"DC Tower 1": Zähes Ringen um Mieter

Martin Putschögl, 16. Juni 2012, 17:00
  • Dieses Bild vom 15. Juni zeigt die aktuelle Höhe des "DC Tower 1".
    vergrößern 645x467
    foto: putschögl

    Dieses Bild vom 15. Juni zeigt die aktuelle Höhe des "DC Tower 1".

Seit zwei Jahren wird am künftig höchsten Gebäude des Landes gebaut. Die Vermietung läuft bisher alles andere als gut

Diesen Sonntag ist es zwei Jahre her, dass mit dem Bau des "DC Tower 1" auf der Wiener Donauplatte begonnen wurde. Zunächst wurde 40 Meter in die Tiefe gearbeitet, mittlerweile sind die baulichen Fortschritte für regelmäßig vorbeikommende Beobachter unübersehbar: Vor kurzem hat das Bauwerk die Höhenmarke von 150 Metern überschritten.

Höchstes Gebäude ab September

Läuft alles nach Plan, wird der Turm ab Anfang September den "Millennium Tower" ohne Antennenaufbauten, also nach der reinen Gebäudehöhe von 171 Metern, überragen. Die Gesamthöhe des Millennium Tower von 202 Metern sollte eineinhalb Monate später erreicht werden - dann ist der "DC Tower" also das höchste Gebäude Österreichs (das höchste Bauwerk bleibt mit 252 Metern der Donauturm, Anm.).

Etwas anders sind die Erfolge bei der Vermietung der 93.600 Quadratmeter Bruttogeschoßflächen, davon 66.000 Quadratmeter an vermietbarer Fläche, gelagert. Nach Auskunft des Projektbetreibers WED (Wiener Entwicklungsgesellschaft für den Donauraum) sind aktuell erst "knapp über 50 Prozent" vermietet. Zuletzt wurde im vergangenen September mit der Firma Baxter ein neuer Großmieter bekanntgegeben, seither hat sich wenig getan.

Schwierige Vermietung war für Experten "zu erwarten"

Für professionelle Beobachter wie den Wiener Städtebau- und Raumplanungs-Experten Reinhard Seiß ist das freilich keine Überraschung. "Dass die Vermietung ein Problem werden dürfte, war angesichts der Büroleerstandsrate in Wien zu erwarten." Seiner Einschätzung nach ist der Turm "wohl aus der Notwendigkeit heraus errichtet worden, einen existierenden Vertrag mit einem Hotelbetreiber zeitgerecht zu erfüllen". Dieser Vertrag zwischen der WED und der spanischen Kette Sol Meliá umfasste 255 Zimmer auf 15 Stockwerken bzw. 18.300 Quadratmetern. Sol Meliá wird im "DC Tower 1" mit der Marke "ME" vertreten sein.

Dass nun wegen 15 vertraglich vereinbarter Geschoße weitere 45 Geschoße gebaut werden "müssten", sei eben einer von mehreren Gründen, die gegen einen solchen großmaßstäblichen Städtebau sprächen, so Seiß. Wobei "Städtebau" eine ganzheitliche und zumindest mittelfristige Planung voraussetzen würde, die auf der Donauplatte fehle: "Der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan aus dem Jahr 1995 sah dort Gebäudehöhen von maximal 120 Metern vor. Mit der später genehmigten Höhe von 220 Metern wurden dann aber die Wünsche der Betreiber erfüllt."

"Alles andere als ein Erfolg"

Weil der Wiener Büromarkt seit Jahren am Boden ist - es wird aktuell nicht mehr vermietet, als neue Flächen auf den Markt kommen, was die Leerstandsrate heuer auf 6,3 Prozent neuerlich ansteigen lassen dürfte -, haben die Entwickler gehörig zu kämpfen, den Turm bis zum geplanten Bezug im September 2013 voll zu kriegen. Von "Schlange stehenden Mietern" wird in der Branche bereits sarkastisch gewitzelt, unter anderem bei der kürzlich erfolgten Verleihung der Immobilienmarken-Awards. Dort wurde "Vienna DC" zwar zur Marke des Jahres in der Kategorie "Standorte" gewählt - von der Geschäftsführung ließ sich bei der Verleihung aber trotz geografischer Nähe niemand blicken.

Richtig dramatisch sehen die Vermietungssituation freilich nicht alle Beobachter, wenn auch möglicherweise aus reinem Zweckoptimismus. Wolfgang Scheibenpflug, Gewerbeimmobilien-Experte bei EHL Immobilien, nennt den aktuell 50-prozentigen Vermietungsgrad einen "herzeigbaren Wert". Diese Wortwahl unterstützt auch ein bekannter Wiener Makler, der nicht genannt werden will - allerdings nur hinsichtlich des derzeitigen Marktzustands. Tatsächlich sei ein solcher Vermietungsgrad beim derzeitigen Baufortschritt "alles andere als ein Erfolg. Die Entwickler können damit sicher nicht zufrieden sein."

Zweiter Turm fraglich

Ein wenig Zeit bleibt ja noch. Bis Ende des Jahres soll zunächst der Rohbau des "DC Tower 1" fertig sein. Für die Firma Baxter, die auf sieben Stockwerken insgesamt 8.500 Quadratmeter beziehen wird, soll eine "frühzeitige Inbetriebnahme" per März 2013 gewährleistet werden, heißt es von der WED. "Je nach Verwertungsstand" soll der ganze Tower dann "rund um Herbst 2013" fertiggestellt sein.

Dass es auch zum Bau des mit 168 Metern wesentlich kleineren zweiten Turms kommen wird, halten Beobachter zumindest derzeit für unwahrscheinlich. Vonseiten der Entwickler heißt es dazu vage, das Projekt "DC Tower 2" - ursprünglich wichtiger Bestandteil des Masterplans des französischen Stararchitekten Dominique Perrault - werde "von der wirtschaftlichen Situation und der Nachfrage" abhängen.

Für Stadtplaner Seiß ist es aber gar nicht so unwahrscheinlich, dass der kleinere Turm trotz der schleppenden Vermietung des "DC Tower 1" noch gebaut wird. "Zum einen kann sich der Immobilienmarkt alle paar Jahre ändern, und zum anderen sind die Entscheidungen der Immobilienwirtschaft nicht immer rational nachvollziehbar." Er nennt im Gespräch mit derStandard.at das "Marximum" in der Modecenterstraße im 11. Bezirk ("Erdberger Mais") als Beispiel für ein neues Büroobjekt, in dem "tausende Quadratmeter leerstehen". Auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum "DC Tower 1", im "Saturn Tower" auf der Donauplatte, stünden seit Jahren "gehörige Flächen" leer, so der Experte. (Martin Putschögl, derStandard.at, 16.6.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 127
1 2 3 4
Immobilienblase...

wer will auch in eine Baustelle ziehen.

außerdem: das sind Gebäude, bei denen ohne Klimanalage der Hitzekollaps in solchen Wohnungen droht. Stichwort: Glashaus.

unwissen

Hello, dein Unwissen in Ehre, aber dieser Tower soll ein Green Energy Haus werden, auch wenn die Aussenfront Glass ist, kann damit geheizt und gekühlt werden, weiters wird mit Solaranlagen Energie gewonnen , www.dctowers.at, auch bei älteren Glashäusern geht das , z.b das Bürogebäude der IBM, das aufgestockt und mit einer 2. Glashaut versehen wurde, wodurch zwischen den eigentlichen Wänden und dem Glas ein Kamineffekt entsteht und das Haus kühlt.

greenwashing

Ka Wunder

"Seit zwei Jahren wird am künftig höchsten Gebäude des Landes gebaut. Die Vermietung läuft bisher alles andere als gut"
- na wer will in ein Gebäude ziehen, an dem noch gebaut wird! Der ganze Lärm und Dreck, da kann man schlecht bis gar nicht arbeiten - Schlaumeier! ;-)

Der Experte: Ein grüner Parteigänger

Parteiblatt

und?

ändert schließlich nichts daran, dass Seiß einer der wenigen ist, die die Idiotie im Wiener Städtebau kritisieren.

Die per Demokratie gewählte Stadtregierung regiert nicht. Sie reagiert auf die Wünsche der Wirtschaftsdiktate.

"Der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan aus dem Jahr 1995 sah dort Gebäudehöhen von maximal 120 Metern vor. Mit der später genehmigten Höhe von 220 Metern wurden dann aber die Wünsche der Betreiber erfüllt."

leer stehende büros sind wohl zu billig

(oder ein guter abschreibposten?)

wenn eh die kohle fürs bauen da ist: wo sind dann die fehlenden (leistbaren) wohnungen!?

Wer sich dafür interessiert, ich habe die Bauarbeiten vom Anfang an ein wenig dokumentiert, Fotos auf:
http://www.flickr.com/photos/da... 913542335/

die winterfotos sind bei diesen temperaturen witzig anzuschau'n.

leerstände...

bestes Beispiel dazu gleich 1000m flussaufwärts, rivergate, trotz optimaler öffentlicher Anbindung will niemand dieses Bürohaus. grad im eg haben sich die üblichen verdächtigen mit ihren Geschäften breit gemacht, das wird aber das Gebäude längerfristig auch nicht in Schwung bringen, denn dazu gehören zumindest 75% Vermietung.

vielleicht

sollte sich die stadt finanziell geshen mal was einfallen lassen um mehr firmen nach österreich zu holen anstatt sie mit immer mehr steuern zu vertreiben

die grossen firmen kriegen eh einen sonderdeal bei den sv-beiträgen und der steuer. die kleinen werden weiterhin sekkiert, weil sie sowieso nicht weg können

Ein Leerstand von 6,3% ist aussergewöhnlich niedrig.

In Frankfurt beträgt der Leerstand z.B.: 15,8%. Wien leidet aber an zu hohen Steuern und einer extremen Überbürokratisierung, was wiederun die hohen Steuern erfordert und Firmen von Wien fernhält. Die Stadt verliert derzeit wirtschaftlich so stark an Boden, dass eine etwas höhere Leerstandsrate wohl das geringere Problem wird, das auf uns zukommt. Man kann nur hoffen, dass die Wirtschaftssituation irgendwann unsrer regelverliebten Politiker dazu zwingt die Bürokratie einzudämmen und die Steuern wenigstens auf EU-Mittelmass zu senken. Als kleines extra würde auch die Chance auf dem zweiten Turm und ein paar weitere Türme, die erforderlich wären und die DC-Skyline abzurunden, steigen.

Genau! Statt unnötige Bürokratie scharfe Kontrolle der Einhaltung der bestehenden Gesetze. Dazu die Lohnsteuer runter, dafür die Vermögenssteuer rauf auf britisches Niveau (~mal 6), oder wenigstens US-amerikanisches (~mal 5). Und schon dreht sich der Rubel wieder.

Leider sind auch bestehende Gesetzte oft nur unnötige Bürokratie.

Erst vor wenigen Tagen wurde z.B. Eine Lärmgrenze für Straßenkünstler beschlossen. Sowas ist nicht nur kaum administrierbar und teuer, sonder bringt Wien nur immer mehr als Bürokratiestadt in Verruf. Wenn man heute irgendwo in Westeuropa "Bürokratiestadt" sagt, denken die Zuhörer an keine andere Stadt so oft, wie an Wien. Ich kenne auch nur Bürokratiewitze über Wien. Es giebt hier leider kein Gespür dafür, wo die Grenze zwischen notwendigen Regeln des Zusammenlebens und dem Ausleben eines pathologischen Bürokratiewahns liegt. Das betrifft nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch viele Bewohner.

Obwohl Sie mich offenbar missverstanden haben (ich bin nicht für mehr Bürokratie, sondern dafür, bestehende Gesetze durchzusetzen. Durchsetzen heißt, dass, bis auf ein paar ewig Kriminelle, sich ALLE IMMER daran halten, an Höchstgeschwindigkeiten, Bauordnungen, kein Versicherungsbetrug, Steuergesetzgebung, ...), möchte ich nur kurz anmerken, dass jedes Land Europas, in dem ich bis jetzt war, glaubt, die Hochburg der Bürokratie zu sein: Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich, Belgien, naja, vielleicht Luxenburg, Niederlande Schweden und Dänemark weniger, Deutschland (Bayern!), GB, Polen, Tchechien, Slowakei, Ungarn. Und die anderen kenne ich halt nicht. Und - viele davon haben recht!!

ähnliche Zustände entlang der wienzeile - mehrere 1000m2 Nfl Leerstehungen, trotzdem wird wie verrückt gebaut. mit einem alternativem nutzungsmix neben büros - hotel, supermarkt.

dabei wäre das vermietungsproblem mit einem einzigen federstricht nachhaltig zu lösen:

"Es wird vereinbart, dass das MRG zur Gänze auf das Mietobjekt anwendbar ist."

Dieser Satz alleine würde bereits jede Vermietbarkeit um 25%-50% steigern.

Allein man tut es eben nicht u lässt Abertausende m2 lieber jahrzehntelang leerstehen. Aus reiner Gier.

Interessant wären doch bitte auch die m2/Mietpreise in einem solchen Tower. Das ist ja der Sukkus des Ganzen.

Schätzungsweise ab 15 bis ca. 18€ inklusivmiete.

und wieso sollte sollte ein vermieter darauf einsteigen? das mrg ist viel zu starr. zwischen kaufleuten oder überhaupt zwischen mündigen bürgern muss es möglich sein dinge frei zu vereinbaren. bei wohnungen ist der schutz des mrg in teilbereichen ja noch einzusehen, aber im büro und gewerbebereich ist er mehr hindernis als sonstwas.

ausdrücklich sieht der gesetzgeber - und das schon seit dem erstentwurf des MG in den 1920er jahren - geschäftsräumlichkeiten als vom MRG umfasst vor.

eine erfolgreiche tradition, die keineswegs zu starr ist.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 127
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.