Mäzene braucht die Medienlandschaft

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  • Mäzene also braucht die Medienlandschaft, doch JournalistInnen tragen keine Trikots mit den Farben des Hauses.
    foto: apa/alois furtner

    Mäzene also braucht die Medienlandschaft, doch JournalistInnen tragen keine Trikots mit den Farben des Hauses.

Krokodilstränen und Tunnelblick auf die Finanzmisere der österreichischen Szene

Kaum fällt das Wort Qualitätsjournalismus, fließen die Tränen in Strömen. Krokodilstränen. Wie das Amen im Gebet kommt die Analyse, das Ende nahe, die Qualität der österreichischen Medien sei am Sand. Eben dort, wo sich die Krokodile zu sonnen pflegen während die medialen Haifische in der Tiefsee auf Quotenjagd sind. Lösungen für die zutiefst betrauerte Misere werden selten skizziert. So auch gestern wieder im Audimax der Wiener Journalismus-Fachhochschule bei einer Diskussion, die an sich als Mutmacher für das studentische Publikum geplant war.

Ein neues Buch wurde vorgestellt mit Ideen zur Rettung unserer Medien. Klein und fein gehalten gibt es Tipps zum medialen Überleben und Hinweise für die Zukunftsgestaltung junger JournalistInnen. Spannend ist die Darstellung privater Medienförderer in den USA.

Eigenwilliges System der Presseförderung

Österreichs Medien haben bekanntlich mit einem sehr eigenwilligen System der Presseförderung zu leben. Inhaltlich anspruchsvolle Medien müssen mit verdammt dünnem Wasser kochen. Entsprechend klein sind die Redaktionen, entsprechend kosten- und zeitsparend müssen RedakteurInnen recherchieren. Sofern das Budget überhaupt noch sorgfältige Recherchen erlaubt.

Mäzene also braucht die Medienlandschaft. Wohlhabende Menschen, Stiftungen, Unternehmen gibt es auch in Österreich zu genüge. Doch diese stecken noch immer ihr Geld, gut bildungsbürgerlich bevorzugt, in Kulturgut, in soziale Einrichtungen oder Sportclubs. Medien fallen in keine dieser Kategorien. JournalistInnen tragen keine Trikots mit den Farben des Hauses, gelten allenfalls als "asoziale Nestbeschmutzer" und die gesamte Medienszene wird angesichts manch schwächelnden Niveaus als Unkultur abqualizifiert.

Vierte Säule einer gesunden Demokratie

Übersehen wird dabei, dass Medien die vierte Säule einer gesunden Demokratie sein sollen: ein Korrektiv für politische und gesellschaftliche Missstände. Das ist das Postulat von Presse- und Informationsfreiheit. Notwendig ist deshalb, dass der Qualitätsmedienmarkt statt ausgehungert zu werden, genährt wird, sei es im Print-, elektronischen- oder Internetbereich. Dabei geht es keineswegs darum, einfach nur JournalistInnen durchzufüttern.

Das Anliegen von Mäzenen, die anderenorts Qualitätsmedien unterstützen, sind die Stärkung von Demokratiebewusstsein und eine seriös informierte Gesellschaft. Sie haben erkannt, dass gerade Aufklärung durch Qualitätsmedien die Gesellschaft auch vor Radikalisierungen bewahren kann, besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Österreichs Mäzene sind noch nicht so weit.

Reinhard Christl, der Buchautor, bricht zudem einer dicken Finanzspritze für Österreichs öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt die Lanze, sogar auf Werbung solle verzichtet werden können. Das ist vielleicht ein wenig zu viel der guten Wünsche. Politische Unabhängigkeit ist auch angesagt. Noch immer rangiert der ORF als nationales Leitmedium. Auf die Dauer jedoch können die guten Informationssendungen in Radio und Fernsehen nicht das Gesamtimage tragen.

TV-Stationen kaum analysiert

Leider kaum analysiert wurden andere österreichische TV-Stationen. Weder das eine Extrem, Servus-TV, das tatsächlich von einem Privatmäzen finanziert wird, derzeit auch verstärkt den deutschen Markt anpeilt und zunehmend attraktive Bildungs- und Informationssendungen macht. Noch das andere, der gemeinnützige Sender Okto-TV, der mit knapper Kasse auch der kreativen Szene eine Bühne beziehungsweise Abspielfläche bietet und mit dem Okto-Medienquartett* als einziger TV-Kanal sogar medienkritisch unterwegs ist. Die Programme beider Sender entsprechen durchaus auch dem so genannten öffentlich-rechtlichen Auftrag. Ebenso unterbelichtet blieb im FH-Audimax das Thema Mediengründungen.

All dies ging im journalistischen Tränenmeer unter. Es blieb weitgehend beim Tunnelblick. Kleiner Trost: in Deutschland haben große Zeitungen inzwischen Ressorts für investigativen Journalismus eingerichtet. Vielleicht eine Einstiegsidee für hiesige demokratieorientierte Mäzene? (Rubina Möhring, derStandard.at, 15.6.2012)

* Die Autorin ist neben Armin Thurnher und Herlinde Pauer-Studer regelmäßig im Medienquartett auf Okto zu sehen.

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