Die Ruhe vor dem Rio-Sturm

16. Juni 2012, 10:41
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Einrichten unter neuen Umständen - währenddessen laufen bereits Verhandlungen im Vorfeld

Ich bin nun seit einem Tag in Rio. Es ist Winter hier, die Temperaturen sinken nachts auf empfindliche 18 Grad. Es sind relativ wenige Badende am Strand von Copacabana zu sehen. Die meisten WWF-Kollegen sind nahe an der Copacabana untergebracht, weil dort die alten Apartments günstiger sind und frühzeitig gebucht wurden. Neben den Vermietern und Hotelbesitzern sind die Taxifahrer wohl auch die Hauptprofiteure des Gipfels hier. Rio ist total ausgebucht und wer überhaupt noch eine Unterkunft bekommt kann mit zehnfachen Preisen rechnen.

Die Infrastruktur

Die Straßen Rios sind verstopft, es herrscht den ganzen Tag Verkehrsstau. Es dauert mit dem Taxi mehr als eine Stunde um dorthin zu kommen. Wir fahren zu dritt um Kosten zu sparen. Es geht vorbei an den letzten Resten des atlantischen Waldes, von dem nur mehr sieben Prozent der ursprünglichen Wälder existieren. Die offiziellen Busshuttles fahren unregelmäßig und es gehen Gerüchte herum, dass die Fahrt mit ihnen mehr als zwei Stunden dauert. Vier Stunden für die Hin- und Rückfahrt ist ein Zeitverlust, den wir uns hier nicht leisten können.

Das etwas außerhalb gelegene Konferenzzentrum Riocentro ist ein gesichtsloser Komplex aus mehreren Pavillons. Von einer Infrastruktur mit ruhigen Räumen für Meetings und Interviews, einem Büro oder einem Stand wie auf den Klimakonferenzen in Kopenhagen und Durban können wir hier nur träumen. Überall dröhnen die Generatoren und Klimaanlagen. Privilegien wie eigene Räumlichkeiten sind nur den offiziellen Delegationen vorbehalten. Unsere Meetings finden teilweise am nackten Boden statt.

Unser WWF-Team versucht aus dem gewaltigen Angebot an Veranstaltungen, Aktionen, Pressekonferenzen, bilateralen Gesprächen und Meetings die wesentlichen Events herauszufiltern. Der Erdgipfel ist als papierlose Konferenz gestaltet. Nur das Notwendigste soll ausgedruckt werden. In einem riesigen Pavillon wurde ein Restaurant- und Snackbereich eingerichtet. Es gibt kaum nachhaltige Produkte zu kaufen. Überall Fastfood-Ketten, Alu-Dosen.

Die Preise sind extrem unverschämt. Das Essen ist teurer als auf allen anderen Konferenzen bisher - Preise wie auf den Nobelstraßen Europas - ein Schock für NGO-Vertreter aus aller Welt, die die Kosten so gut wie möglich reduzieren müssen. Aber es gibt am Gelände kaum eine andere Möglichkeit. Mitgebrachte Lunchpakete sind die einzige Option über den Tag zu kommen.

Erste Tendenzen

Inzwischen laufen die Verhandlungen im Vorfeld des Gipfels. Gestern Abend gab es eine positive Überraschung: Neun Länder fehlen noch, bis die Flüssekonvention der Vereinten Nationen in Kraft treten kann. Nun haben zwölf weitere Länder angekündigt bis spätestens 2013 die Konvention zu ratifizieren. Immerhin geht es dabei um die weltweite Regelung von 60 Prozent des globalen Trinkwassers für 40 Prozent der Menschheit. Wasser ist eines der drei Topthemen hier, denn 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen oder sauberem Trinkwasser. 2030 werden wir um fast ein Drittel mehr Wasser für die steigende Weltbevölkerung brauchen. Ohne wirksame internationale Regelungen sind Kriege um das lebensnotwendige Wasser vorprogrammiert. Und es ist eine wichtige Aufgabe dieser Konferenz, solche Konflikte zu verhindern.


Franko Petri vom WWF Österreich berichtet vom UN-Gipfel über nachhaltige Entwicklung in Rio de Janeiro.

  • Artikelbild
    foto: franko petri
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