50 Tote bei religiösen Unruhen im Westen Burmas

Massenflucht muslimischer Rohingyas - Suu Kyi hält Dankesrede zu 1991 verliehenem Friedensnobelpreis

Rangun - Die tagelangen ethnisch-religiösen Unruhen im Westen Burmas haben nach Angaben der Staatsmedien vom Samstag insgesamt 50 Tote und 54 Verletzte gefordert. Die Informationen der Tageszeitung "The New Light of Myanmar" bezogen sich auf den Zeitraum vom 28. Mai bis zum 14. Juni. Das Regierungssprachrohr machte keine Angaben zur Identität der Opfer. Unklar war auch, ob die Bilanz die zehn Muslime einschloss, die von einer wütenden buddhistischen Menge wegen der Vergewaltigung und Ermordung einer Buddhistin gelyncht worden waren. Verschiedene Berichte legen allerdings nahe, dass die Opferzahl deutlich über der offiziellen Bilanz liegen könnte.

Der Lynchvorfall war Auslöser der blutigen Unruhen im westlichen Teilstaat Rakhine, bei denen mehr als 30.000 Menschen vertrieben und mehr als 2000 Häuser niedergebrannt wurden. Nach Angaben der Zeitung gab es 78 Unruhen bis Donnerstag, welche die Sicherheitskräfte "friedlich" beenden konnten. In Sittwe, der Hauptstadt von Rakhine, soll sich die Lage mittlerweile weitgehend beruhigt haben.

Muslimische Minderheit verfolgt

Im mehrheitlich buddhistischen Burma gibt es eine starke muslimische Minderheit. Zu ihr gehören auch die knapp 800.000 Rohingyas, von denen die meisten in Rakhine leben. Sie besitzen nicht die burmesische Staatsangehörigkeit und sind in ihren Rechten stark eingeschränkt. Die Vereinten Nationen betrachten die Rohingya-Minorität als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt.

Das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) hat Bangladesch am Freitag kritisiert, weil es Flüchtlingen aus Burma zurückgeschickt hat. Das Nachbarland verwehrte in den vergangenen Tagen hunderten muslimischen Bootsflüchtlingen aus Burma, darunter zahlreichen Kindern, die Einreise. Schon Ende der 1970er Jahre suchten etwa 200.000 Rohingya-Flüchtlinge Schutz im benachbarten Bangladesch, Anfang der 1990er Jahre weitere 300.000. Es wird geschätzt, dass seit der Unabhängigkeit Burmas 1948 eineinhalb Millionen Rohingyas ins Exil gingen. 

Suu Kyis Rede für Friedensnobelpreis

Die burmesische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat in Oslo zu koordinierter internationaler Hilfe bei den Reformen in ihrem südostasiatischen Heimatland aufgerufen. In ihrer am Samstag mit 21-jähriger Verspätung gehaltenen Dankesrede für den ihr zugesprochenen Friedensnobelpreis 1991 sagte die burmesische Oppositionsführerin, die nahezu zwei Jahrzehnte in Haft oder unter Hausarrest verbringen musste, sie sei "vorsichtig optimistisch" hinsichtlich der demokratischen Reformen in ihrem Land, das fünfzig Jahre von einer Militärdiktatur beherrscht wurde. (APA, 16.6.2012)

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