Evonik scheitert end­gültig mit Börsegang

Der milliardenschwere Gang aufs Parkett wurde abgesagt, die erhoffte Bewertung erwies sich als illusorisch

Düsseldorf - Der milliardenschwere Börsengang des deutschen Chemieriesen Evonik findet Eigentümerkreisen zufolge nicht statt. Es wäre der größte Börsengang in diesem Jahr in Europa gewesen, der nun an den Finanzmarktturbulenzen gescheitert ist und damit weiteren Kandidaten den Weg an den Aktienmarkt erschweren dürfte. Bei den Beratungen mit den zuständigen Banken sei klar geworden, dass zentrale Voraussetzungen für Evoniks Sprung aufs Börsenparkett nicht erfüllt seien, sagten vier mit dem Vorgang vertraute Personen.

"Der Börsengang wird am Montag abgesagt werden", sagte ein Insider. Der Konzern aus Essen sollte eigentlich Ende des Monats an die Börse gehen und dem Mehrheitseigner RAG-Stiftung sowie dem Finanzinvestor CVC Milliarden in die Kassen spülen.

Monatelange Vorbereitungen

Finanzkreisen zufolge war bei einem Treffen des Kuratoriums der RAG-Stiftung mit den Banken klar geworden, dass es trotz monatelanger Vorbereitungen der Deutschen Bank und von Goldman Sachs weder die vom Mehrheitseigner geforderte Klarheit für die Preisspanne und das Volumen eines Börsenganges gebe noch verbindliche Zusagen von Investoren, Anteile zu zeichnen. Das Scheitern der Pläne sei sicher, sagte ein zweiter Insider. Ein Sprecher der RAG-Stiftung wollte sich dazu nicht äußern. Eine CVC-Sprecherin wiederholte nur die Aussage, dass der seit vier Jahren mit 25,01 Prozent beteiligte Finanzinvestor sich in der Beurteilung der Lage mit dem Mehrheitseigner einig sei.

Das Kuratorium der RAG-Stiftung wolle am Montag beraten, hieß es. Danach werde die Absage erfolgen. "Die Entwicklung auf den Finanzmärkten seit Ende Mai bewirkt eine zunehmende Unsicherheit, ob Erlöse erreichbar sind, die dem Wert der Evonik gerecht werden", hatte die RAG-Stiftung eingeräumt.

Die Stiftung hatte für den Börsengang eine Mindestbewertung von 15 Milliarden Euro für Evonik angepeilt. Diese war aber nicht zu erreichen - potenzielle Investoren wollten den Preis deutlich drücken. "Es gibt keine Ankerinvestoren mit verbindlichen Zusagen", sagte ein Insider. An anderer Stelle hieß es, Investoren hätten durchaus Interesse an Evonik gezeigt, sie seien aber nicht bereit gewesen, angesichts der Turbulenzen an den Börsen und der Euro-Schuldenkrise den Preisvorstellungen der Stiftung nachzukommen. Ein Banker, dessen Institut an dem Plan mitgearbeitet hatte, sagte: "Wenn die möglichen Käufer allein den Preis diktieren können, muss man sich überlegen, ob ein Börsengang sinnvoll ist." (APA/Reuters, 17.6.2012)

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