Expatriates: Gekommen, um wieder zu gehen?

Kein Unternehmen, das die Leistungen und den Mehrwert, den sogenannte "Expatriates" bringen, nicht unterstreicht. Kümmern tun sich nur wenige darum

Es kann nur von einer marginalen Verbesserung im Management von Auslandsentsendungen gesprochen werden. Schon seit vielen Jahren wird einerseits - von Unternehmensseite - darüber gesprochen, wie wertvoll Leistungen und Know-how von sogenannten Expatriates sind, während andererseits - seitens der Entsandten - häufig gegenteilige Auffassungen darüber geäußert werden. Kurzum: Das Thema Auslandsentsendung ist in vielen Unternehmen nach wie vor eine "Baustelle".

Zumindest stimmt die Schätzung des Expat Center Vienna hoffnungsfroh, dass es durch eine Größe von allein 20.000 Expatriates in Wien doch noch noch eine systematische Verbesserung im Entsendungsmanagement geben könnte. An welchen Punkten dies notwendig ist, zeigt die aktuelle Umfrage des internationalen Anbieters für interkulturelle Trainings, Berlitz (Berlitz Global Expatriates Observatory).

Gemeinsam mit Partnern (BVA, EuRA, Magellan Network und der Insead Business School) hat Berlitz International im Zeitraum von April 2010 und März 2011 404 Expatriates und 125 Angehörige zu ihren Erfahrungen befragt. Eine Langzeitstudie, die fortgesetzt werden soll.

Dabei fiel auf, dass die befragten Expatriates durchwegs jung und sehr gut ausgebildet sind: 26 Prozent sind jünger als 30 Jahre, nur 14 Prozent älter als 45. 31 Prozent sind Frauen, die Mehrheit von ihnen ist unter 30 Jahren alt, so die Studienautoren. 99 Prozent verfügen über eine Matura, 72 Prozent haben einen Universitätsabschluss, und 39 Prozent konnten während ihres Studiums bereits Auslandserfahrungen sammeln. Generell lasse sich unter Expatriates ein stärkerer multikultureller Hintergrund erkennen: Viele haben Familie oder Lebenspartner, die im Ausland gelebt haben oder leben, bzw. haben selbst multikulturellen Hintergrund.

Rückkehr-Schock

Eine Auslandsentsendung, darin ist sich das Gros der Expatriates einig, hat großen Mehrwert. Weniger in karrieretechnischen Belangen wie Gehaltserhöhung oder mehr Verantwortung in der jeweiligen Rückkehr-Position, dafür aber umso mehr in Sachen Weltoffenheit, Selbstreflexion und Toleranz.

Den Schlüssel zu einem persönlichen wie beruflich erfolgreichen Auslandsaufenthalt sehen die Befragten in zwei Punkten: dem Verständnis für die Landeskultur (83 Prozent) sowie dem Erlernen oder Perfektionieren der Landessprache (66 Prozent). Die Anpassung an eine neue Kultur wird von den meisten Expatriates als größte Herausforderung gesehen. Zudem verändere sich im Ausland der Arbeitsstil, 65 Prozent sagen, ihr Führungsstil habe sich verändert.

Noch mehr als die Herausforderungen vor bzw. während einer Entsendung wird die Wiederintegration, also die Rückkehr häufig unterschätzt. Nur bei 35 Prozent war diese geplant, 30 Prozent wären lieber im Ausland verblieben, 35 Prozent hätten einen anderen Auslandsposten vorgezogen. Wohl auch ein Grund dafür, dass viele nach der Rückkehr den Arbeitgeber (47 Prozent) wechseln. Nur 19 Prozent der Rückkehrer wurden aktiv vom Arbeitgeber unterstützt. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 16./17.6.2012)

Share if you care