Teuer abgefertigt, bald wieder im AUA-Cockpit

  • Sechs Millionen Euro hat die AUA in den Ausbau ihrer sechs neuen Lounges
 am neuen Terminal investiert. Betreiber ist Do & Co. F.
    foto: standard/christian fischer

    Sechs Millionen Euro hat die AUA in den Ausbau ihrer sechs neuen Lounges am neuen Terminal investiert. Betreiber ist Do & Co. F.

Betriebsrat sagt ja zu neuen Freelancern, die nun auf Stundenbasis oder per Tag bezahlt werden

Wien - Der Betriebsrat Bord stimmte einem ungewöhnlichen Deal mit dem Vorstand der AUA zu: Weil aufgrund des Abgangs von 117 Piloten ab Juli zu wenig fliegendes Personal vorhanden ist um den Betrieb aufrechtzuerhalten, kann die Airline je nach Bedarf auf wahrscheinlich bis zu 42 Piloten zurückgreifen, die das Unternehmen im Zuge des Betriebsübergangs zur Tyrolean (mit hohen Abfertigungszahlungen) verlassen haben. 70 Mio. Euro musste die AUA für die Abfertigungszahlung von im Einzelfall bis zu 500.000 Euro aufwenden.

Die Rückkehr per Einzelvertrag ist bis Ende November limitiert - und der Betriebsrat muss bei jedem einzelnen der als Freelancer zum Einsatz kommt seine Zustimmung geben. Die Bezahlung erfolgt nach Blockstunden oder per Tag. Für einen Bangkok Flug (vier Tage unterwegs, zwei mal elf Stunden Flugzeit) würde ein Kapitän rund 4000 Euro bekommen.

Gesucht werden de facto nur Langstreckenpiloten, weil auf der Kurz- und Mittelstrecke geleaste Flieger samt Mannschaft von Lufthansa, Swiss, Augsburg Air und Welcome Air zum Einsatz kommen werden.

Angst vor Schrumpfung

Der Betriebsrat befürchtet, wegen der hohen Kosten für die Auslagerung von Flügen und der ungewissen Kundenreaktionen, dass sich die Lufthansa möglicherweise zu einer massiven Kürzung speziell auf der Langstrecke entscheidet. Die AUA würde dann zu einem reinen Zubringer verkommen. Karriereperspektiven oder Upgradings zu Kapitänen "würden in weite Ferne rücken", schreibt Karl Minhard in einem internen Mail das dem Standard vorliegt.

Den Sinneswandel des Betriebsrates (immerhin hat er sich in den letzten Monaten gegen den Einsatz von Freelancern ausgesprochen) begründet Minhard damit, ein Signal an den Vorstand gesetzt zu haben, "dass man mit einer solchen Selbsthilfe nicht rechnen und kalkulieren könne". Das habe durchaus die erwünschte Wirkung gezeigt: "Der Vorstand hat gewisse Konzessionen bei den Unternehmensrichtlinien gemacht und sich von den Erfindern des Betriebsübergangs getrennt".

Einer, der bereits angeboten hat, weiter bei der AUA zu fliegen ist Fritz Strahammer, der bisherige Flugbetriebsleiter, der vom bevorzugten Selbstkündigungsrecht Gebrauch machte. Innerhalb der Pilotenschaft löst die Freelancer Lösung keine Begeisterungsstürme aus: Einige lehnen es ab, mit den Exkollegen zu fliegen. Andere befürchten, dass sich die " Neuen", die interessanten Strecken aussuchen werden und die verbliebenen Piloten den Rest bekommen.

Neuerungen gibt es für AUA- Passagiere: Diese können in der Economy-Class ab Wien an Bord wieder warm essen, allerdings nicht gratis. Die warmen Drei-Gänge-Menüs kosten 15 Euro und müssen vorbestellt werden, spätestens eine Stunde vor dem Abflug. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 15.6.2012)

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