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Griechenland wählt und mir ist das wurscht. Ein Land trifft eine demokratische Entscheidung. Wozu die ganze Aufregung?
Hoffentlich wird die neue Regierung das Sparpaket mit der EU neu verhandeln, von dem alle Beteiligten wissen, dass es einfach nicht funktioniert. Ich halte das nicht nur für recht und billig, sondern für sehr notwendig, genauso, wie ich es für sehr richtig halte, die Parteien, die das ganze Schlamassel angerichtet haben, nicht mehr zu wählen. Damit hat Europa ein Problem?
Ich mag Griechenland, die griechische Küche und die GriechInnen selbst, das will ich gar nicht abstreiten. Aber beim besten Willen ist das Problem, das uns alle so emotionalisiert und beschäftigt, kein griechisches. Wir befinden uns mitten in einem gesellschaftlichen Wandel, der viel fundamentaler ist, als wir das im Moment wahrhaben wollen und als es uns wohl auch lieb ist.
Wie sieht unsere Zukunft aus?
Schaffen wir es in einem politisch und gesellschaftlich vereinten Europa in Frieden zusammenzuleben? Schaffen wir einen gemeinsamen Markt, eine gemeinsame Wirtschaft, die ihrem Zweck entspricht und den Menschen dient - und nicht umgekehrt? Können wir in Städten leben, in denen alle Menschen Luft zum Atmen haben? Wollen wir Einkaufen können, ohne das Kleingedruckte lesen zu müssen? Kurzum: erlauben viele einigen wenigen sich skrupellos an ihnen zu bereichern?
Strukturwandel betrifft nicht nur Griechenland
Nein, ich bin kein Kommunist. Ich versuche nur andere Zusammenhänge in Erinnerung zu rufen, von denen mit diesem Bashing gegen die Griechen gern abgelenkt wird. Das Wirtschaftskrisen-Lösungs-App fürs Smartphone ist halt leider noch nicht erfunden und viele der notwendigen Veränderungen in Griechenland werden viel, viel mehr Zeit brauchen als nur wenige Wochen oder Monate. Ich glaube auch, dass viele der anstehenden Reformen völlig unabhängig von Geld sind und nach den Erfahrungen, die ich auf meiner Reise quer durch das Land gesammelt habe, befinden sich die Menschen schon mitten drin in diesem Strukturwandel, der uns in Mitteleuropa auch nicht erspart bleiben wird. Insofern ist Griechenland ein gutes Fallbeispiel.
Ich plädiere also für etwas mehr Gelassenheit. Zahlen kann man so und so darstellen, man kann unglaubliche Horrorvisionen an die Wand malen oder Perspektiven suchen und erkennen. Unser Fokus wird im Moment ganz auf den griechischen Horror gelenkt.
Dabei sind wir mit der Griechenland-Diskussion doch in Wahrheit mitten drin in der Frage, wie viel Macht und Entscheidungsbefugnisse die nationalen Regierungen in Europa haben sollen und dürfen und vor allem, welche ihre Kompetenzen sind. Ein auf nationaler Ebene gewählter Regierungschef muss sich um die Interessen seines Landes kümmern. Dafür wählen ihn die Menschen. Auf europäischer Ebene muss er also in erster Linie die nationalen Interessen im Auge haben und dann erst die europäischen.
Barrierefreiheit, nicht nur im Urlaub
Nicht nur die Märkte und die Banken, mittlerweile sind aber auch die jungen Menschen schon ganz woanders: sie beanspruchen ein barrierefreies Europa, in dem sie sich frei bewegen können und zwar nicht nur, wenn sie auf Urlaub fahren. Was haben da populistische Angstmacher à la Rosenkranz und Strache noch verloren, die nicht im einundzwanzigsten Jahrhundert angekommen, sondern in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts stecken geblieben sind? Trotzdem wird der FPÖ ein respektables Wahlergebnis prophezeit! Wir alle wissen, dass das zum Großteil Protestwähler sind, denn diese Partei hat ja bereits "nachhaltig" bewiesen, dass sie nicht regierungsfähig ist und sobald sie an der Macht ist, die Republik als Selbstbedienungsladen missbraucht. Dafür brauchen wir keine griechischen Strukturen, das können wir auch!
Ich bin ein ganzes Monat lang für eine Dokumentation durch Griechenland gereist und war erst das zweite Mal in meinem Leben dort. Mich hat die vorbehaltlose Gastfreundschaft, diese Fremdenfreundlichkeit, die wir bei uns in der Form nicht kennen, schwer beeindruckt. Ich habe gesehen, dass das Land aus so vielen, unterschiedlichen Regionen besteht, die so unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen haben!
Vielfalt ist ein Reichtum
Die Erkenntnis, dass die Hälfte der Bevölkerung in Athen lebt, ist für mich trauriges Zeichen einer absurden Entwicklung. Dabei ist die Vielfalt des Landes ein unglaublicher Reichtum, so wie die Unterschiedlichkeit der Nationen und Mentalitäten der große Reichtum Europas ist. Griechenland hat so viel Potenzial, gerade was beispielsweise alternative Energien angeht oder Agrotourismus, um nur zwei Aspekte zu nennen. Und die Tatsache, dass Griechenland keine Industrienation ist, birgt eine enorme wirtschaftliche Chance. Wer verstellt uns den Blick auf diese Chance? Und der gesellschaftliche Wandel, zu dem die Griechen gezwungen werden, egal, was jetzt noch alles passiert - ist das nicht auch eine enorme Chance?
Apropos Chance: Griechenlands Krise könnte die große Stunde des Europäischen Parlaments werden, wenn wir alle das wollen. Die Wahl hat Europa. Was Griechenland wählt, ist wurscht. (Fabian Eder, derStandard.at, 17.6.2012)
Autor
Fabian Eder ist freischaffender Autor und Filmemacher. Diesen Frühling entstand seine Doku "Griechenland blüht. Eine Odysee in den Frühling". Erstausstrahlung am 4.Juli 2012, 20:15 Uhr auf 3SAT
Links
Informationen zur Doku
ja, ich glaube auch, dass es hier um viel, viel mehr geht, voellig klar! man muss auch deutlich sagen, produkte, die frueher 'billig' in suedeuropa hergestellt worden sind, werden jetzt 'noch billiger' in asien od sonst wo hergestellt...das nur mal nebenbei. aber nicht nur nebenbei...das globale verknuepfen von wirtschaften, wertschoepfung u konsum ist auch ein faktor hinsichtlich der 'vielen, die wenigen erlauben, sie auszubeuten'. ich bin dagegen, ausgebeutet zu werden. drum waehle ich eine partei, die mir verspricht, was dagegen zu tun. dann kommt diese an die regierung u der sachzwang u die lobbyisten wetzen schon die messer u sagen 'hey freundchen so nicht'! kennt wer ein paar beispiele vielleicht?! wahlversprechen contra realpolitik??
"mittlerweile sind aber auch die jungen Menschen schon ganz woanders: sie beanspruchen ein barrierefreies Europa, in dem sie sich frei bewegen können und zwar nicht nur, wenn sie auf Urlaub fahren."
In Deutschland ist es eher so, dass gerade jüngere Menschen ein viel unverkrampfteres Verhältnis zum eigenen Nationalstaat haben, den man nicht für einen EU-Bundesstaat opfern möchte. Die Europaideologie der Nachkriegsgenerationen wird belächelt. Der Erfolg "rechtspopulistischer" Parteien unter Jugendlichen in vielen europäischen Ländern deutet in eine ähnliche Richtung. Man mag die Reisefreiheit und den gemeinsamen Markt, eine EU-Transferunion oder eine gemeinsame Außenpolitik waren dagegen schon immer Elitenprojekte einiger Silberhaare.
und den Traeumen von der Neuen Welt, werden sich so manche bald auf dem Boden der Realitaet wiederfinden.
Eben halt auch Sie, Herr Eder.
Und dann, um frei aus dem Film "A Mighty Wind" zu zitieren, werden's "what happened" sagen.
ein paar kleine anmerkungen habe ich dennoch dazu.
sie schreiben: "Griechenland wählt und mir ist das wurscht."
richtig wäre: "Griechenland wählt und es ist wurscht."
hier kommen nämlich die von ihnen zitierten "Märkte und die Banken" ins spiel.
die sind es nämlich, welche gerade eben versuchen aus reiner profitgier die komplette eu in den konkurs zu treiben. griechenland ist da nur der anfang.
und die erwähnten politiker spielen bei diesem spiel nur eine statistenrolle.
wie sie so schön schrieben: es "erlauben viele einigen wenigen sich skrupellos an ihnen zu bereichern".
und das u.A. auch deswegen weil die medien fest in händen der profitgeier sind und nur 'halbe' (sprich bashing-fähige) infos dem 'normalen' volk zugänglich sind
Nachdem alle griechischen Parteien bei den Auflagen des Rettungsfonds Nachverhandlungen fordern, wird sich nichts ändern. Geben die Geldgeber nach dann werden auch die anderen Staaten wie Spanien, Portugal usw. ermutigt Nachverhandlungen zu fordern. Geben sie nicht nach dann sind Proteste auf der Straße in Griechenland vorprogrammiert.Somit ist die Eurozone unverändert in Gefahr, wenn auch wieder ein Aufschub von wenigen Tagen oder Wochen gewonnen wurde.
http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkir... 01491.html
Artikel lesen, eigene Meinung bilden und bei Gefallen weiterempfehlen.
Ich würde eher sagen, was "wir" - also die ganz normalen Menschen, das, was man das Volk nennt - was also wir wollen, ist wurscht. Vor allem ist es sowohl jenen, die in Brüssel, als auch jenen, die in Straßburg sitzen, wurscht. Sie sind das Volk. Und wir? Tja, wir sind nur für eines gut, nämlich den ganz Spaß bezahlen. Das nennt sich Demokratie. Weit haben wir's gebracht.
Denn, egal was die Finanzminister heute noch von sich geben, wenn morgen die paar Hanseln, die dazu in der Lage sind, konzertiert eine große Menge Geld an den Börsen verschieben, ist alles was man heute von sich gibt, Makulatur!
Wir können davon ausgehen, dass genau das geschehen wird, denn man hat ja, strategisch geschickt, schon angekündigt, dass das Geld bereit steht, um "die Märkte" damit zu fluten. Dieses kleine Geschenk braucht man morgen nur noch abzurufen.
ich bin sicher die banken haben vorsorglich nur genug geld gedruckt um die märkte zu beruhigen.
das wird auch garantiert funktionieren, wir wissen ja alle dass die märkte nur aus vernünftig handelnden intelligenzbestien bestehen, die nur das beste für alle wollen und dass der markt am schluss immer recht hat.
also, ich tippe, kursstabilität bis 10h morgens, danach absturz bis 11h, aufstieg durch das hineinpumpen von 27 fantasttrilliarden umm 12:30h und am schluss ein kursergebnis von nur -7% bei den leitindexen.
Man kauft es im Store und kann dann eine Wahlentscheidung treffen. Es ist aber egal was man wählt, das ist nur das Theater das die Leute bewegen soll mitzumachen. In Wirklichkeit ist die Hauptsache dass man für die App zahlt und damit die Lösung der Krise finanziert.
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