"Heuer wird kein griechischer Sommer"

Interview14. Juni 2012, 18:00
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Ioannis Afukatudis, Chef von Thomas Cook Austria (Neckermann), hat keine Angst um seine Heimat Griechenland

Ioannis Afukatudis, Chef von Thomas Cook Austria (Neckermann), hat keine Angst um seine Heimat Griechenland. Am Sparen führe aber kein Weg vorbei. Warum heuer kein griechischer Sommer wird, sagte er Günther Strobl.

 

STANDARD: Mit welchen Erwartungen schauen Sie als gebürtiger Grieche auf die Wahl am Sonntag?

Afukatudis: Eines ist sicher: nach der Wahl wird die Situation nicht glasklar sein. Die Griechen waren aufgrund des Wahlsystems gewöhnt, dass die erste Partei auch gleichzeitig Regierungspartei ist. Es fehlt eine Kultur in dem politischen System, dass miteinander geredet wird und koaliert werden kann. Das macht es so schwer.

STANDARD: Mit Griechenland assoziierte man bis vor kurzem Sonne, blaues Meer, entspannten Urlaub. Von all dem ist nichts mehr da, viele haben Angst. Sie auch?

Afukatudis: Nein, ich werde im Juli wieder meinen Urlaub in Griechenland machen, auf Rhodos, gerade in diesem Jahr. Bei allen Negativberichten ist untergegangen, dass Griechenland mehr blaue Flaggen bekommen hat, weil die Wasserqualität noch besser als im Vorjahr ist. Andere Länder haben blaue Flaggen verloren. Die Menschen, die auf den griechischen Inseln leben und für die Touristen arbeiten, sind die gleichen geblieben, vielleicht noch einen Tick besser geworden, weil sie wissen, was auf dem Spiel steht.

STANDARD: Keine Angst vor Chaos und Streiks nach den Wahlen?

Afukatudis: Mag sein, dass es diese Ängste gibt. Ich sehe das aber entspannt. Gegen was sollen die Menschen noch streiken? Sollen sie streiken für die Einführung der 14 oder 16 Monatsgehälter im Staatsapparat? Das geht nicht. Es gibt keinen anderen Weg als zu sparen. Ich glaube, dass die Politik zueinander findet und zumindest für die nächsten Jahre eine gewisse Stabilität in das Land reinbringt.

STANDARD: Hat der Euro Griechenland kaputt gemacht?

Afukatudis: Nicht der Euro, sondern was man daraus gemacht hat. Es wurde billig Geld aufgenommen, aber nicht dort eingesetzt, wo es dem Land, den Menschen etwas gebracht hätte. Man hat es für Konsum ausgegeben. Der Staat, die Politiker haben das selbst vorgelebt. Jetzt kommt die Zeit, wo man sich überlegen muss, wie man das zurückzahlt.

STANDARD: Werden wir bald wieder mit Drachmen zahlen?

Afukatudis: Das sind Spekulationen, persönlich glaube ich nicht.

STANDARD: Was hieße die Rückkehr zur Drachme für ein Unternehmen wie Thomas Cook, das ein starkes Griechenland-Geschäft hat?

Afukatudis: Nicht nur für uns, für alle Unternehmen würde das günstigere Einkaufsmöglichkeiten bedeuten, weil die neue Währung abgewertet würde. Aber wie gesagt, ich gehe nicht davon aus.

STANDARD: Kann heuer noch ein griechischer Sommer werden?

Afukatudis: Das ist leider nicht mehr zu machen. Griechenland hat im Vorjahr wieder mehr Touristen, auch aus Österreich, angezogen, man konnte von der Krise in Nordafrika profitieren. Heuer ist Griechenland selbst betroffen.

STANDARD: Um wieviel Prozent liegen die Griechenland-Buchungen zurück?

Afukatudis: Wir schwimmen mit dem Markt, sind bei Griechenland knapp 20 Prozent unter Vorjahr. (DER STANDARD, 15.6.2012)

IOANNIS AFUKATUDIS (49) steht seit knapp zwei Jahren an der Spitze von Thomas Cook Austria (Neckermann). Der gebürtige Grieche lebt in Wien, ist verheiratet und hat drei Kinder.

  • Ioannis Afukatudis: "Ich werde im Juli wieder meinen Urlaub in Griechenland machen, auf Rhodos, gerade in diesem Jahr."
    foto: thomas cook

    Ioannis Afukatudis: "Ich werde im Juli wieder meinen Urlaub in Griechenland machen, auf Rhodos, gerade in diesem Jahr."

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