Small is beautiful bei Aktienfonds

Wie eine aktuelle Studie der deutschen Scope Group zeigt, tun sich gerade die großen Fonds schwer, den Anlegern auch eine Mehrrendite abzuliefern

Das Ziel eines jeden Fonds ist Alpha, also der Mehrwert gegenüber einem einfachen Investment in einen Aktienindex. Wie es Finanzprofessor Alexander Kempf vom Centre of Financial Research vor kurzem in einem Gespräch mit derStandard.at sagte, ist "Alpha der Götze der Fondsindustrie". Doch wie eine aktuelle Studie der deutschen Scope Group zeigt, tun sich gerade die großen Fonds damit schwer, den Anlegern auch eine Mehrrendite abzuliefern. "'Big is beautiful' gilt bei den schwergewichtigen deutschen Aktienfonds nicht zwingend", sagt Sasa Perovic, leitender Analyst bei Scope.

Denn die großen Fondsschwergewichte, die jeweils mehrere Milliarden Euro an Kundenvermögen verwalten, sind kaum in der Lage den deutschen Leitindex Dax zu schlagen. Tatsächlich liegen drei der vier größten Fonds auf Sicht der vergangenen fünf Jahre hinter dem Index, die Branchengrößen seien zudem nicht wirklich konstant bei der Performance. Dafür ist laut Perovic gerade auch das Management verantwortlich: "Große Fonds sind nicht so leicht steuerbar. Mit mehreren Milliarden Euro Assets under Management können die Fondsmanager weniger flexibel auf Nachrichten reagieren."

"Performance erodiert mit Fondsvolumen"

Die Scope-Studie reiht sich damit in eine Reihe von Untersuchungen vom Erfolg und Misserfolg von Fondsmanagern ein. Die Größe des Fonds hat sich dabei immer wieder als unüberwindbares Hindernis auf der Suche nach Alpha erwiesen. So hat etwa eine Studie von US-Forschern rund um den Princeton-Professor Harrison Hong gezeigt, dass "die Fondsperformance mit dem Fondsvolumen erodiert". Die wesentliche Rolle dahinter sei Liquidität. Besonders bei Strategien, die auf kleine oder mittelgroße Unternehmen abzielen, würden Fondsmanager bei zunehmender Größe des Fonds Probleme bekommen, attraktive Investmentmöglichkeiten zu finden. "Es ist schwieriger für große Fonds, Opportunitäten bei der Fehlbewertung von Aktien auszunutzen, ohne den Markt zu bewegen", sagt Perovic.

Deshalb würden Fondsselektoren, die etwa für Privatbanken oder Dachfonds nach den besten Investmentmöglichkeiten im Fondsbereich suchen, zunehmend sensibel auf das Thema Volumen reagieren. Auch Scope berät bei der Fondsauswahl, und zu große Fonds stoßen bei den Analysten selten auf Zuspruch: "Nach oben hin gibt es eine Grenze, an der die Manager kein Alpha genieren können", sagt Perovic.

Daher sollten auch Anleger in guten Fonds regelmäßig prüfen, ob die Qualität des Managers nicht unter der gestiegenen Nachfrage nach Fondsanteilen leidet. Denn gerade gute Manager ziehen rasch große Volumina an Vermögen an, und die Fondsgesellschaften verfahren sehr unterschiedlich mit vorzeitigen Schließungen, um den Erfolg einer Strategie zu bewahren.

Das Problem der trägen "Dickschiffe" in der Fondsbranche zeigt, dass die Interessen von Anbietern und Kunden auseinander liegen. Denn aus Sicht der Fondsgesellschaften machen möglichst große Fonds jedenfalls Sinn. Sie sind "unglaubliche Umsatzbringer", meint Perovic. Denn das Fondsgesellschaft lebt nunmal von Skaleneffekte und die jährliche Management-Gebühr eines Fonds-Schwergewichts spült zweistellige Millionenbeträge in die Kassen von Fondsgesellschaften. Gute Fondsmanager, die nur kleine Vehikel managen, bringen vielleicht dem Anleger mehr, aber der Fondsgesellschaft deutlich weniger. (Lukas Sustala, derStandard.at, 15.5.2012)

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