Ultrabooks: Mit Windows 8 und "Touch" gegen Apple und ARM

  • Praktisch alle großen Hersteller wollen mit neuen Ultrabooks reüssieren - bis Ende des Jahres sind laut Intel nicht weniger als 110 neue Modelle geplant.
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    foto: intel germany

    Praktisch alle großen Hersteller wollen mit neuen Ultrabooks reüssieren - bis Ende des Jahres sind laut Intel nicht weniger als 110 neue Modelle geplant.

Hardwarehersteller setzen große Hoffnungen in schlanke Produktkategorie - Intel möchte ARM im Zaum halten

Prozessorhersteller Intel setzt für neue Chips mittlerweile auf einen gestaffelten Marktstart: Während der offizielle Startschuss für die aktuellen Ivy-Bridge-Generation bereits im April gegeben wurde, folgten erst vor kurzem vier weitere Modelle, für die man in Hinblick auf den Massenmarkt besondere Hoffnungen hegt. Sind sie doch für den Einsatz in den besonders kompakten Ultrabooks gedacht. Um diesen Launch gebührend zu feiern, hat Intel am Donnerstag die deutschsprachige Presse nach München geladen - und auch gleich zahlreiche Hardwarehersteller dazugebeten, um zu zeigen, wie sich Ivy Bridge in fertigen Produkten schlägt.

Ivy Bridge

Doch zuerst ein paar Worte zu den Prozessoren selbst: Ivy Bridge ist im klassischen "Tick-Tock"-Rhythymus ein kleiner "Tick", also eine in Hinblick auf den Fertigungsprozess (in diesem Fall auf 22 Nanometer) geschrumpfte Variante der Vorgängergeneration, aber keine grundlegend überarbeitete Architektur. Diese wird es erst kommendes Jahr wieder geben, wenn "Haswell" ansteht.

Update

Entsprechend konservativ sind die Neuerungen von Ivy Bridge: Laut diversen unabhängigen Tests ist die aktuelle Generation circa zehn bis 15 Prozent schneller bzw. sparsamer als Sandy Bridge. Wirkliche Fortschritte gibt es dafür in Hinblick auf die integrierte Grafik, der HD4000-Kern (der bei den meisten Ivy-Bridge-CPUs zum Einsatz kommt) erweist sich um satte 50 Prozent flotter als die Sandy-Bridge-Grafik. Dazu kommen noch DirectX-11-Unterstützung sowie eine beschleunigte Wiedergabe von HD-Video.

Sparsam

Während die meisten Ivy-Bridge-CPUs bisher mit vier Kernen ausgestattet sind, gibt es bei den speziellen Ultrabook-Ausführungen derzeit "nur" Dual-Cores. Im Gegenzug sind sie alle besonders stromsparend ausgelegt und weisen eine maximale Leistungsaufnahme von 17 Watt auf. Das Topmodell der Ultrabook-Klasse ist nun der Core i7 3667U, der zwischen 2,0 und 3,2 GHz getaktet ist.

Ultrabooks

Basierend auf dieser neuen Prozessorgeneration gibt es nun auch die ersten Vertreter der zweiten Generation an Ultrabooks. Dabei zeigen sich im Vergleich zu den Vorjahresmodellen einige Auffälligkeiten: Alle sind sie nun mit USB 3.0 ausgestattet, das von Intel - und Apple - favorisierte Thunderbolt findet hingegen weiterhin nur wenig Zuspruch. Unter der Hand heißt es von den meisten Herstellern, dass man auch keine Pläne hat, dies zu ändern. Zumindest Acer hat mit dem Aspire S5 ein Modell mit Thunderbolt-Support im Angebot.

Philosophisches

Eine Frage, die wohl vielen BeobachterInnen bei der aktuellen Gerätegeneration in den Kopf schießt: Was macht eigentlich so ein Ultrabook aus, und vor allem: Inwiefern unterscheidet es sich von einem "normalen" Laptop? Denn während die erste Generation noch zumindest halbwegs exakt umrissen war, gibt es Ultrabooks nun in allen Formen und Größen. Statt auf 13 Zoll beschränkt zu sein, dürfen die Geräte nun zwischen 11 und 15 Zoll liegen, und auch bei den Formfaktoren und den Zielgruppen - vom Privatanwender bis zum Businessgerät - zeigt sich eine gewisse Diversifizierung.

Zwar gibt es noch einige fix vorgegeben Kriterien - etwa die Integration einiger Intel-Technologien wie Anti-Theft und Identity Protection -, wenn die Entwicklung so weitergeht, zeichnet sich aber ab, dass bald ein großer Teil des Marktes aus "Ultrabooks" bestehen wird. Liegen die meisten Anforderungen an die Hardware (etwa die maximale Dicke von 18 bis 23 Millimeter oder eine minimale Laufzeit von 5 Stunden) doch ohnehin im Trend der aktuellen Entwicklung.

Marketing!

Für den Erfolg der "Ultrabooks" sollte alleine schon ein anderer Umstand sorgen: Begleitet Intel diese doch - nach eigenen Angaben - mit der größten Marketing-Kampagne seit der Einführung der Centrino-Chips. Und natürlich hoffen alle Hersteller, davon profitieren zu können, und das zeigt Wirkung: Allein bis Ende des Jahres sollen nicht weniger als 110 neue Ultrabook-Designs auf den Markt kommen. Zum Vergleich: Bei der ersten Gerätegeneration waren es "nur" 20 Designs.

Zukunftshoffnung

Die spannenderen unter all diesen Designs hatten die Intel-Partner für den aktuellen Event allerdings nicht mitgebracht. Parallel zum Produktstart von Windows 8 soll nämlich eine weitere Welle an Ultrabooks auf den Markt kommen, die die Möglichkeiten von Microsofts kommendem Betriebssystem aktiv nutzen. Und das heißt im konkreten Fall ganz oft, mit einem Touch-Display ausgestattet zu sein. Damit werden sich die Formfaktoren für Ultrabooks weiter diversifizieren, vor allem in Kombigeräten aus Tablet und Laptop scheinen viele einen wichtigen Zukunftsmarkt zu sehen.

Abhängigkeiten

Aus dieser aktuellen Warteposition zeigt sich aber auch ein anderer Faktor: Einmal mehr liegen die Hoffnungen der Hardwarehersteller beinahe zur Gänze auf Microsoft, Windows 8 soll neuen Wind in den Markt bringen. Und angesichts der aktuellen Konstellation müssen die Hersteller beinahe schon von Berufs wegen fest an dessen Erfolg glauben - Warnungen vor einem "Vista 2" will man hier also lieber nicht hören. 

Problematisch

Genau in diesem Verhältnis liegt aber auch ein grundlegendes Problem für die Ultrabook-Hersteller: Während Apple Hard- und Software Hand in Hand entwickeln kann, sind alle anderen von Microsofts Zeitplänen abhängig. In der Folge ist es nicht so einfach, schnell einmal auf aktuelle Neuerungen der Konkurrenz zu reagieren. Ein aktuelles Beispiel ist Apples (zur Zeit allerdings nur beim teuren Macbook Pro verwendetes) Retina-Display: Klar ist es absehbar, dass schon bald auch andere Hersteller entsprechende Bildschirme verbauen werden. Damit diese aber auch wirklich ihre vollen Vorteile entfalten können, muss auch die Software angepasst werden. Und wann das passiert, entscheidet Microsoft. Zwar bietet Windows schon länger die theoretische Unterstützung von Displays mit hohen DPI-Werten, und auch Metro sollte auf solchen Geräten gut skalieren, der klassische Desktop liefert in einem solchen Umfeld aber noch eine reichlich suboptimale Erfahrung.

Ausblick

Mittelfristig bleibt also abzuwarten, ob Microsoft hier künftig agiler agieren wird (bzw.: kann), oder ob es nicht zuletzt durch den immer stärker werdenden Einfluss von mobilen Betriebssystemen auch zu grundlegenden Umschichtungen im Desktop/Laptop-Bereich kommen wird. Immerhin haben neue Mitbewerber im Betriebssystemsbereich - wie etwa Google - in den vergangenen Jahren deutlich flotter Innovationen auf den Markt gebracht. Der Aufstieg der Tablets wiederum zeigt, dass Kompatibilität mit Legacy-Anwendungen längst nicht mehr ein absolutes Muss ist.

Divers

Nicht vergessen werden sollte zudem, dass die Partner bei der Unternehmung Ultrabook recht unterschiedliche Motive haben: Während Acer, Asus, Lenovo und Co. vor allem Apple und dessen Macbook Air etwas entgegensetzen wollen, ist Intel selbst dieses Anliegen eher egal - immerhin liefert man ja auch dort die Chips. Für den Prozessorhersteller geht es aktuell viel mehr darum, die Dominanz von ARM-CPUs im mobilen Bereich zu brechen und gleichzeitig zu verhindern, dass die Konkurrenzarchitektur in andere Produktkategorien herüberschwappt. Und zur Erreichung dieses Ziels sind die Ultrabooks - und deren Etablierung als Marke - sicherlich ein wichtiges Vehikel. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 15.6.2012)

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