Beyrer-Abgang mit Potenzial für neue Posten-Reibereien

14. Juni 2012, 18:26
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ÖIAG-Chef Markus Beyrer wechselt zum europäischen Industrieverband. Damit kommt die in der Koalition heikle Postenfrage in der Staatsholding wieder aufs Tapet

ÖIAG-Chef Markus Beyrer wechselt zum europäischen Industrieverband. Damit kommt die in der Koalition heikle Postenfrage in der Staatsholding wieder aufs Tapet. Bei der Telekom rückt der Einstieg von Carlos Slim näher.

 

Wien - Nach den immer noch anhaltenden Streitigkeiten um das Mandat von Werner Muhm (Arbeiterkammer) im Generalrat der Notenbank kommt eine weitere Postenbesetzung mit Potenzial für Reibereien auf die Koalition zu. ÖIAG-Chef Markus Beyrer verlässt nämlich nach einem knappen Jahr die Staatsholding, wie auch die ÖIAG in einer Aussendung bestätitgte. Er wurde am Freitag zum Generaldirektor des europäischen Industrieverbands Businesseurope gekürt.

Der frühere Generalsekretär der Industriellenvereinigung hatte sich im Februar des Vorjahres gegen Ex-OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer durchgesetzt, was in der SPÖ gar nicht gut ankam. Finanzstaatssekretär Andreas Schieder kritisierte, dass die Holding als "Filiale der Industriellenvereinigung" verstanden werde.

Gegen die Entscheidung des ÖIAG-Aufsichtsrats konnte die Roten freilich nichts ausrichten. Das Gremium wurde unter Schwarzblau neu formiert und erneuert sich eigenständig. Dominiert wird das Kontrollorgan von Personen mit unternehmerischer Ausrichtung.

Beyrer selbst wollte seinen Abgang nicht kommentieren. Aus seinem Umfeld verlautete, er habe die neue Herausforderung nicht ablehnen können. Tatsächlich gilt Businesseurope mit 20 Millionen Mitgliedern als äußerst einflussreich. Dass Kritik an seiner Rolle bei der Aufklärung der Korruptionsaffäre bei der ÖIAG-Beteiligung Telekom Austria eine Rolle gespielt habe, wie profil schreibt, wird entschieden zurückgewiesen. Beyrer leitete als TA-Aufsichtsratspräsident die Task Force, die Wirtschaftsprüfer BDO schlossen kürzlich einen Bericht ab, der zum Leidwesen der Kleinaktionäre nicht veröffentlicht werden soll. Auch gegenüber dem Untersuchungsausschuss verweigert der Telekom-Konzern bisher die Herausgabe des Berichts.

Überdies hatte die Teilnahme Beyrers an Jagden auf Einladung des Rüstungslobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly für Unmut gesorgt. Zudem fungiert der früherer Kabinettsmitarbeiter von Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel als Präsident der beiden weiteren ÖIAG-Beteiligungen OMV und Post. Wegen des geschrumpften Beteiligungsportfolios wurde immer wieder eine Auflösung der ÖIAG gefordert. Diese hatte auch Bundeskanzler Werner Faymann gefordert. Als Alternative gilt eine Eingliederung in das jetzt schon zuständige Finanzministerium oder der Ausbau zu einer echten Infrastruktur-Holding, zu der auch der Verbund oder die Bahn gehören sollten. Allerdings verlief diese Diskussion immer wieder im Sand.

Eine weitgehende Änderung könnte Beyrer in seiner verbleibenden Amtszeit bis wahrscheinlich Herbst noch gelingen: Der Einstieg des Mexikaners Carlos Slim, Chef von America Movil, bei der Telekom. Der angeblich reichste Mann der Welt hat bereits vier Prozent an der TA erworben. Beyrer soll bei der geplanten Aufstockung auf knapp 25 Prozent die Fäden gezogen haben. Bis zuletzt spießte sich der weitere Zukauf an internen Querelen des potenziellen Verkäufers Ronny Pecik, der mit seinem Geldgeber, dem ägyptischen Telekom-Unternehmer Naguib Sawiris übers Kreuz gekommen sein soll. Allerdings seien die Meinungsunterschiede aus der Welt geschaffen, womit Slim bald aufstocken dürfte, hieß es am Donnerstag aus TA-Kreisen.

Der Mexikaner hat sich zuvor schon bei der niederländischen KPN eingekauft und setzt die Einkaufstour in Europa nun offenbar fort. (as, DER STANDARD, 15.6.2012)

  • Verlässt bereits nach einem Jahr den Chefsessel der ÖIAG Staatsholding: 
Markus Beyrer wird Industrielobbyist in Brüssel.
    foto: standard/heribert corn

    Verlässt bereits nach einem Jahr den Chefsessel der ÖIAG Staatsholding: Markus Beyrer wird Industrielobbyist in Brüssel.

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