"Weniger zahlen und viel mehr erreichen"

Interview | Eric Frey
15. Juni 2012, 18:25
  • Bjørn Lomborg
    foto: emil lupin

    Bjørn Lomborg

  • DER STANDARD-Schwerpunktausgabe Rio

    DER STANDARD-Schwerpunktausgabe Rio

Bjørn Lomborg, Kritiker der Klimaschutzpolitik, sieht den Kampf gegen CO2-Emissionen und Subventionen für alternative Energie als Geldverschwendung

STANDARD: Der Rio-Prozess hat seine Klimaschutzziele bisher nicht erreicht. Hat dieser Prozess je eine Chance gehabt?

Lomborg: Er war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn der Ansatz, der in Rio gewählt wurde, war falsch. Er lautete: CO2 verursacht Erderwärmung, daher müssen wir mit fossilen Brennstoffe aufhören. Vergessen wurde, dass wir fossile Brennstoffe nicht verbrennen, um Al Gore und andere Umweltschützer zu ärgern, sondern weil sie riesige Vorteile bieten: Wärme, Kühle, Essen, Unterkunft, Transport, Strom. Sie schaffen Wohlstand - und nicht nur in den reichen Ländern. China hat in den letzten 30 Jahren 600 Millionen Menschen aus der Armut befreit, und das geschah nicht durch Solarpaneele, sondern indem sehr viel Kohle verbrannt wurde.

STANDARD: Aber das ändert doch nichts an der grundsätzlichen Gefahr des Klimawandels, oder?

Lomborg: Ja, der Klimawandel ist ein Problem, und es muss gelöst werden. Aber über die Reduktion fossiler Brennstoffe wird das nicht gelingen. Stattdessen müssen wir den Preis der erneuerbaren Energie durch Innovation senken. Wenn diese in den nächsten zwei bis vier Jahrzehnten billiger wird als fossile Brennstoffe, dann haben wir gewonnen. Der Kioto-Prozess bringt uns nicht dorthin.

STANDARD: Und wenn man fossile Brennstoffe durch Emissionshandel und CO2-Steuer verteuert und die Erneuerbaren subventioniert?

Lomborg: Kein Ökonom ist dagegen, CO2 zu besteuern, weil es Schaden anrichtet. Aber in den USA, in China oder Indien ist eine solche Steuer politisch nicht durchsetzbar, und auch in der EU wird sich das Verbraucherverhalten nicht ändern, wenn sich der Benzinpreis um ein paar Cent pro Liter erhöht. Und eine dramatisch höhere Steuer wäre ökonomisch sehr ineffizient. Bisher wurde der Preisunterschied zu den Fossilen durch Subventionen für Sonnen- und Windenergie überbrückt. Doch ineffiziente Technologien müssen sehr hoch gefördert werden. Anfangs kann man das tun, um sich besser zu fühlen. Aber sobald Leute es in großen Maßen in Anspruch nehmen, wird es zu teuer. Das haben wir in Europa gesehen. Dort fördert man Solarpaneele, aber sagt zugleich: Bitte kauft nicht zu viel davon, denn das können wir uns nicht leisten. Subventionen, die Staaten in den Bankrott führen, bevor sie etwas bewirken, sind sicher keine Lösung.

STANDARD: Also wie bringen wir den Preis von grüner Energie hinunter?

Lomborg: Indem wir auf Innovation setzen. Erneuerbare Energie ist derzeit mindestens doppelt so teuer wie fossile Brennstoffe. Sie lässt sich nicht gut speichern, und sie benötigt bessere Netze. Der Preis ist in den letzten Jahrzehnten bereits deutlich gefallen, aber das reicht nicht. Es ist wie bei Computern: Stellen Sie sich vor, wir hätten in den 50er-Jahren diese riesigen Dinger, die fast nichts konnten, subventioniert, damit sie auf jedem Schreibtisch stehen. Der Durchbruch kam erst durch neue Technologien, angetrieben durch Wettrüsten und Raumfahrt. Statt ineffiziente Energie zu subventionieren, müssen wir in die Entwicklung neuer Technologien investieren. Und das geht nur mit öffentlichen Mitteln für die Grundlagenforschung.

STANDARD: Wie viel wird benötigt?

Lomborg: Derzeit geben wir 15 Milliarden Dollar im Jahr für Forschung in alternative Energie aus, davon gehen fünf Milliarden in die Atomkraft. Klima-Ökonomen glauben, dass wir 100 Milliarden brauchen, also das Zehnfache. Wenn man es über viele Technologien streut, wird zumindest eine viel billiger als fossile Brennstoffe sein. Mit einem Euro für die Forschung lassen sich mindestens elf Euro an Klimaschaden vermeiden, durch Subventionen und den Kioto-Prozess nur zwei Cent. Wir könnten 500-mal so viel pro Euro erreichen, würden weniger zahlen und viel mehr erreichen.

STANDARD: Sie fordern seit Jahren andere Prioritäten im Umweltschutz. Welche sollten das sein?

Lomborg: Bei Rio+20 geht es um die Umwelt. Warum aber machen wir uns solche Sorgen über den Klimawandel, wann es in Entwicklungsländern zwei viel größere Probleme gibt: Luftverschmutzung in Innenräumen, vor allem durch primitive Kocher, und schmutziges Wasser. Dadurch sterben drei Millionen Menschen im Jahr, das sind 13 Prozent aller Toten in der Dritten Welt. Der Klimawandel mit allen Wetterkatastrophen tötet nur etwa 0,06 Prozent. Ich könnte daher eine Person durch den Kampf gegen Klimawandel retten und 210 Personen durch andere Maßnahmen, und dies wäre auch billiger und einfacher. Im Norden hält jeder den Klimawandel für das größte Umweltproblem. Luftverschmutzung ist alt, fad und nicht sexy. Aber wir sollten uns bei Rio+20 um jene Probleme kümmern, bei denen wir am meisten tun können, und das ist Luft und Wasser.

STANDARD: Beim Klimawandel geht es doch auch darum, eine Katastrophe der Zukunft zu vermeiden.

Lomborg: Die pessimistischen Prognosen sehen einen wirtschaftlichen Schaden von 20 Prozent am Ende des Jahrhunderts, die meisten Ökonomen erwarten nur Schäden von ein bis fünf Prozent. Auch das wäre viel. Aber wenn wir andere Umweltprobleme lösen, dann bringt das der Welt einen Wachstumsschub von 100 bis 200 Prozent. Wenn wir Menschen heute helfen, werden sie reicher, gesünder und besser ausgebildet, und dann können sie in der Zukunft mit allen Problemen besser umgehen. Erdwerwärmung ist nicht das einzige Zukunftsproblem, auch Luft und Wasser sind es. Und wenn Menschen etwas gegen den Klimawandel tun wollen, warum setzen sie dann auf Rio und das Kioto-Protokoll - also auf Strategien, die nicht funktionieren und bereits gescheitert sind? Tun wir etwas gegen den Klimawandel, aber bitte, bitte, auf klügere Weise. (Eric Frey, DER STANDARD; 16./17.6.2012)

Bjørn Lomborg (47) ist ein dänischer Politikwissenschafter und Buchautor. Im Kopenhagen-Konsensus erarbeitete er 2002 mit Wirtschaftsnobelpreisträger Prioritäten für die Entwicklungspolitik.

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Das behauptete günstigere am Atom und Kohle

beruht doch nur auf falschen Meldedaten.Das nichtvorhandene(End) Atomlager Asse(Deutschland) wird nach läppischen jahrzehnten,versprochen wurden Jahrtausende,ausgeräumt müssen,zu Kosten bis zwanzig Milliarden Euro.Und dieser gefährliche Scheiß wird dann in irgenwelchen Atomkraftwerkshallen weiterstrahlen.Unter Plastikplanen wie das Gemüse in Almaira.

Wer ein Photovoltaik-Panel herstellt, welches weniger kostet als es in seiner Lebenszeit an Strom erzeugt wird es auch verkaufen.
Da braucht man keine Förderung (die ja auch die Bürger zahlen). Die Firma die durch Forschung das beste Panel baut, wird Marktführer werden. Der Markt braucht seine Zeit, aber die Zeit, wo Sonnenenergie + Speicherung günstiger wird als Öl, wird kommen.

Der Preis ist nicht das Aussschlaggebende gegen Erneuerbare Energien

"Wenn diese in den nächsten zwei bis vier Jahrzehnten billiger wird als fossile Brennstoffe, dann haben wir gewonnen."

Das Problem ist nicht der Preis, denn der ist im Vergleich günstiger. Das Problem ist die Dezentralisierung der Energieversorgung, in das aber Energieunternehmen ungern investieren. Und Macht regiert die Welt.
Für Private sind Investitionen in erneuerbare Energien noch zu teuer oder es ist ihnen schlicht unmöglich, weil sich eine Mehrheit von Eigentümern dagegen aussprechen.

"Luftverschmutzung und Wasser".

Ja, da hat er Recht. Aber ein entscheidender Punkt, den er meint, aber leider nicht ausgesprochen hat ist STRUKTURELLE ARMUT.

Und die bekämpft man mit fairness, die bei europäischen Eliten sowie US-Eliten out ist.
Man traut sich einfach nicht Afrikas Landwirtschaft sprießen zu lassen. Man hat so sehr Angst davor, dass man sogar Geld in Form von sinnlosen Subventionen ausgiebt (Erdnüsse und Baumwolle in den USA, Tomaten und Geflügelfleisch-/Exportsubventionen in der EU etc.).

Wenn sich das endlich ändert, kann die Menschheit vielleicht endlich an einem Strang ziehen, was dieses Problem angeht.

Das sind Phrasen aus den 80ern.
Europa hat wie die USA im Landwirtschaftssektor ein enormes Handelsbilanzdefizit mit Afrika.

Der Subventionsmythos ist falsch, wie der neuere Spekulations-geschichte. Arm sind auch vor allem jene Regionen, die nicht am internationalen Handel partizipieren.

"Luftverschmutzung und Wasser".

"Die pessimistischen Prognosen sehen einen wirtschaftlichen Schaden von 20 Prozent am Ende des Jahrhunderts, die meisten Ökonomen erwarten nur Schäden von ein bis fünf Prozent."

Man täte Kristallkugeln unrecht, würde man behaupten, dass die Erwartungen von Ökonomen an guten Tagen an deren Voraussagewahrscheinlichkeiten heranreichen - wie gut am momentanen Beispiel in der EU gut zu sehen.

dem ist nichts hinzuzufügen

nicht höhere Steuern und Prügel zwischen die Beine, die dann wieder teuer gesundet werden müssen, sondern Inovation in Vermeidungstechniken und mindestens genauso effiziente Ersatzsysteme.

Der Typ ist von ernstzunehmenderen Wissenschaftlern schon 100x zerlegt worden. Er ist hald ein Liebkind der Medien und Konzerne weil ein die "Gegenposition" in einem Diskurs darstellt der auf wissenschaftlicher Basis längst beendet ist...

also ernstzunehmende wissenschafter sidn jene die die klimaapokalypse druch balasshandel bewältigen wollen und dabei millionen menschen verrecken lassen die keine sauberes und keine saubere luft haben? klar, auch in der WHO sitzen nur "ernstzunehmende wissenschafter" die unser bestes wollen.....

Der Weg zur Hölle ist mit Wachstum gepflastert.,.

Die harte Realität ist die, dass unser westlicher Lebensstandard global schlicht unmöglich ist, weil die Resourcen dafür nicht reichen und die Umwelt das auch nicht aushalten würde.

Deshalb kommen die Superreichen zum logischen Schluss, dass eine für sie gefährliche Revolution nur durch eine Bevölkerungsreduktion auf ca. 1 Milliarde vermieden werden kann. Weil die Zeit drängt ist ein dritter Weltkrieg die einzig zielführende Lösung und daran wird seit Jugoslavien, Somalia, Afghanistan, Irak, Pakistan, Libyen, Yemen, Syrien, Iran systematisch gearbeitet.

Daher sind CO2 und Klimawandel nur harmlose Ablenkungsmanöver und die Rettungsschirme müssen die Finanzprobleme auch nicht lösen sondern nur bis zum Kriegsausbruch verschieben.

das, was hier gefordert wird, hat nicht mit Wachstum

zu tun, denn Ersatz der einen Leistung durch eine äquvalente andere Leistung ist nicht Wachstum

Sie leben offenbar im 19. Jahrhundert und glauben, daß es beim Wachstum um mehr Stahlproduktion und mehr Kohleverbrauch geht. Wäre es so, hätten wir wirklich ein Ressourcenproblem. Zum Glück wächst Wohlstand heute auf andere Weise. Deshalb kann sich das Wachstum auch weiter fortsetzen.

aber es könnte sein...

dass sich die Geschichte, wie so oft, wiederholt....
... und unser "Wohlstand" lebt auf Kosten der Armen.

Einstein hatte Recht: Grenzenlos ist nur das Unversum und die menschliche D.......,.

Das ist mittlerweile ziemlich abgestanden. Sie können es überall dazuschreiben, es bleibt immer gleich irrelevant.

Diese Experten - zum kotzen!

Hackschnitzel und Pellets sind BILLIGER als Öl, Gas, Kohle!
Strom aus PV vom Dach ist südlich der Alpen BILLIGER als Netzstrom.

Immer diese "Experten" die wahrscheinlich von der Sache selbst absolut keinen Ahnung haben aber immer mediale Auftritte erreichen.

besondrs, wenn die Hackschnitzel aus Sibirien angeliefert werden

im gegensatz zum ums eck sprundelnden erdöl.

der Unterschied ist, dass das vom Erdöl niemand behauptet,

vom Schnitzel aber sehr wohl

ja Ö produziert tatsächlich Erdöl!!!

produzieren weiß ich jetzt wieder nicht, fördern schon.
aber ich glaubt die verhältnisse sind schon noch andere.
es wird wohl ein größerer holzproduktanteil der verfeuert wird aus einem 1000 km radius kommen wie das bei erdöl der fall ist

Sie rudern schon zurück ..

... das Ende der menschengemachten Klimalüge naht ...
PS: Das bedeutet nicht, dass ich für eine Eindämmung von Co2 bin, denn ich möchte saubere Luft und bin auch bereit, dafür zu zahlen.
Aber ich hasse es, angelogen zu werden.

Einerseits ist der menschgemachte Klimawandel Realitaet, andererseits wawre eine luft auch mit 5x soviel CO2 wie heute noch gesund und blitzsauber, wenn sie nicht sonstwie belsstet ist. Sie wissen nicht worum es da ueberhaupt geht.

Wenn Sie das sagen ...

... muss es wohl Realität sein.
http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de/project/l... 0jahre.htm
Das ist z.B. eine Seite der Technischen Universität Berlin - die ich an andrerer Stelle auch schon zitiert habe, die sich mit der Hockeysicktheorie beschäftigt (das ist im Grunde die Basis, auf der sich die menschengemachte Klimalüge aufbaut).
Es ist gelaufen. Glauben Sie mir. Die ersten Grünen ziehen sich aus der Diskussion schon zurück. Es verläuft ähnlich wie bei der Club of Rome Lüge, der Ozonlochlüge oder der Waldsterbenlüge. Es wird immer weniger darüber geredet und irgendwann redet niemand mehr darüber.
Nur die Institutionen sind noch da und die beschäftigen sich jetzt halt mit dem "Umweltschutz" oder "Hunger".

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