Was machen mit zehn Millionen Tonnen Kleie?

14. Juni 2012, 19:22

Am neu eröffneten Christian Doppler-Labor für innovative Kleie-Bioraffinerie wird daran getüftelt, wie das Nebenerzeugnis des Getreidemahlens optimal genutzt werden kann

Wien - In Österreichs Mühlenindustrie fallen jährlich 120.000 Tonnen Weizenkleie als Nebenprodukt an, in der gesamten EU sind es zehn Millionen Tonnen. Obwohl die Kleie einen hohen Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen wie Kohlenhydrate, Proteine, Lipide sowie Mineralstoffe enthält, findet sie nur teilweise Verwendung als Lebens- und Futtermittelzusatz. Im neuen Christian Doppler(CD)-Labor für innovative Kleie-Bioraffinerie an der Universität für Bodenkultur (Boku), das am Donnerstag eröffnet wurde, sollen neue Anwendungs- und Nutzungsbereiche gesucht werden.

Futtermittel

Nach der Vermahlung des Weizens in der Mühle bleiben Kleie und Keimling als Nebenprodukte zurück. Allein der Anteil der Kleie umfasst insgesamt rund 20 Prozent des vermahlenen Korns. Die Kleie wird derzeit fast zur Gänze als Futtermittel verwendet, nur ein geringer Teil wird als Ballaststoff im Lebensmittelbereich eingesetzt. Andere Anwendungen waren bisher aus wirtschaftlichen Gründen nicht besonders erfolgreich, heißt es seitens des neuen CD-Labors, das von Wolfgang Kneifel vom Department für Lebensmittelwissenschaften und -technologie der Boku geleitet wird.

Soll für chemische und pharmazeutische Industrie interessant werden

Primäre Zielsetzung des Labors ist es, durch eine maßgeschneiderte Verfahrenstechnik und optimierte Verarbeitungstechnologien ein Kleie-Bioraffinerie-Konzept zu entwickeln, das die Erzeugung wertvoller Produkte für die chemische und pharmazeutische Industrie sowie Zutaten für die Lebens- und Futtermittelindustrie ermöglicht. Dem Grundprinzip einer Bioraffinerie entsprechend, das die umfassende stoffliche und energetische Verwertung von Biomasse vorsieht, sollen auch sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten von stofflich nicht verwertbaren Bestandteilen wie etwa Lignin zur Energiegewinnung aufgezeigt werden.

GoodMills und Bühler kooperieren

Derzeit gibt es rund 60 CD-Laboratorien an Universitäten und Forschungseinrichtungen. Ziel ist die Förderung der anwendungsorientierten Grundlagenforschung und der Brückenschlag zwischen Universitäten und der Wirtschaft. Jedes maximal sieben Jahre bestehende Labor wird zur Hälfte von Industrie-Partnern finanziert, die andere Hälfte übernimmt die aus öffentlichen Mitteln gespeiste gemeinnützige Christian Doppler Forschungesellschaft (CDG). Das CD-Labor für innovative Kleiebioraffinerie kooperiert mit den international operierenden Firmen GoodMills Group GmbH (Wien) und Bühler AG (Uzwil, Schweiz). (APA, 14.6.2012)

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17 Postings

Wo ist das Problem?

Hier steht "Die Kleie wird derzeit fast zur Gänze als Futtermittel verwendet"

Dann wird die Kleie ohnedies sinnvoll verwendet.
Würde man jetzt die Kleie anders verwenden, müsste man andere Futtermittel einsetzen.

das Problem ist, das man bei Verwendung als Futtermittel nicht so viel €€ und $$ herausschlagen kann wie bei erhoffter anderer Verwendung für die Pharmaindustrie!

Wie hoch ist der Heizwert ?

Einen Abfallstoff verheizen ist noch immer besser als das ganze Biosprit-Desaster zu unterstützen.

Zuerst Faul-Fermentation des Proteins zu Biogas,...

... dann mikrobiologisch-enzymatischer Aufschluß der Lignocellulose zu vergärbaren Zuckern zur Produktion von Biosprit (oder umgekehrt, man kann auch die proteinhältige Bioethanol-Schlempe, den Destillationsrückstand, zu Biogas verwerten) - zwei erneuerbare Energieträger aus einem Abfall-Rohstoff.

Wenn Bioethanol aus verholzter Cellulose (Stroh, Holz) gewonnen werden kann, hat die ganze Jammerei um die "Nahrungsmittelverschwendung" sowieso ein Ende.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Damit tauschen Sie die Pest mit der Cholera aus.

ganz einfach über hohe preise über den darm der menschen entsorgen.

zb über müsliriegel. wenn mans zu nichts gebrauchen kann, einfach teuer verkaufen. irgend ein gesundheitsguru wird uns schon erklären , wie gesund und wertvoll die kleie ist. dann noch eine werbung mit einem schweinchen, hündchen oder kätzchen und schon wird der müllberg kleiner.

Als Werbeträger würde ich in dem Fall eher die übliche blähbäuchige Frau nehmen.

einfach zu lösen, wieder vollwertig verwenden.

Ich hab immer geglaubt, dass Menschen Zellulose nicht verdauen könnten?

Oder warum sonst kann Kleie - vor allem Weizenkleie - so gut als Ballaststoff wirken?

macht nichts, schlagen sie am besten kurz nach was Ballaststoffe sind bzw. können sie es aus dem Namen erraten.

Ballaststoffe sind Stoffe die eben nicht oder fast nicht verdaut werden, eben Ballast

ach, Quark, da haben Sie wohl was nicht mitgekriegt!

Der Witz an der Sache mit der Kleie ist meineer Meinung nach ja grade, dass wir Kleie nicht verdauen können, und uns deshalb all die wunderbaren Inhaltsstoffe nicht zur Verfügung stehen...

Oder warum sonst bräuchte es ein Wissenschaftlerteam, um zu schauen, ob nicht doch etwas geht...

Bei Stevia und Sojaschnitzel ist es ja auch gelungen, mit Hilfe von Chemie diese Dinge - naja - essbar zu machen...

Biosprit und Biogas...

... statt Fleischersatz und Veggie-Fraß!

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Die sollen nur ein Kochbuch schreiben

Kleie ersetzt bestens Fleisch als Proteinquelle und hat in unseren Mägen zu landen. Sie brauchen nur einen Trick zu finden, die ganzen Spritzmittel aus der Kleie zu extrahieren, denn unproblematische Biokleie ist eine Rarität.

Man könnte auch sagen...

...durch geschicktes Marketing ein Abfallprodukt in ein teures Bio-Lebensmittel zu verwandeln - Profit ohne Ende...

Genau!

Bio-Öko-Kleie-Laibchen mit Tofu

für Veganerinnen als Fleischersatz!

Man könnte damit auch Dummpostern das Mäulchen stopfen ;-)

Zu"klei"stern quasi!

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