Architekt Günther Domenig gestorben

15. Juni 2012, 16:46

Der Vertreter des Dekonstruktivismus galt als einer der wichtigsten heimischen Architekten von internationalem Ruf

Graz   - Der österreichische Architekt Günther Domenig ist in seiner Wohnung in der Steiermark im Alter von 77 Jahren gestorben, bestätigte seine Familie.  Domenig galt als einer der wichtigsten heimischen Architekten von internationalem Ruf. Als sein "Opus Magnum" gilt das "Steinhaus" in Steindorf am Ossiacher See. Dieses Vermächtnis des gebürtigen Kärntners war durch seine ausufernden Dimensionen direkt am Seeufer zugleich Blickfang und Auslöser heftiger Diskussionen.

Zu den wichtigen Arbeiten Domenigs, der den architektonischen Dekonstruktivismus seit den 1960er Jahren mitprägte und gelegentlich auch als Bühnenausstatter (etwa "Elektra" 1995 in Graz) arbeitete, zählen außerdem die Pädagogische Akademie Graz (1963-1969), das Kirchenzentrum Oberwart (1965-1969), das Forschungs- und Rechenzentrum Leoben (1970-1973), das Restaurant Nord für die Olympischen Spiele in München (1970-1972), die Zentralsparkassenfiliale in der Favoritenstraße in Wien (1975-1979) sowie die Erweiterung der TU Graz (1984). An dieser Universität war Domenig auch als Professor tätig.

Als "streitbaren Künstler" und als "Visionär des 'Unalltäglichen'" würdigte Kulturministerin Claudia Schmied Domenig. Er "verstand Architektur in einem umfassenden Sinn, für ihn war jedes seiner geplanten Gebäude stets mehr als nur Verbauung einer Fläche. In seinem Verständnis musste Architektur zu einem intellektuellen Erlebnis werden", so Schmied in einer Aussendung. "Er plante und baute Spannungen, er dachte seiner Zeit voraus und provozierte damit oft den für die Kunst notwendigen Diskurs."

Mit TU Graz langjährig verbunden

Geboren wurde Domenig am 6. Juli 1934 in Klagenfurt und wuchs im Mölltal und der Landeshauptstadt auf. Nach der Matura 1952 wechselte er in die Steiermark und begann mit dem Architekturstudium an der Technischen Universität Graz, das er 1959 abschloss. Von 1963 bis 1973 arbeitete er mit Eilfried Huth zusammen, gemeinsam gewannen sie den Wettbewerb für die Grazer PÄDAK. International Furore machte Domenig mit seinen Entwürfen für die Olympischen Spiele 1972 in München. Ab 1973 arbeitete er selbstständig und betrieb Architekturbüros in Klagenfurt, Graz und Wien. Überdies wurde er 1980 als Professor ans Institut für Gebäudelehre, Wohnbau und Entwerfen der TU Graz berufen.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde er spätestens als Planer des Zentralsparkassengebäudes in der Wiener Favoritenstraße  bekannt. Seine mit fließender Wellenfassade versehenes Bankkundenzentrum befindet sich heute im Besitz des Echo-Verlags. Auch mit der Gestaltung der Kärntner Landesausstellung "Grubenhunt & Ofensau" 1995 in Hüttenberg oder der neuen Verwaltungs- und Werkstättentrakt des Stadttheaters Klagenfurt (1995-1998) stieß er auf breite Resonanz.

In Wien bereicherte er 2004 mit seinem vielfach preisgekrönten T-Center in Erdberg spektakulär die Büroskyline. Auch das Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg trägt seine Handschrift. Durch einen eigenwillig positionierten, begehbaren Glaskeil entzauberte er die gigantomanische NS-Architektur.

Gegen sein Steinhaus  gab es anfangs massive Proteste der Anrainer  - nicht zuletzt aufgrund der Größe des Projekts. Mit 5.000 Kubikmetern umbautem Raum wurde, auf 80 Pfeilern stehend, eine Nutzfläche von etwa 1.000 Quadratmetern geschaffen. Das Baukunstwerk diente Domenig als Atelier und Ausbildungszentrum sowie als Ort für Jazzkonzerte. Hierfür traten selbst Größen wie Wolfgang Muthspiel am Ossiacher See auf. Sein Steinhaus war für ihn "eine große Wichtigkeit der Isoliertheit, der Einsamkeit und der Unabhängigkeit".

Zugleich gab der hochdekorierte Architekt sein Wissen stets an die Jugend weiter. Domenig war viel gefragter Gastprofessor und Wettbewerbsjuror. Auch vertrat er Österreich über Jahre bei internationalen Ausstellungen wie etwa der Biennale in Venedig. Damit wurde er nicht nur national geehrt - Domenig war etwa seit 2004 Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst und erhielt 2006 den Staatspreis für Architektur -, sondern konnte auch international reüssieren. So wurde ihm etwa 1969 der Grand Prix International d'Urbanisme et d'Architecture Cannes oder 1975 der Prix Europeen de la Construction Metallique zugedacht. (APA, 15.6.2012)

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  • Günther Domenig 2004 im Rahmen einer Architekturdebatte des STANDARD.
    foto: standard / corn heribert

    Günther Domenig 2004 im Rahmen einer Architekturdebatte des STANDARD.

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    Die (ehemalige) Z-Filiale in der Favoritenstraße in Wien.

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    Das "Steinhaus" in Steindorf am Ossiacher See.

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