Mit Palliativmedizin Leiden vorbeugen und lindern

15. Juni 2012, 14:03

Die Palliative Medizin verhilft Patienten zu mehr Lebensqualität und verlängert die Überlebenszeit

Salzburg/Wien - Nicht mehr heilbare Erkrankung, eine beschränkte Lebenserwartung, belastende Krankheitssymptome und nur limitiert vorhandene Therapiemöglichkeiten: Fortschreitende inkurable Erkrankungen stellen per se eine Herausforderung dar. Doch obwohl Heilung in solchen Fällen zumeist nicht mehr das Ziel ist, kann eine optimale "Rundumversorgung" der direkt Betroffenen und Hilfe für die Angehörigen die Lebensqualität der Patienten deutlich erhöhen und auch die Überlebenszeit verlängern.

Die Fachleute sprechen hier von Palliativmedizin. "Das ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, welche mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen", erklärte heute, Freitag, beim Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG) in Salzburg (14. bis 16. Juni) Monika Kaufmann, Oberärztin an der 1. Internen Lungenabteilung am Otto Wagner Spital (Wien).

Nicht nur Teil der Onkologie

Es geht in der Palliativmedizin um das Vorbeugen und Lindern von Leiden durch frühzeitiges Erkennen von Symptomen und die sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie von anderen Problemen körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art - so die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Oft wird sie als Teil der Krebsmedizin verstanden. Dort hat sie sich wohl am frühesten etabliert.

Die Erfolge sind wissenschaftlich erwiesen. Das beste Beispiel stellte eine Studie über Lungenkrebs dar, die im Jahr 2010 im angesehen US-Fachblatt "New England Journal of Medicine" erschienen ist. Der Hintergrund: Nur 20 bis 25 Prozent der Lungenkarzinom-Erkrankungen werden in einem heilbaren Stadium entdeckt.

Bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten aber kann die Überlebenszeit vor allem mit Strahlen- und medikamentöser Therapie nur verlängert werden. Die Betreuung durch ein Palliativteam mit Ärzten, Pflegepersonal, Psychologen, Diätberatern und eventuell auch Seelsorgern kann hier schon sehr früh ansetzen. In der Studie wurde die Hälfte von 150 Lungenkrebspatienten im Spätstadium nach den bisherigen Standards behandelt, die andere Hälfte wurde zusätzlich durch ein Palliativteam betreut.

Erhöhte Überlebenszeit

Das Ergebnis, obwohl keine kurative Therapie mehr durchgeführt wurde: "Die Überlebenszeit der Patienten, die palliativ betreut wurde, erhöhte sich um durchschnittlich 2,7 Monate. Das ist mehr als viele Chemotherapeutika schaffen. Fazit: Das Leiden eines Patienten zu lindern, erhöht die Überlebenszeit."

Doch die Palliativmedizin ist keine reine Angelegenheit der Krebsmedizin. Kaufmann: "Zielgruppen der Palliativmedizin sind onkologische Patienten, aber auch Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), Lungenfibrose, Herzinsuffizienz, neurologischen Erkrankungen, HIV/Aids und anderen Krankheiten." Allen diesen Kranken gemeinsam sind schwere Krankheitsbelastungen: Atemnot (Dyspnoe), Schmerzen, Erschöpfungssyndrom (Fatigue) und Gewichtsverlust sowie die psychischen Auswirkungen wie Depressionen und Angstzustände.

Die moderne Medizin hat neben der Therapie der Grunderkrankung auch vieles an palliativmedizinischen Maßnahmen anzubieten, welche Symptome stark reduzieren und direkt Betroffenen wie auch seinen Angehörigen helfen und sie stützen können. "Entscheidend für den Erfolg", betonte Monika Kaufmann, "ist das Zusammenspiel aller Beteiligten im Rahmen einer Gesamtbetreuung der Betroffenen und ihrer Angehörigen in physischer, psychischer und sozialer Hinsicht." (APA, 15.6.2012)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.