Gemma Zukunft schauen

  • Die "Business Arm Prosthesis" soll nicht nur ein fehlendes Gliedmaß ersetzen, sondern auch technisch mögliche Funktionen in die Prothese implementieren.
    foto: helene steiner, nico strobl, lukas pressler, ania pawlowska

    Die "Business Arm Prosthesis" soll nicht nur ein fehlendes Gliedmaß ersetzen, sondern auch technisch mögliche Funktionen in die Prothese implementieren.

  • Konzept für eine digitale Spiel-Konsole zur Benutzung im Freien von Jessica Covi, Christoph Döttelmayer und Tamas Nyilanszky.
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    foto: jessica covi, christoph döttelmayer, tamas nyilanszky

    Konzept für eine digitale Spiel-Konsole zur Benutzung im Freien von Jessica Covi, Christoph Döttelmayer und Tamas Nyilanszky.

Das Wiener Museum für angewandte Kunst zeigt mit "Made 4 You" die umfangreichste Designausstellung seit Jahren

Ein Schnuller, ein silbern funkelnder Zukunftsmercedes oder doch ein Vibrator? "Was bereitet uns weiterhin Freude?" So lautet eine der Fragen, die hinter der Mak-Ausstellung Made 4 You - Design für den Wandel steht.

Gut 80 Projekte auf 1400 Quadratmetern, darunter auch die eingangs erwähnten Wonnespender, sind derzeit im Wiener Mak zu sehen und sollen auch andere Fragen beantworten.

Zum Beispiel: "Wie smart sind die Technologien von morgen?", "Wie schaffen wir Gesundheitssysteme für alle?", "Was sichert unser (Über-)Leben?" Mit klassischer Behübschung will die Schau nichts am Hut haben. Hat sie auch nicht. Es sind vor allem komplexe sozioökonomische Prozesse, die hier sichtbar gemacht werden sollen. Gezeigt werden Prototypen ebenso wie Serienprodukte, Entwürfe, digitale Applikationen oder Filme, das Spektrum ist ein breites.

Kuratiert wurde das Ganze von Mak-Design-Kustode Thomas Geisler, Mitbegründer der "Neigungsgruppe Design" und ehemaliger Vienna-Design-Week-Mitmacher, sowie Hartmut Esslinger, international umtriebiger Gestalter-Haudegen, dessen Entwurf des Apple IIC vom Time Magazine zum Design des Jahres 1984 gekürt wurde und den die BusinessWeek den einflussreichsten Industriedesigner seit den 1930er-Jahren nannte.

Lobby, Labor und Fabrik

Sphärisch unterteilt sich die Schau in drei Bereiche: In der sogenannten "Lobby" werden unter anderem bisher unveröffentlichte Entwürfe Esslingers aus seiner Zusammenarbeit mit Apple gezeigt. Dahinter präsentiert das "Labor" circa 30 Projekte von Designstudenten und Absolventen, die zwischen 2006 und 2011 bei Esslinger an der Universität für angewandte Kunst Industriedesign studierten.

Hier wird vor allem die Auseinandersetzung mit dem Thema Forschung sichtbar gemacht. Und dann ist da noch die sogenannte "Fabrik" wo bereits am Markt befindliche, aber auch noch im Konzept steckende Objekte zu begutachten sind. Die Firmen, die hier präsent sind, reichen von Amazon bis Zumtobel, die Produkte von Elektromotorrädern über OP-Gewand bis hin zu einer Idee für einen Wasserfilter oder einem Zellanalysator für medizinische Labors.

Affirmativer Beigeschmack

"Wie ein Werksbesuch in einem Unternehmen der Zukunft", formuliert es Geisler, soll der Besuch der Ausstellung erlebt werden. Tatsächlich wirkt die vom Studio Vandasye realisierte Ausstellungsgestaltung vor allem im Fabrik genannten Teil eher wie der Besuch einer Messe, wie eine Aneinanderreihung von Gütern, selbst wenn teilweise die Prozesse, welche einzelne Objekte durchliefen, veranschaulicht werden. Lustvoll ist etwas anderes. Man würde sich wünschen, die Inszenierung wäre weniger brav, denn Design ist auch immer Emotion, und von der kommt relativ wenig hoch. Auch ist ein gewisser affirmativer Beigeschmack beim Flanieren durch die Schau nicht loszuwerden. Aber das gehört vielleicht zum Konzept, schließlich wollen Produkte ja an den Mann und die Frau gebracht werden. Auch das ist, neben aller kultureller, sozialer und ökologischer Relevanz Design.

Unterm Strich bietet die Ausstellung eine ungeheure Fülle, die mit all ihren Begleittexten und unterstützenden iPad-Ports kaum in einem Durchgang zu bewältigen ist. Sollte einen also der Museumswärter auf seinen anstehenden Feierabend aufmerksam machen, ist es ratsam, sich den 240 Seiten starken Katalog anzuschaffen. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 15.06.2012)

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