Attacke auf Bettler in Salzburg "war nahe am Pogrom"

Thomas Neuhold
15. Juni 2012, 18:01
  • Betteln ist in den meisten Bundesländern verboten. Derzeit befasst sich der Verfassungsgerichtshof mit diesen Verboten. Als Mittel gegen die Bettelmigration haben die Verbote wenig gebracht.
    foto: matthias cremer

    Betteln ist in den meisten Bundesländern verboten. Derzeit befasst sich der Verfassungsgerichtshof mit diesen Verboten. Als Mittel gegen die Bettelmigration haben die Verbote wenig gebracht.

Nach tätlichen Angriffen auf eine Gruppe Roma debattiert Salzburg über den Umgang mit Bettlern

Salzburg - Für ÖVP-Sicherheitssprecher Florian Kreibich stellt sich die Sache ganz einfach dar: Auch nach dem Angriff türkischer Jugendlicher auf eine Gruppe Roma, die im Salzburger Stadtteil Lehen in einem Abbruchhaus hauste, müsse das Bettelverbot rigoros exekutiert werden. Eine Aufhebung des Verbotes wäre eine "Einladung an internationale Bettelbanden, noch mehr Menschen nach Salzburg zu verfrachten", sagt der Landtagsmandatar.

Aussagen wie diese findet der Schriftsteller und Publizist Karl-Markus Gauß hingegen höchst empörend. Mit Formulierungen wie "Bettlerbanden" oder "Romabanden" werde von Politikern wie auch von Medien das Feld für Gewaltausbrüche aufbereitet, warnt er. Für Gauß war Salzburg am Wochenende "nahe am Pogrom".

Als Publizist hat sich Gauß jahrelang mit der südosteuropäischen Roma-Kultur beschäftigt. Von kriminellen Bettlerbanden könne keine Rede sein, sagt er. Die Menschen seien in clanartigen Familienstrukturen organisiert, von Kriminalität keine Spur.

Forderung nach mobilem Betreuungsangebot

Dass beispielsweise Bettlern regelmäßig von anderen der Bettel abgenommen werde, liege daran, dass diese verhindern wollten, dass die Polizei den Bettelertrag eines ganzen Tages am Nachmittag einkassiere, versucht Gauß mit dem Vorurteil der "reichen Hintermänner" aufzuräumen.

Gauß trat am Freitag gemeinsam mit Menschenrechtsaktivisten vor die Medien. Josef Mautner, Vorsitzender des von der Stadt Salzburg eingerichteten "Runden Tisches Menschenrechte", plädiert für mehr konkrete Hilfe. Nach Grazer Vorbild sollte für Bettelmigranten eine Notbehausung mit Sanitäreinrichtungen geschaffen werden. Auch die Integrationsbeauftragte der Stadt Salzburg, Daiva Döring, und die Bürgerliste fordern Notunterkünfte, einen würdigen Campierplatz und mobile Betreuungsangebote.

Laut Stadtpolizeikommandant Manfred Lindenthaler hat die Polizei bisher sechs der bei dem Überfall auf die Gruppe Roma beteiligten Schläger ausfindig machen können.

Insgesamt dürften an die 20 junge Männer mit Eisenstangen auf die Roma losgegangen sein. Im Standard-Gespräch kündigte Lindenthaler weitere Ermittlungen an, die Arbeit der Exekutive sei aber schwierig. Alle von dem Mob angegriffenen Roma hätten die Stadt längst verlassen, Zeugen gebe es keine.

"Stadtteilarbeit"

Auch für Menschenrechtsaktivist Mautner ist die strafrechtliche Sanktionierung nur ein Aspekt der Aufarbeitung der Vorfälle vom Wochenende. Mautner setzt auf die Sozialvereine in den Stadtteilen. Diese sollten bereits präventiv zur Deeskalation beitragen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 16./17.6.2012)
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Danke, für Ihre Initiative, Herr Gauß!

Bin mit "Ihnen" dieser Tage ins unentdeckte Österreich gereist.

Herr Gauß!

Sie sind ein Dolm!

Wir müssen die Armenier-Vergangenheitsbewältigung in den Geschichtsunterricht aufnehmen um das Bewußtsein der Neubürger zu schärfen.

Alleine schon die Tatsache, dass diese MAFIÖSE Bettelz***euner-BANDEN Säuglinge zu Ihren Bettelzügen mitnehmen, ist kriminell!

... statt in die Gratis-Kindergärten der Stadt Salzburg, für welchen man ja nur einen Hauptwohnsitz in Salzburg braucht.

was sagt eigentlich frau brickner dazu? die gute dame müsste ja eigentlich in tränen ausbrechen oder zumindest ein schwarzes loch in ihrem weltbild erzeugen.

Die "Täter" sind hier in Wahrheit die Opfer, weil sie von den bösen Österreichern seit ihrer Geburt massivst diskriminiert werden, mussten sie ihre Wut an Schwächeren auslassen. Außerdem ist die Polizei schuld, weil sie die Roma nicht beschützt hat.

Ein angeblicher Schriftsteller, der das Wort Pogrom missbraucht, um seine verdrehte Weltanschauung durchzuboxen.
Aber egal, in Kreisen der Gutmen***en wird Kritik an Israels Besatzungspolitik ja auch gleich zum Antisemitismus...

Man fordert also Unterbringung für Betteltouristen? Man entschuldigt Kriminelle, die andere ausnützen und nein, die Leute die das Geld einkassieren wollen den Bettlern genau bei nichts behilflich sein, das sind organisierte, mafiöse Kriminelle.
Es wäre in der Tat klüger, wenn die angeblichen Bettler das Geld verwenden würden um eine Woche davon zu leben, anstatt damit durch halb Europa zu reisen, um zu betteln.

Im TV, ein Bettler der immer in Wien ist, hatte einen Auftritt in Graz...

Da hätte ich gern mehr Informationen zu dem Bettler der zwischen Wien und Graz pendelt.

nahe am pogrom" für einen salonintellektuellen vielleicht.

diese wortwahl sollte man sich vielleicht doch überlegen, oder ? mit dem selben recht, könnte man ja auch die behandlung der palästinenser durch die israelis als genozid bezeichnen, was mir persönlich nie in den sinn käme. grobe ungerechtigkeiten sind kein völkermord und brutale überfälle einer verhaltensauffälligen randgruppe auf noch schwächere sind kein pogrom, lieber herr gauß, lassen sie sich das gesagt sein.

noch eine sache: man sollte daran denken, dass jeder irgendwann in seinem leben gezwungen ist, um etwas zu betteln: anerkennung, eine gehaltserhöhung, sozialleistungen, als kind um einen kaugummi an der supermarktkasse. wie kann es sein, dass es in ordnung ist, dass einem in salzburg am alten markt von den vier pfoten bis hin zu greenpeace die spendenkeiler nachlaufen und trotz eines "nein" einem weiter auf den keks gehen und das kein problem ist, während man sich gleichzeitig echauffiert, wenn ein bettler mehr als einmal um ein paar cent bittet. mich nerven auch die telefonkeiler hundertmal mehr, als ein bettler vorm café wernbacher in salzburg. nur als denkanstoß...

Ja dann würde ich hier in Wien betteln.

Ich würde keine Tour durch Europa machen und in verschiedenen Ländern betteln, damit ich mehr verdiene...

Realität ist oft ein ungeliebter Zustand, sie ist so schonungslos...

ZB, weil es nicht um EINEN Stand einer NGO-Keiler-Gruppe geht,...

...sondern um hunderte vor jedem Supermarkt, an jeder Ecke und überall, wo Menschen vorbei kommen müssen.
Die aggressive Methode ist bei den NGO-Keilern genauso unangenehm, wenn sie einem auch nicht einfach ins Geldbörsl greifen, sobald man es vor ihnen aufmacht.

p.s.: in wien in der mariahilfer-straße im sommer schon mal unterwegs gewesen? da wird man alle zehn meter von einem keiler angequatscht. versteh mich nicht falsch: es braucht ngo's für eine funktionierende zivilgesellschaft. aber was ich nicht versteh: für nachbar in not wurden millionen gespendet. ist auch gut so. aber es entsteht schon das bild, als ob man nur dann für projekte spendet, wenn diese sich um menschen kümmern, die weit weg von österreich probleme haben. kommen diese menschen hierher, dann entsteht der große aufruhr.

Weil in dem einen Fall geholfen wird,...

...im anderen Fall der Mercedes vom Capo finanziert wird.

Angesichts der Millionen, die in ganz Europa permanent erbettelt werden (vom Rest will ich garnicht reden), müsste es zumindest irgendeinen Fortschritt geben.
Jeder, der die slowakischen Dörfer kennt, weiß aber, dass das Gegenteil der Fall ist.
Wer gesehen hat, was mit der vom Staat gebauten Ortsinfrastruktur in kurzer Zeit passiert ist, der spendet keinen Cent mehr. (Leider sehen das diejenigen nie, die sich hier so sozial aufspielen.)

spenden oder geben?

ich spende prinzipielle nie!
Aber ich gebe gerne mit beiden Händen, wenn nötig...

mir hat noch nie ein Bettler ins Geldbörsel gegriffen.
Nerven tut mich aggressives Betteln genauso wie echt lästiges NGO-Keilen.
Verbieten sollte man weder das eine noch das Andere.

alles "aggressive" ist eigentlich schon lang verboten:
nötigung, (gefährliche) drohung, räuberische erpressung, ...

damit sind aber recht hohe mindeststrafen verbunden. das verbot des aggressives bettels dient dazu, dass die polizei direkt einschreiten kann, ohne dass das für den täter zu schweren geld- und haftstrafen führt.

das vielleicht nicht. aber einen dauerauftrag mit einer bindenden mitgliedschaft unterschreiben darf man bei den keilern schon. ist für mich genauso fragwürdig.

So furchtbar bindend sind solche "Haustürgeschäfte" nicht. Zum Glück.

Ja, klar sind die mühsam, das stimmt schon. Aber manche sind auch recht lustig und beleben das Stadtbild (meine ich ernst,-).

aber aufgrund der tatsache, dass viele roma nach wie vor in teilen europas zur untersten sozialen schicht gehören, von der mehrheitsgesellschaft - wie man auch in diesem forum sieht - marginalisiert und abgelehnt werden, engt deren lebensgestalterischen möglichkeiten gehörig ein. ziel sollte nicht sein, diese stigmatisierungstradition fortzuführen, sondern sie zu durchbrechen. das ist natürlich keine sache von heute auf morgen, sondern kann jahre oder jahrzehnte dauern. um aber überhaupt so weit zu kommen, muss an der basis der gesellschaft mit dem abbau von vorurteilen begonnen werden - und diesbezüglich laufen wir gerade in die vollkommen falsche richtung. eins noch: es bleibt jedem selbst überlassen, ob er etwas geben will oder nicht

Genau!

Deshalb sollten sie aufhören, zu betteln und ihre Umgebung so gestalten, wie es Menschen auf der ganzen Welt machen, anstatt sie binnen Kurzem in eine Müllhalde verwandeln.

Warum zB gibt es in den Roma-Siedlungen in der Slowakei und in Rumänien keine Nahversorger, keine Bauunternehmen, keine Elektriker usw usw usw?
Dort leben tausende Menschen, von denen jeder mindestens die Sozialhilfe bekommt.
In den benachbarten Dörfern gibt es das nämlich alles TROTZ der dortigen Armut und OHNE den allgegenwärtigen Müll.

geh bitte geh ins cafe

mir schleierhaft warum soviele grüne stricherln.

vielleicht weils wahr ist?

ein seltsames konzept, einfach mit tatsachen daherzukommen, ich weiss...

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