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Kurt Palm: "McDonald's verkauft in Kombination mit Kindermenüs weltweit die meisten Kinderspielsachen. So sollen die Kleinsten an ein Essen gewöhnt werden, das garantiert nicht gesund ist."
Der Witz ist alt, aber gut: "Trifft ein fremder Planet die Erde und fragt: 'Wie geht es dir?' Sagt die Erde: 'Nicht gut, ich habe Homo sapiens.' Darauf der fremde Planet: 'Keine Angst, das geht vorüber.'"
Der tiefere Sinn dieses Witzes dürfte sein, dass die Erde auch sehr gut ohne uns Menschen auskommt. Aus diesem Grund sind Sprüche wie "Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt" Unsinn. Wir haben die Erde von niemandem geborgt! Dass sich der Homo sapiens aus Wasserflöhen entwickelt hat, war Zufall und retrospektiv betrachtet ein Fehler der Natur. Da man diese Entwicklung aber nicht mehr rückgängig machen kann, müssen wir uns eben, so gut es geht, auf dieser Erde einrichten.
Und dass es nicht so gut geht, zeigt sich auch im Kontext der "Deklaration von Rio". In dieser Deklaration wurde erstmals global das Recht auf nachhaltige Entwicklung verankert. Als unerlässliche Voraussetzungen für eine solche Entwicklung wurden vor allem die Bekämpfung der Armut, eine angemessene Bevölkerungspolitik, Verringerung und Abbau nicht nachhaltiger Konsum- und Produktionsweisen sowie die umfassende Einbeziehung der Bevölkerung in politische Entscheidungsprozesse genannt.
Vergleicht man diese Deklaration von 1992 mit der Realität des Jahres 2012, zeigt sich, dass Konferenzen dieser Art sinnlos sind. Solche Zusammenkünfte dienen in erster Linie dazu, den Menschen Sand in die Augen zu streuen. Jetzt findet in Rio also die Folgekonferenz statt, wieder werden Regierungsvertreter und "Experten" Phrasen dreschen, um anschließend in ihre Flugzeuge zu steigen und zurück an ihre reich gedeckten Tische zu fliegen.
Dass Barack Obama erst gar nicht nach Rio kommt, ist verständlich. Was sollte er dort sagen? Dass die USA für den Irakkrieg bisher fast vier Billionen Dollar ausgegeben haben, jährlich aber 8,8 Millionen Menschen an Hunger sterben? Soll er verkünden, dass in den USA bei Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl künftig Ökostrom verwendet wird? Oder soll der Chef des Nestlé-Konzerns zugeben, dass zwar ein Drittel der Menschheit keinen Zugang zu adäquaten Trinkwasserquellen hat, sein Unternehmen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern aber Quellgebiete und Wasserrechte aufkauft, das entnommene Grundwasser mit Mineralien anreichert und das in Flaschen abgefüllte Wasser unter dem Namen "Pure Life" an die lokale Bevölkerung weiterverkauft?
Soll der McDonald's-Boss über Strategien seines Konzerns im Bereich Corporate Responsibility berichten und erklären, dass McDonald's seine Firmenfarbe von Rot auf Grün gewechselt hat, um damit ein sichtbares Bekenntnis zum Umweltschutz abzugeben? Ist doch alles Unsinn.
Vor einigen Jahren war ich in Mali und habe dort einige Dogon-Dörfer im Bergland von Bandiagara besucht. In Dörfern wie Telim oder Wallia gibt es weder Strom noch Fließwasser, und die Beschäftigung der Menschen besteht darin, ihr tägliches Überleben zu sichern. Umgeben sind diese Dörfer mit ihren Lehm- und Holzhütten von Brachland, auf dem ausgemergelte Kühe, Schafe und Ziegen kaum noch etwas zum Fressen finden. Wenn ich den Menschen dort erzählt hätte, dass infolge der Rio-Konferenz in Paris 1994 die "Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung" beschlossen wurde, hätten sie mich ausgelacht. Sidi Bamadio, unser einheimischer Begleiter, berichtete, dass die Gegend früher fruchtbar war und es genügend Wasser gab. Heute aber müssen die Kinder kilometerweit gehen, um für ihre Familien Wasser aus entlegenen Brunnen zu holen. Umweltschutz, wie wir ihn im Kleinen praktizieren, gibt es in diesen Dörfern nicht, und so hängen an jedem dürren Busch zerschlissene Plastiksäcke, und dass alte Autoreifen verbrannt werden, ist hier so normal, wie die Tatsache, dass tote Hunde in den Straßengraben geworfen werden. Auf die Frage, wo denn die jungen Männer seien, antwortete Sidi: "Auf dem Weg nach Europa."
Wenn ich hierzulande dann eine Werbung für "BIORAMA. FAIRFAIR. Fashion. Design. Food Market for Sustainable Products" sehe, frage ich mich, was sich ein Flüchtling aus einem solchen Dorf wohl denken würde.
Da ich für die Zubereitung meines Strudelteigs eine normale Rama, und keine Bio-Rama verwende, wäre ich auf einer solchen Messe auch fehl am Platz, was jetzt nicht heißen soll, dass ich in meinem Alltag nicht nachhalting handeln würde. Beispielsweise komme ich mit meinem Labello-Stift eine Woche länger aus als jeder normale Verbraucher, weil ich den Stift nicht wegwerfe, wenn er scheinbar leer ist, sondern mit einer Beißzange den Innenstift zerdrücke und die Labello-Reste mit einem Zahnstocher herauskratze, um sie auf die Kuppe des blauen Außenstifts zu schmieren. Auf diese Weise kann ich mir meine Lippen locker eine Woche länger eincremen. In 40 Jahren verbraucht man mit dieser Methode zwölf Labello-Stifte weniger, was einer Gesamtersparnis von 24 Euro gleichkommt. Das ist nicht besonders viel, aber bei 100 Millionen Labello-Benutzerinnen und -Benutzern kämen 2,4 Milliarden Euro zusammen, die man zum Beispiel notleidenden Bankdirektoren spenden könnte, damit die nicht verhungern.
Stolz bin ich auch auf mein 40-Jahr-McDonald's-Boykott-Jubiläum, das ich demnächst feiern werde. Im August 1972, als der Begriff "sustainable development" noch mit "kraftgebende Entfaltung" übersetzt wurde, beschloss ich während eines Ferienaufenthalts in Los Angeles nach dem Besuch eines McDonald's-Ladens nämlich, diese Art der Nahrungsaufnahme für den Rest meines Lebens zu verweigern. In mein Tagebuch schrieb ich damals: "In einem Land, in dem sich der Großteil der Bevölkerung von McDonald's-Fraß ernährt, ist der geistige Verfall nicht aufzuhalten."
In der Zwischenzeit ist McDonald's mit seiner "Systemgastronomie" in mehr als 100 Ländern vertreten und macht in 32.000 Restaurants einen jährlichen Umsatz von 23 Milliarden Dollar. Obwohl mein McDonald' s-Boykott nicht zu viel bewirkt haben dürfte, werde ich auch in Zukunft keine "Happy Meals" konsumieren. In erster Linie aus politischen Gründen. Für mich ist McDonald's ein Synonym für den weltumspannenden Konsumterror des Großkapitals, den man verharmlosend "Globalisierung" nennt, womit nichts anderes gemeint ist, als dass ein Hamburger in Wien genauso schmecken muss wie in Hongkong. Dass so eine Gleichschaltung der Massen erfolgt, versteht sich von selbst. Wie der Hamburger weltweit genormt ist, soll auch der Konsument genormt sein. Der "moderne" Mensch muss in diesem System seine Individualität auf den Altären der Konsumtempel opfern, weil dieses System sonst zusammenbrechen würde. Damit der Konsument erst gar nicht auf die Idee kommen könnte, bei McDonald's Teil eines zerstörerischen Systems (Regenwald, Sojaproduktion etc.) zu sein, wird so getan, als würde er als Individuum ernst genommen. Aus diesem Grund suggeriert McDonald's in seinen aggressiven Werbekampagnen ja auch ständig, dass jeder Junk-Food-Junkie Teil einer großen, glücklichen Familie ist.
Der Dramatiker, Whisky-Trinker und Zigarrenraucher Heiner Müller hat diesen neuen Typus von Konsumenten so beschrieben: "In den McDonald' s-Läden sitzt schon eine neue Menschenrasse, die begeistert Scheiße konsumiert. Da sitzen nur noch Zombies, und die an diese neue Welt gewöhnten Kinder brauchen weder Kunst noch Literatur oder Theater und werden nie im Leben auf die Idee kommen, dass das für sie interessant sein könnte. Oder dass irgendein Gedanke interessant ist, der sich nicht unmittelbar in Hamburger umsetzen lässt."
So gesehen ist es logisch, dass McDonald's durch strategische Partnerschaften mit Großkonzernen wie Coca-Cola oder Disney seine wirtschaftliche Vormachtstellung als umsatzstärkste Fastfood-Kette auch ideologisch absichert. McDonald's ist nicht nur der größte Abnehmer von Coke-Produkten, sondern verkauft in Kombination mit Kindermenüs weltweit auch die meisten Kinderspielsachen. So sollen die Kleinsten an ein Essen gewöhnt werden, das garantiert nicht gesund ist. I'm hating it. Dass im Westen fast 30 Prozent der Bevölkerung übergewichtig sind und gleichzeitig alle drei Sekunden ein Mensch an Hunger stirbt, hängt mit den Strukturen des internationalen Kapitalismus zusammen. Solan-ge Konzerne wie McDonald's, Coca-Cola, Nestlé etc. weltweit eine derartige Vormachtstellung einnehmen, wird sich an die- sem skandalösen Missverhältnis nichts ändern. Da können in Rio noch so viele Beschlüsse gefasst werden. (Kurt Palm, Album, DER STANDARD, 16./17.6.2012)
Kurt Palm, geb. 1955 in Vöcklabruck, Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg. Seit 1983 als Autor und Regisseur tätig. Er schrieb Bücher über Brecht, Stifter, Joyce, Mozart, Fußball und Palmsamstage. Drehte Kinofilme und inszenierte zahlreiche Opern und Theaterstücke im In- und Ausland. Palm lebt in Wien. Zuletzt erschien der Roman "Die Besucher" (Residenz, 2012).
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Neben einigen richtigen Ideen (die schon etwa Ivan Illich vor 30 Jahren gepredigt hat) furchtbar viel Unsinn. Ein Beispiel. Labello kann man durch herauskratzen der Reste sparen. Ich spare das Zehn- bis Hundertfache an Labello, weil ich es wirklich nur im tiefsten Winter verwende. Und da nur sparsam. Ich mache mich nicht davon abhängig, so dass ich wie viele andere schon nach 20 Minuten wieder gefühlt trockene Lippen habe. Ja, Labello macht süchtig. Fragen Sie Ihren Arzt!
Auch MacDo sieht mich praktisch nie. Stilles Mineralwasser ist in den meisten Gegenden in Österreich auch unnötig. usw usw....
... Ablagerungen, vor 1989 irgendwo zwischen Ostberlin und dem Höchstädtplatz zu datieren.
Aber vielleicht sehen sich die Gestrigen lieber nach den realsozialistischen Schlangen vor leeren Geschäften zurück. In Nordkorea soll sich diesbezüglich ein Refugium bis heute erhalten haben.
Da ist mir gelb auf rot das "m" beim Allerwertesten lieber als Hammer und Sichel beim Gesicht.
(PS: Beschwerden bezüglich Unterentwicklung und Überbevölkerung bitte an die jenseitigen Heilsversprecher zu richten.)
Dr. Heinz Anderle, abendländischer Freigeist
haben wir die erde von unseren kindern legiglich geborgt. denn sie sollen ja zumindest vergleichbare, wenn nicht bessere bedingungen vorfinden wie bzw. als wir. da heißt, unser nutzungsverhalten bestimmt, was unsere nachkommen vorfinden. im schlimmsten fall essen wir die erde auf und unsere nachkommen kommen nicht mehr nach :(. mac donalds, coke und nestle sind dabei nicht DAS problem. das problem ist der mangel an bildung, die gier und die korrumpierte politik, die ihren namen nicht verdient. griechenland ist überall, nicht nur dort.
pfff. nicht dass mcdonald's ein so toller konzern wäre oder das essen so gut oder die kinder-lockangebote mit dem spielzeug so klass .... aber dieses billige mcdonald's-bashing ist so ein alter hut, so einfallslos und abgegriffen. ist natürlich schön, wenn man das ganze böse der welt so kommod an einem ort festmachen und sich dabei so gut fühlen kann. 40 jahre, herr palm, wirklich eine leistung. schreibens doch gleich ein ganzes buch darüber.
ein aufzeigen der globalen probleme ist wichtig, die hier angesprochenen thematiken sind leider altbekannt, traurige realität und leider noch immer viel zuwenigen leuten bewusst. trotzdem: ein mc-donalds-boykott und ein zero-waste-labello-einsatz mögen löblich sein (obwohl ein labello boykott die lippen und die umwelt noch mehr schonen würde), jedoch beim (zynischen, ich weiß, aber wissen das alle?) selbstbeweihräuchernden jammern stehen zu bleiben wird uns leider nirgendwo hinbringen. nobel nörgelnd geht die welt zu grunde. daher eine bitte, herr palm: gehen sie noch den nächsten schritt und nützen ihre berühmtheit auch, um positive initiativen zu unterstützen! das wär doch mal was – und würde mich freuen!
1. Evolutive Fehlentwicklungen gibt es nicht, man kann die Vorgänge der Evol. nicht in richtig und falsch kategorisieren, genauso wie man ja auch der Schwerkraft oder dem Elektromagnetismus, etc. kein richtiges oder falsches Handeln unterstellen kann. Deshalb halte ich den eingangs erwähnen "Witz" für einen schlechten (und abgelutschten).
2. Labello ist sowas von unnötig, niemand braucht das wirklich.
3. Ich finds ein bissl wenig, immer nur zu jammern wie uns "das Kapital" unterjocht ohne darauf hinzuweisen, dass niemandem Entscheidungen aufgezwungen oder abgenommen werden. Jeder Einzelne kann und muss selbst entscheiden und um das gut zu machen erfordert es Bildung, keine Ideologie.
4. Das Zitat von Müller ist schlicht menschenfeindlich
war nichts Neues dabei, was nicht heißt, dass es nicht gut geschrieben ist.
Es gibt aber noch nichts wirklich Brauchbares außer Atombomben, um den Planeten vom menschlichem Befall zu säubern, und das ist nicht sehr umweltfreundlich.
Danke dafür - und nicht nur das: 95% des Großkapitals zieht global eine Spur ökologischer Verwüstung nach sich. Doch wie gelangt das ins Bewusstsein der oberen 10.000?
Insofern ist Rio sehr sehr wichtig!! Wissen austauschen, sich vernetzen und nach Hebeln suchen, wie man Veränderung möglich macht. Diese Konferenzen sind wertvoll.
Weißt du Kurt - ich glaube am schonendsten für die Umwelt wäre es, wenn du dir gar keinen Labello-Stift kaufst.
Den Blödsinn brauchst nicht - die Lipperln schaffen es auch so - du sparst dir das Quetschprozedere, zwickst dich nicht in den Finger und der Erde hast damit am meisten geholfen.
sehr produktbezogen - natürlich seine qualitäten.
und ohne tiefer zu gehen, kann ich nur übereinstimmen.
um einen weiteren ansatz einzubringen, stelle ich die frage:
was ist in europa alle länder übergreifend als marke allgemein bekannt ?
und beantworte zugleich: mc donalds, coca cola, red bull.
um nur beim essen und trinken zu bleiben.
im übrigen bin ich der meinung, dass aus heutiger sicht betrachtet der urknall eine fehlzündung war.
'McDonalds, frequently cited as the gold standard for global uniformity, reveals impressive variations as it moves from one site to the next. If it is successful it is not because the formula is rigid. It is precisely because it can change shape.' (Law&Mol 2001)
es würde der erde vermutlich nicht besser gehen, wären die symbole der westlichen konsumgesellschaft beseitigt. schlechter, ja viel schlechter würde es ihr gehen, bestünden noch die industriekomplexe des real existierenden sozialismus. diese dreckschleudern haben ja über jahrzehnte erheblichen anteil an der umweltzerstörung gehabt. von tschernobyl brauch ich gar nicht zu reden.
"... die an diese neue Welt gewöhnten Kinder brauchen weder Kunst noch Literatur oder Theater und werden nie im Leben auf die Idee kommen, dass das für sie interessant sein könnte ..."
das hat aber nix mit mcdonald zu tun - ich denk die literaturinteressierten theatergeher unter den kindern waren immer schon die minderheit. schon sokrates hat die verlotterte jugend angeprangert ...
Seinen intellekt benutzt er mehrheilich nicht zum guten, seine gier zestört das ökosytem, seine unverträglichkeit und anfälligkeit für hetze verursacht kriege, seine maßlose vermehrung hunger konflikte, ausplünderung der ressourcen klimawandel, und zerstörung weltweit.
Seine anfälligkeit für religionen führt zu fanatismus, irrealen verboten von verhütung, statt einer begrenzung der menschen auf eine der erde erträgliche zahl. Der aggressive teil des islams zu zerstörung, morden und religionskriegen. Der kapitalismus zu einer zunehmenden ungleichverteilung der lebensgrundlagen und lebenschancen, der ausbeutung von natur und mensch zum wohle einiger betuchter.
Egoismus und ignoranz, führen dazu, das es niemals frieden geben kann.
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