in die Rolle des verlängerten Arms des deutschen Trainers, der die Griechen zum EM-Titel 2004 und danach noch zur EM 2008 sowie zur WM 2010 führte.
Nach dem Triumph in Portugal gelang Karagounis der Sprung in Italiens Serie A, zu Inter. Mit den Mailändern gewann der verheiratete Vater zweier Kinder die Copa Italia, anschließend spielte er zwei Saisonen bei Benfica Lissabon, ehe er der Familie zuliebe zu Panathinaikos zurückkehrte und dort 2010 seinen zweiten Meistertitel mit den Athenern feierte.
Am Samstag gegen Russland schloss er mit seinem 120. Länderspiel zum griechischen Rekordinternationalen Theodoros Zagorakis auf. Karagounis hält es für möglich, dass er seinen alten Freund noch bei dieser EM übertreffen kann. Wenn nicht, wäre das gewiss nicht tragisch. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 18.6.2012)
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