Wie beim Wiener Eislaufverein alles rund laufen soll

Ein privater Investor möchte dem Grätzel rund um das Hotel Intercont und den Eislaufverein ein neues Gesicht geben. Die Entwicklung des Konzepts für den "sensiblen" Standort hat die Stadt in die Hand genommen

Wien - Der Wiener Eislaufverein ist am Sand. Wo im Winter die Eisläufer ihre Bahnen ziehen, werden auch heuer wieder bei "Sand in the City" Cocktails geschlürft, wer mag, kann Beachvolleyball spielen oder derzeit auf der Großleinwand den Kickern bei der EURO zuschauen.

Die mehr als 100 Jahre alte Institution in der Lothringerstraße im 3. Bezirk hat auch großen Sanierungsbedarf. Rund 15 Millionen Euro werden dafür nötig sein, schätzte der Investor Michael Tojner im Interview mit dem STANDARD. Tojner hat aber nicht nur soeben 55 Prozent der Anteile an der Besitzergesellschaft des Eislaufvereins übernommen, er hat auch vor kurzem das benachbarte Hotel Intercont gekauft. Ihm schwebt für den Standort ein eigenes Konzept vor, das auch das Konzerthaus miteinschließt. "Musik und Sport" seien die beiden Schlagworte, unter denen das Projekt stehen solle, sagt der Investor.

Heikler Standort

"Uns ist bewusst, dass das ein sehr sensibler Standort ist", sagt Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne). Weil es gilt, einen Konsens für unterschiedlichste Interessen zu finden, hat die Stadt die Entwicklung des Standortes in die Hand genommen. Eingebunden in den umfassenden Prozess sind neben Tojner unter anderen auch Eislaufverein (WEV), Konzerthaus, Bundesdenkmalamt, Stadtplaner und Architekten. Zwei Workshops gab es bereits, nun sollen bis zum Herbst drei Teams ein Konzept erarbeiten.

Eine Verkleinerung der 6000 Quadratmeter großen Eisbahn ist für Vassilakou jedenfalls ein absolutes No-Go. "Die Eisfläche muss in der derzeitigen Größe erhalten bleiben", sagt sie. 2008, als das Areal des Eislaufvereins vom Stadterweiterungsfonds verkauft worden war, hatte es einen Aufschrei des WEV gegeben. Was sich Vassilakou hingegen vorstellen kann ist eine architektonische Öffnung in Richtung Lothringerstraße und Beethovenplatz. "Es muss bei dem gesamten Projekt auf jeden Fall für die Allgemeinheit eine Aufwertung des Öffentlichen Raumes geben", betont Vassilakou, die sich allerdings eine Rück-Verlegung des Durchzugverkehrs auf den Heumarkt nicht vorstellen kann. "Auf dem Heumarkt gibt es Anrainer, wegen derer es vor einigen Jahren die Verlegung überhaupt gegeben hat."

Beim Eislaufverein zeigt man sich vorsichtig optimistisch. Es gebe eine Vereinbarung mit dem Besitzer, der Lothringerstraße 22-Projektentwicklungsgesellschaft. Diese sieht einen Erhalt der Freifläche und der Halle sowie eine Ersatzanlage während des Umbaus vor, sagt WEV-Sprecher Peter Menasse. Weiters soll der Pachtvertrag auf weitere 99 Jahre verlängert werden. Dass sich die Stadt im großem Umfang einbringt, sei "eine zusätzliche Sicherheit. Außerdem", so Menasse, "werden wir unser Expertentum in kooperativer Absicht zur Verfügung stellen". (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, 16./17.6.2012)

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