Der Kampf gegen den E-Mount-Everest

16. Juni 2012, 10:36
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Immer mehr Menschen nutzen Computer, als Folge nimmt der E-Schrott weltweit zu. Experten beruhigen.

50 Millionen Bisons. Sie bringen das gleiche Gewicht auf die Waage wie die Menge an E-Schrott, die weltweit anfällt. 50 Millionen Tonnen an Computermäusen, Rechnern, Monitoren, Handys, Haartrocknern oder Waschmaschinen landen auf dem Mist. Jährlich.

Noch immer sind es zum überwiegenden Teil die in den Industrieländern lebende Menschen, die ihre kaputten, alten oder aus der Mode gekommenen Geräte wegwerfen. Verpackt in großen Containern, landen viele der ausgedienten Produkte in Schwellen- und Entwicklungsländern.

"Die Anzahl der Geräte an E-Schrott wird steigen, aber nicht die Materialmenge."

Dort werden sie teilweise in Hinterhöfen oder auf offener Straße mit gesundheitsgefährdenden Methoden auseinandergenommen, um die verwertbaren und wertvollen Metalle und Kunststoffe darin zu gewinnen. Doch es wächst in diesen Ländern auch die Menge an ausrangierten Geräten, die aus lokalen Quellen stammen. Steuern wir also auf einen E-Mount-Everest zu?

Jein, meint Klaus Hieronymi, seit 1998 Umweltmanager beim weltgrößten Computerhersteller HP. "Die Anzahl der Geräte an E-Schrott wird steigen, aber nicht die Materialmenge." Und zwar aus mehreren Gründen: Gesetzgebung, wachsendes Umweltbewusstsein, Rohstoffknappheit, Energieeffizienz und leichtere, besser wiederverwertbare Geräte.

Knapper und teurer werdende Rohstoffe erhöhen den Recyclingwert der Geräte

So hat das EU-Parlament zum Beispiel erst Anfang des Jahres eine neue E-Schrott-Richtlinie beschlossen. Dieser zufolge müssen die Mitgliedstaaten bis 2015 45 Prozent Elektroschrott einsammeln, gemessen an der Menge verkaufter Produkte, die drei Jahre vorher im Verkauf standen. Bis 2019 muss die Rate auf 65 Prozent gesteigert werden.

Musste die Industrie für Rohstoffe wie etwa Kupfer im Jahr 2000 pro Tonne 2500 bis 3000 Euro bezahlen, liegt dieser Preis heuer bei 7500 bis 8000 Euro. Knapper und teurer werdende Rohstoffe erhöhen den Recyclingwert der Geräte.

Für eine Waschmaschine liegen diese in Europa bei zwei bis fünf Euro, für einen PC bei fünf bis sechs Euro. "Das ist für viele Geld genug, hier zu sammeln", sagt Hieronymi. Durch steigende Containerkosten lohne sich ihm zufolge der Transport gebrauchter oder kaputter Geräte in Entwicklungsländer immer weniger.

Recyclingcenter benötigt

Nächster Schritt, um E-Müll in Entwicklungsländern zu reduzieren, müsse sein, dort professionelle Recyclingcenter aufzubauen, wie HP etwa in Kenia. Damit würde auch Arbeit für angelernte Kräfte geschaffen. Allein Für Ghana und Nigeria weist eine UN-Studie 30.000 neu entstandene Jobs in diesem Bereich aus.

Für große Unternehmen werde Umwelt und Stromverbrauch zu einem immer wichtigeren Faktor, nicht zuletzt aus Kostengründen. Sie drängten daher die Hersteller, leichter wiederverwertbare und stromeffizientere Geräte zu bauen. (Karin Tzschentke, DER STANDARD/Printausgabe, 16.6.2012)

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    Die Computerisierung nimmt zu und lässt Berge wachsen. Hier sitzen zwei Altwaren-händler in Delhi vor angehäuftem Elektronikschrott.

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    foto: der standard
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