Clostridium difficile: Neuer Wirkstoff gegen "Krankenhaus-Durchfall"

15. Juni 2012, 08:23
  • Jährlich sterben 1.300 Personen in Österreich an den Folgen einer Clostridium-difficile-Infektion.
    foto: apa/humanomed

    Jährlich sterben 1.300 Personen in Österreich an den Folgen einer Clostridium-difficile-Infektion.

Unterschätztes Risiko: CDI zählt zu "Top Fünf" der Spitalsinfektionen - Bis dato vor allem Rückfälle schwer zu verhindern

Wien - Eigentlich begibt man sich in ein Spital, um zu genesen. Im Krankenhaus erworbene Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhoe (CDAD) breitet sich allerdings gerade in dieser Umgebung rasch aus. Sie bedroht besonders vorbelastete Personen, wie Experten im Rahmen eines Pressetermins am Donnerstag im Wien schilderten. Um die 1.300 Todesfälle dürfte es in Österreich pro Jahr geben. Seit Monatsbeginn kann ein neues Medikament erstmals im klinischen Alltag eingesetzt werden.

Gesunde Erwachsene tragen den Erreger meist völlig ohne Probleme oder Symptome in sich. Fortgeschrittenes Alter, die Einnahme von Antibiotika, eine Lungen-, Nieren- oder Zuckerkrankheit können das Risiko einer schweren CDI-Erkrankung jedoch verdreifachen. Bei vorbelasteten Patienten sind die Symptome Durchfall, Bauchkrämpfe und Fieber lebensgefährdend. Die Gründe dafür sind vielfältig, der Kampf gegen den Erreger ebenso. Bisher wurde das Risiko allerdings meist unterschätzt. Auch die Präventions- und Hygienemaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen sind optimierbar, erläuterten die Mediziner. Das Bakterium kann sich besonders leicht ausbreiten und seine resistenten Sporen überleben oft monatelang. Selbst Desinfektionsmittel und Handreiniger auf Alkoholbasis können ihnen nur wenig anhaben.

Anhaltende Heilung

Laut dem Salzburger Krankenhaushygieniker Markus Hell betragen die geschätzten Kosten für CDI in Gesamteuropa jährlich drei Milliarden Euro. Das mit 1. Juni in Österreich eingeführte makrozyklische Antibiotikum Dificlir des Anbieters Astellas verspricht nun eine anhaltende Heilung ohne Rückfall. Bis dato konnte der schwere Durchfall kaum mit einer einmaligen Therapie geheilt werden, was sowohl zu hohen Kosten als auch großen körperlichen Belastungen für die Betroffenen führte.

Infektions- und Tropenmediziner Christoph Wenisch geht davon aus, dass mit dem neuen Wirkstoff Fidaxomicin trotz höherer Kosten für das Präparat selbst um die drei Millionen Euro eingespart werden können. "Eine Milchmädchen-Rechnung, die auf Fakten beruht", betonte er. Die Einsparungen ergeben sich vor allem durch den kürzeren Spitalsaufenthalt aufgrund der hohen klinischen Heilungsrate und der signifikant geringeren Rückfallquote.

Der Mediziner Hell plädierte darüber hinaus dafür, die Aufmerksamkeit der Ärzte gezielt auf diese Problematik zu lenken, die Diagnostik zu forcieren und zu verfeinern. Der gefährlichen Darminfektionen besser Herr würde man auch durch einen restriktiveren Einsatz von Antibiotika, die meist die Darmflora stark angreifen. Darüber hinaus führe kein Weg an einer strikten Umsetzung von Hygienemaßnahmen vorbei, um eine Übertragung und Ausbrüche möglichst im Vorfeld zu verhindern. (APA, 15.6.2012)

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3 Postings
"Auch die Präventions- und Hygienemaßnahmen....

....in Gesundheitseinrichtungen sind optimierbar, erläuterten die Mediziner."

Oho, hört hört. Schon blöd wenn selbst ein sehr renomierter Univ. Prof. in einem Wiener Spital einen nicht infizierten Patienten zu einem bereits aufgrund von Clostr. diff. isolierten Patienten dazulegen möchte.
Gott sei Dank gab es damals einen Oberarzt der das Rückgrat hatte dagegen zu protestieren.
Nach einem lautstarken Wortgefecht und der mehrmaligen Androhung disziplinarischer Maßnahmen von beiden Seiten konnte dies jedoch verhindert werden.

werbeveranstaltung von astellas...und alle opinion leader sind selbstverständlich gratis dort.

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