Winterjacke

20. Juni 2012, 17:14
  • Endlich, endlich durfte der Gärtner beweisen, dass das Aufbewahren einer
 25 Jahre alten Winterjacke gegen alle innerfamiliären Widerstände sinnvoll  wie 
werterhaltend ist.
    foto: apa/epa/olivier hoslet

    Endlich, endlich durfte der Gärtner beweisen, dass das Aufbewahren einer 25 Jahre alten Winterjacke gegen alle innerfamiliären Widerstände sinnvoll wie werterhaltend ist.

Inwiefern eine alte Winterjacke bei der gärtnerischen Bewältigung des Frühlingsfrost-Desasters behilflich ist, erklärt Gregor Fauma über Umwege.

Gärtnerinnen und Gartler eint manch eine schrullige Eigenschaft. So findet man beim Studium neuerer und älterer Literatur, dass Menschen, die gerne gärtnern, auch oft ein Faible für alte Winterjacken haben. Auf Flohmärkten suchen sie nichts - aber finden stets einen grellbunten Anorak, einen waidmanngrünen Rock oder eine zentnerschwere Winterjacke, die auch schon Stalingrad überlebt hat.

Wir haben nichts gegen diese Schrulle, schmunzeln leise darob und machen uns an eine klassische Junitätigkeit, das Einkaufen und Einsetzen einer neuen Rose. Dieser verdammte, verfluchte, mehrfach zum Teufel geschickte Spätfrost im Frühjahr hat ja tatsächlich das geschafft, wozu selbst Laienhände zuvor nie imstande gewesen wären - er hat die Rosen getötet. Nun ist unter Gartlern hinlänglich bekannt, dass Duftrosen auf Kosten ihrer Vitalität duften. Die Züchter geben sich zwar Mühe, aber es scheint dabei zu bleiben, dass der Duft nur den heiklen Rosen vorbehalten bleibt.

Restleben

Der milde Winter, das bisserl Frost, alles schien auf ein wunderbares Rosenjahr hinzudeuten. Die Rosen schickten Vis vitalis in die Augen, die trieben vorsichtig an, und als sich die ersten Blätter entrollten, fegten minus sechzehn Grad sämtliche Austriebe davon. Die Hoffnung stirbt zuletzt, die englischen Duftrosen durften in ihren Beeten bleiben und bekamen drei Monate Zeit zu beweisen, dass doch noch etwas Restleben in ihnen schlummerte.

Möglicherweise schlummert es noch immer, aber mittlerweile im Rosenhospiz, wo auch der Oleander Zeit und Raum bekommt, den Gärtner mit Überleben zu überraschen. Doch nur, weil die Rosen möglicherweise den Frost nicht überlebt haben, braucht das Projekt nicht auch zu sterben. Also müssen neue Rosen angeschafft werden.

Die junge Frau im Verkauf, ich möchte sie kurz Frau Dehner nennen, führt lebhaft schildernd durch ein schier endloses Rosensortiment, nimmt stumm nickend das Lamento des Kunden zur Kenntnis, hört sich die Rahmenbedingungen des zukünftigen Standorts an und empfiehlt mit sicherer Stimme ADR-zertifizierte Rosen. Sie seien robuster als andere, hätten sich in elf Prüfungsgärten über drei bis vier Jahre hindurch ohne Spritzen bewährt und wiesen einen hohen Zierwert aus.

Rosenmonster

Die kleinen Stöckerln in den kleinen Küberln waren wohlfeil und hübsch anzusehen. Aber wer seit Jahren von einer duftenden, mannshohen Pracht an der Hausmauer träumt, möchte nicht noch einmal mehrere Jahre warten. Und dann lehnte sie da: Dicht, gesundes Grün, unzählige Knospen, gut zwei Meter hoch - ein Traum, der zart duftend in sämiges Rosa gefüllt ganz Gersthof vor Demut auf die Knie bringen wird.

Auf den Knien der Verzweiflung war auch der Käufer beim Versuch, das Rosenmonster irgendwie im Auto unterzubringen. Irgendwie hat es Jasmina, so heißt das wohlgestaltete Teil, an ihren finalen Standort geschafft und musste nur noch umgetopft werden.

Und endlich, endlich durfte der Gärtner beweisen, dass das Aufbewahren einer 25 Jahre alten Winterjacke (grauer Jeansstoff, schicker Lammfellkragen!) gegen alle innerfamiliären Widerstände sinnvoll wie werterhaltend ist. Ohne diese Winterjacke, die bei gefühlten dreißig Grad im Juni über ein kurzes Sporthoserl getragen mächtig was hermacht, wäre das Umtopfen gänzlich unmöglich gewesen.

Sie fing alle dornigen Attacken der widerspenstigen Jasmina ab, bot dem Gärtner Schutz und heile Haut und freute sich, nach ihrem Wirken als modische Torheit in den späten 80ern nun als gärtnerische Notwendigkeit zum Einsatz zu kommen. Mich sieht kein Flohmarkt. (Rondo, DER STANDARD, 15.06.2012)

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22 Postings
alte Jacken sind doch gut

ich habe eine 15 Jahre alte Jacke, die ich immer im Wintergetragen habe. Die bleibt einwanderfrei. Marken Blakläder, einfach super.
http://www.genxtreme.de/blaklader/

btw um zu sehen

ob was noch lebt: an der rinde kratzen.
ist es drunter braun -> komposthaufen.
ist es noch gruen: plastiksackerl drueber, windgeschuetzt hinstellen, hoffen.

ah so eine jacke

hab ich auch!
20 jahre alt, dezent schwarzweiss gestreift, haelt sie mir den bambus beim fruehjahrlichen ausputzen vom arm, die zarten gruenen blaetter pieksen naemlich aufs boeseste.

grundregel #1 im garten:

alles was dornen hat und keine sofort essbaren früchte trägt wird abgeschnitten und ausgebuddelt.

ich hasse rosen! ich hasse hagebutten! arrrgghhhh!

Sie sprechen mir aus dem Herzen!

dabei sinds echt wunderschön,

manche rosen.

jo eh.
bei rosen gibts nur zwei zustände:
1) aufwendigst umhegt, dann stören's auch nicht
2) äste stehen dauernd im weg und man verhängt sich bei jedem mal rasenmähen oder vorbeigehen erneut

von hagebutten und heckenrosen gar nicht zu reden - wir haben ca. 100m grundstücksumrandung mit diesem "unkraut" - da kommst zwischen märz und juli mit dem abschneiden nicht nach, sonst wuchert dich dieses gewächs zu. bis in 10m höhe im kirschbaum hama den sch....

wie schauts mit den kirschen aus?

sehr wurmig oder gehts?

man kann ja auch kirschen mit eiweis essen (wenn man sich das jedes mal reinschauen sparen will) :)

kirschen sollen aber dafür nicht wenig arbeit machen (riesen dreck, matsch am boden).

mir sind rosen allerdings nicht pflegeleicht genug (damit sie wirklich was hergeben) und allzu viele dornen wegen meiner kleinen tochter auch nicht ideal.

die kirschen waren heuer ausgezeichnet und beinahe wurmfrei - interessanterweise haben die 3 sorten in unserem garten heuer ganz anders geschmeckt als voriges jahr - der späte frost muss spuren hinterlassen haben.

südbahn, oder?

habe keinen kirschbaum, aber bei meinem schwiegervater (wiener stadtrand, also keine rede von innerstädtichem klima) sind geschätzte 60% befallen.

vielleicht ist das auch sortenabhängig oder bodenabhängig (die larven sollen ja im boden überwintern).

jo südbahn (baden), dafür hamma zecken ohne ende. hier war's aber auch wirklich kalt im februar, obwohl schon die knopsen bei den kirschen draußen waren. hätten nicht gedacht dass die das durchstehen.

wo gibt's die rosen bitte?

ich will eine zartrosa, mit vollen blüten, wenn's geht duftende, die sich nicht vor regen fürchtet!

damaszener rose.
bei manufactum :)

googeln sie mal nach der

"andre le notre"

sehr schöne vollen blüten, stark duftend.

natürlich gibts auch noch viele andere

habe mich vorher vertan.

andre le notre ist zwar eine prächtige, wohl duftende, aber ur-komplizierte rose, die bei regen schnell kaputt geht.

ich meinte die frederic mistral.

danke übrigens!

kennen sie nahema oder times past und haben erfahrung damit? die würden gefallen!

die ist sehr nett! klettert die?

meine geoff hamilton find ich von der optik und dem duft her perfekt, allerdings hat die einmal ein bissl stärkerer regen und wind gestreift und sie hat beinah die patschn gestreckt. jetzt steht sie geschützt und blüht, kommt aber kaum zur geltung

ändert endlich das "fauma und flora"!

wenn schon gscheid schreiben, dann gscheid gscheid schreiben.

Klassiker! :-D

Schönen Gruß von Gregor Fauna.

ups - peinlich.

tschulligung.

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