Griechischer Luxus trotzt (noch) der Krise

15. Juni 2012, 17:51
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Es gibt in Griechenland für Betuchte ein Leben abseits der Krise: Eine reiche Reeder-Familie investierte eine Milliarde Euro in ein Tourismusprojekt am Peloponnes

Wien - In einem Alter, in dem sich andere gewöhnlich zur Ruhe setzen, hat der König der Container, der griechische Reeder Vassillis Constantakopoulos, noch einmal kräftig ausgeholt. Im Mai 2010 eröffnete er in seiner Heimat, der messenischen Küste des Peloponnes, rund 50 km südwestlich der Provinzhauptstadt Kalamata, das Fünfsterne-Resort " Navarino Dunes". Es ist der erste Teil der Costa Navarino, eines besonders ehrgeizigen Tourismusprojekts. Inzwischen ist dessen Erfinder gestorben.

Zu den Hotelgästen zählen reiche Familien aus dem arabischen Raum, die mehrere Wochen bleiben und ganze Zimmerfluchten buchen, aber auch viele Griechen. Von Athen sind es mit dem Auto nur 2,45 Stunden Fahrzeit. Vor den Hotels parken deutsche Luxuslimousinen mit griechischen Kennzeichen genauso wie PS-starke Italiener. Hotelchef Michel Cottray sagt, dank Kongressen und Incentives liege die Auslastung derzeit bei 80 Prozent. Juli und August gebe es noch Zimmer.

Wie das geht, in Zeiten, in denen die griechische Wirtschaft abstürzt und immer mehr Menschen auf der Straße landen? Hotelchef Cottray erklärt es so: Zwar wisse niemand, wie es in Griechenland weitergehe, aber Grund zum Verzagen bestehe nicht. Nach den Bombenanschlägen auf Bali ist es der Branche um vieles schlechter gegangen. "Wir geben hier 1000 Familien, die großteils aus der Region stammen, in den Navarino-Hotels Arbeit, ebenso den Zulieferern", das sei in Zeiten wie diesen keine Selbstverständlichkeit. Angst vor Streiks oder Unruhen brauche hier niemand zu haben, die Angestellten seien jung und sehr engagiert. "In ganz Griechenland gibt es keinen vergleichbaren Standard", so Cottray.

Auf Eis

Trotzdem wird der Ausbau des Luxus-Resorts nun aber auf Eis gelegt. Mit der Realisierung der geplanten zweiten Ausbaustufe Navarino Bay warten die Investoren noch ab. Aber Achilles Constantakopoulos, Reeder-Sohn und Leiter des Projekts Costa Navarino, will 2013 mit dem Bau von 150 Villen beginnen. Sie sollen verkauft werden - in Euro, denn auch er glaubt fest daran, dass es keine Rückkehr zur Drachme geben wird. "Die Situation ist nicht so, wie die Medien sie sehen, die Probleme werden sehr bald schon gelöst", hofft Constantakopoulos im Gespräch mit dem Standard.

Costa Navarino ist 1000 Hektar groß. Die Familie Constantakopoulos, die zu den reichsten in ganz Griechenland gehört, investierte bisher mehr als eine Milliarde Euro. Navarino Dunes liegt auf einer Fläche von 130 Hektar direkt am Mittelmeer. Das dorfähnliche Gelände hat 766 Zimmer und Suiten, einen Marktplatz mit Geschäften, Open-Air-Kino und zwei Golfplätze. Die beiden Fünfsterne-Hotels Westin und Romanos (Luxury Collection) gehören zur US-Kette Starwood - wer in der Präsidentenvilla residieren will, muss bis zu 20.000 Euro zahlen.

Bilderbuch-Karriere

Vater Constantakopoulos hatte einst eine Tellerwäscher-Karriere hingelegt: Im Alter von 13 Jahren verließ er mit der Familie das vom einsetzenden Bürgerkrieg zerstörte Bergdorf. Er jobbte, um sich die Schule zu finanzieren, begann als Matrose und arbeitete sich bis zum Kapitän hinauf.

Wieder an Land, gründete er 1974 seine eigene Firma Costamare, die heute zu den weltweit größten Schiff-Containerfirmen gehört und deren Aktien an der New Yorker Börse notieren. 1985 hatte der Tycoon, der anders als Onassis oder Niarchos keine Jet-Set-Schlagzeilen produzierte, schließlich die Mittel, um binnen 20 Jahren 1300 Eigentümern Grund auf Costa Navarino abzukaufen.

Die Familie hält heute Anteile an der griechischen Aegean-Airline, die Mitglied der Star Alliance ist. Engagiert sind die drei Constantakopoulos-Söhne auch in anderen strategisch wichtigen griechischen Gesellschaften, etwa beim börsenotierten Auto-Vermieter Auto-Hellas SA. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 16./17.6.2012)

  • Die Lobby des Hotels Romanos: Griechenland von einer ganz anderen Seite.
    foto: starwood

    Die Lobby des Hotels Romanos: Griechenland von einer ganz anderen Seite.

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