Migrantische Schulkarrieren: Lehrerurteil und Fehlen als Hindernis

Das Urteil der Lehrer am Ende der Volksschule wird oft nicht aufgrund der Leistung, sondern aus sozialen Gründen getroffen

Maßnahmen gegen Schulschwänzen, eine Verlagerung der Schulempfehlungen für die Sekundarstufe II und eine stärkere Einbeziehung der Eltern fordert eine Studie zum Thema Migranten und Schule. Unter dem Titel "Hebel zu einer kompensatorischen Bildung" führte das Insitut für Bildungsforschung der Wirtschaft (IBW) im Auftrag der Industriellenvereinigung, des Integrationsstaatsekretariats, des Bildungsministeriums, des AMS, der Caritas und der Erste Stiftung eine Pilotstudie durch, bei der in qualitativen Interviews sowohl Experten aus Schulen und Jugendarbeit als auch Jugendliche in Gruppengesprächen befragt wurden. "Erfolgreiche und "weniger erfolgreiche" Jugendliche wurden dabei interviewt.

Negativ wirkt sich demnach vor allem das Schulschwänzen auf die Bildungsbiografien aus. Es sei ein "Einstieg in den Bildungsausstieg", sagte Studienautor Bernhard Perchinig bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Perchinig empfiehlt die Einschaltung von Schulsozialarbeitern bei mehrmaligem Fehlen. Schulbehörden sollten die Informationen über häufiges Fehlen an das AMS und Schulsozialarbeiter weiterleiten. Derzeit erfolge nach dem Schulverweis "keine weitere institutionelle Reaktion".

Unterstufenentscheidung an Kommission

Als ein Problem in der Ausbildung von Migranten sieht die Studie den Übertritt von der Volksschule in die AHS-Unterstufe. Die Entscheidung über die Schulform sollten nicht mehr die Volksschulen treffen, sondern schulunabhängige Kommissionen. Oft würden Schüler nicht aufgrund ihrer Leistungen für die eine oder andere Schule empfohlen, sondern aufgrund ihrer "sozialen Prognose". Dabei urteilen die Lehrer aufgrund der erwartbaren sozialen Unterstützung im weiteren Ausbildungsverlauf. Dies wirkt sich auch auf jüngere Geschwister aus, die meist die gleiche Schulform wie ihre älteren Brüder oder Schwestern besuchen - "Geschwisterketten" entstehen.

"Bildungscoaches "

An der Hauptschule und der AHS-Unterstufe sollen "Bildungscoaches" über Ausbildungswege informieren und gemeinsam mit den Schülern "Bildungspläne" erarbeiten, so eine Forderung der Studie.

Vier Bereiche der migrantischen Bildung

Zur Verbesserung der Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund müssten vier Bereiche berücksichtigt werden: die Familie, das Bildungssystem, die Migranten-Community und die Jugendkultur bzw. die Peer-Groups. "Wollen wir umfassend über migrantische Bildung sprechen, müssen wir alle vier Bereiche berücksichtigen. Derzeit sind es nur zwei, die Familie und das Bildungssystem", sagte der Integrationsexperte Kenan Güngör, der an der Erstellung der Studie beteiligt war.

"Bildungsmentoring von und für Migranten"

Man müsse sich auch den Sozialraum der Jugendlichen ansehen, so Güngör. Milieus und Peer-Groups seien zwar sehr schwer steuerbar, hier müsse man aber ebenfalls ansetzen, weil Eltern bei Kindern im Alter von zwölf bis 17 Jahren zunehmend an Einfluss verlieren.

Es brauche ein "Bildungsmentoring von und für Migranten", weil diese durch die Sprache und ähnliche Lebenswirklichkeiten Eltern und Jugendliche eher erreichen würden - zum Beispiel durch Studenten. Ein Problem sei auch die mangelnde Information über das Bildungssystem, das breite Angebot sei vielen nicht bewusst.

Eltern sollen stärker einbezogen werden

Eine weitere Forderung der Studie: Die Eltern sollen verstärkt über das Bildungssystem aufgeklärt werden, das Konzept der Schulpartnerschaft und die Rechte der Eltern seien vielen nicht bekannt. Ein weiteres Problem sieht die Studie im Erziehungsstil und in traditionellen Geschlechterrollen. Die Studie zeigt, dass sich vor allem traditionelle Geschlechterrollenbilder negativ auf den Bildungsaufstieg auswirken - das ist sowohl bei jungen Männern als auch bei jungen Frauen der Fall.

Wichtig sei, dass man auch jene Jugendlichen berücksichtigt, die nicht katastrophal schlecht in der Schule sind. "Schüler, die in der Schwebe stehen, werden oft übersehen. Dort liegt das größte bildungsbiografische Pontenzial", so Güngör.

Kapsch: Prävention statt Reparieren

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) plädierte bei der Präsentation der Studie für einen Ausbau des Hausbesuchsprogramms für Migranten, forderte mehr Ganztagsschulen und ein zweites und drittes verpflichtendes Kindergartenjahr. Georg Kapsch, der designierte Präsident der Industriellenvereinigung, forderte mehr Prävention im Bildungsbereich: "Reparieren im Nachhinein ist schwierig." (seb, derStandard.at, 14.6.2012)

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Kann mir irgendjemand erklären, warum ausgerechnet das AMS befugt sein sollte, Informationen über schwänzende SchülerInnen zu erhalten? Dass SchulsozialarbeiterInnen informiert werden sollen, ist ja einleuchtend, aber warum das AMS? SchülerInnen sind ja SchülerInnen, und stehen dem Arbeitsmarkt noch nicht zur Verfügung, und selbst als Erwachsene/r ist man nicht verpflichtet, sich in irgendeine Beziehung zum AMS zu begeben - in der Regel beruht dies doch auf Freiwilligkeit, bzw. darauf, dass man im Fall von Arbeitslosigkeit Geldleistungen erhalten will. Sprich, weder die betreffenden SchülerInnen noch deren Eltern sind automatisch KlientInnen des AMS, dennoch sollen automatisch Informationen an das AMS weitergegeben werden. Datenschutz ade?

mir fehlen die worte

also in den letzten jahren habe ich wenig davon mitbekommen, dass schülern mit migrationshintergrund wegen sozialer gründe der weg in die ahs verwehrt wurde. ist es nicht ehrer so, v.a. in wien, dass sogar sehr schwache schüler ins gymnasium geschickt werden, weil ja sonst die bildungschancen vorbei sind?! ich habe eigentlich eher diese seite der medaille kennengelernt...die letzten 6 jahre, also war dies wahrscheinlich die ausnahme von der regel...
zum schwänzen sollte man sich dann auch fragen, warum diese schüler schwänzen...
was aber definitiv helfen würde, wären muttersprachliche frühförderkurse und viel, sehr viel information zum bildungssystem österreichs etc.

Nur weil du es nicht mitbekommen hast

heisst das nicht, dass es nicht passiert.
ich kenn selber einen Buben, den die Lehrerin in die Hauptschule geschickt hat. Die Eltern, bildungsfern, haben sich nicht damit auseinandergesetzt. Als die Direktorin davon erfahren hat, war sie entsetzt, weil der Bub Potential fürs Gymnasium hätte, aber da war es zu spät.

ich wollte nicht sagen, dass es das nicht gibt...mir ist das selbst passiert als bub...

aber meiner erfahrung nach schauts in der regel eigentlich genau anders aus. das ist alles, was ich sagen wollte...

ein nutzer schrieb:
"Jupp, und bei der Notenvergebung, besonders in Deutsch, ist auch ein Bonus für Migranten zu beobachten. Da werden Fehler bei Rechtschreibung und Grammatik weit geringer zur Beurteilung herangezogen als bei EinheimischenAm Ende gibts für schlechtere Deutschkenntnisse bessere Noten, weil der Lehrer nicht die versammeltVerwandtschaft des betreffenden Schülers vor der Haustür stehen haben will
Das ist die Realität in Österreich, wird aber totgeschwiegen."

warum löscht man diesen kommentar?! bitte lassen sie auch solchen unsinn online! nur dann kann eine diskussion darüber entstehen, welche probleme die migrantinnen haben und wie man versucht, ihnen zu helfen. auch die differenzierte der notenbebung wird dann angesprochen

ein nutzer antwortete:

"Ah, gelöscht. Brav die Zensur in Österreich. Aber weshalb editieren Sie meine gesetzten Absätze und Satzzeichen raus?

Naja, egal. Die Meinungsfreiheit in Österreich gleicht sich Jahr für Jahr mehr dem Niveau in Saudi-Arabien an. Als gar keine mehr. Herrliche Zeiten..."

die antwort auf den ersten absatz: platzmangel, man hat nur eine gewisse anzahl an zeichen frei...

mir fehlen die worte

Die Quelle liest sich (wie so oft) ein bisserl anders

"Hohe Identifikation mit Österreich und optimistischer Zukunftsblick.

Unabhängig von Bildungserfolg und Geschlecht schilderten die Jugendlichen meist optimistische Zukunftspläne und den Wunsch, eine gute Ausbildung abzuschließen. Alle GesprächspartnerInnen berichteten über eine hohe positive Identifikation mit Wien und
Österreich und schätzen ihre Bildungschancen und Möglichkeiten in Österreich als sehr gut ein."

http://www.iv-mitgliederservice.at/iv-all/pu... le_593.pdf

... forderte mehr Ganztagsschulen und ein zweites und drittes verpflichtendes Kindergartenjahr ...

???

warum nicht gleich Kinder ab der Geburt in staatliche Obsorge geben?

Schon allein der Titel diskrimiert MigrantInnen!

In einem Großteil der MigrantInnen-Gruppen gibt es keinerlei auffällige Schulprobleme. Die Eltern kämen keinesfalls öfter auf die Idee, Schule wäre unwichtig, als österreichische Eltern. Sie fördern ihre Kinder mindestens genauso intensiv und die Kinder ist mindestens genauso erfolgreich.

Das Problem ist nicht das Problem von Einwanderern. Es ist das Problem ganz genau spezifischer Einwanderer-Gruppen!
Wie kommen Einwanderer dazu, in einen Topf geworfen zu werden, mit dem sie absolut nichts zu tun haben, nur weil es nicht pc ist, Probleme beim Namen zu nennen? Das schädigt ihr Ansehen und verschlechtert ihre Zukunftschancen!

das ergebnis dieser studie "schreit" förmlich nach

aufnahmnsprüfungen in die ahs-unterstufe!

NUR SO kann OBJEKTIV festgestellt werden, liegt ahs-reife vor oder nicht!

Sehr tolle Idee!
Das schreit dann geradezu nach gut bezahlten AHS-Aufnahme-Kursen, nach denen noch das dümmste Privilegienkind die Prüfung schafft.
Und die, die sich das nicht leisten können, sind eh selber schuld.

Ich kanns schon nicht mehr hören/lesen: DIE Migranten.

Es gibt nicht DIE Migranten (genausowenig wie DIE Juden, DIE Zigeuner, DIE Deutschen, DIE Priester...).

Es gibt hierzulande einen ganzen Haufen an Migranten unterschiedlichster Herkunft. Und aus denen gibts dann einige wenige Gruppen, aus denen eine nicht geringe Anzahl an Leuten Probleme haben bzw. machen.

Und für genau diese müssen dann alle anderen Migranten sich dreschen lassen als entweder einfach zu de**ert/ fauletc (von rechts) oder als permanentes Opfer der dauerpösen Einheimischen (von links)

ach...

wenn dass alles bloß so einfach wäre wie manch einer sich das vorstellt.

"Migranten-Community"

die fpö mahnt schon seit längerem, dass es mit den "Migranten-Communities" "community"-spezifische probleme gibt. es sind die linken behübscher die nix davon wissen wollen und jeden als nazi denunzieren der es trotzdem erwähnt.

aber bitte, die hoffnung stirbt zuletzt...

in frankreich heisst diese art der sprachlichen selbstvergewaltigung ('community' statt kultur) 'langue de bois' (holzzunge). nicht zu verwechseln mit der 'geule de bois' nach einer durchzechten nacht ...

verschiedene Migrantenkinder

meine (Stief)tochter kam vor 3 Jahren nach Österreich, mit geringen Deutschkenntnissen (vom Hörensagen) aber fließend Englisch und Chinesisch.

Heute ist ihr letzte Schultag des ersten Jahres an der 5 jährigen Hotelfachschule: Notenschnitt: 1,2.
Deutsch, ein 2er, Mathe, Englisch, 1 etc, etc.

Sie (am meisten), die Lehrer (willig und mit Freude) und ein wenig die Eltern (bemüht) haben dafür gesorgt.

Es geht auch anders. Mit einigem Stolz bemerken wir sogar ein wenig Neid bei den anderen Eltern. Aber das halten wir aus. Heute gehen wir feiern. Zurecht wie ich meine.

Ihre Tochter hatte entsprechende Motivation und Unterstützung von Lehrern und Eltern?
Andere haben das nicht.

Frage: sollte man sich deshalb drum kümmern, dass sie anderen auch unterstützt werden? Oder sich in die Ecke stellen, "selber schuld, selber schuld, selber schuld" singen?
Und sich Jahre später drüber wundern, warum es so viele Arbeitslose und Kriminelle gibt?

schon mal von

dem wort "eigenverantwortung" gehört?

ich verstehe nicht, warum wir uns immer schuldig fühlen müssen, dieser einen migranten gruppe, die immer prob bei der integration bereitet, weiterhin zu unterstützen?

Geile Logik...

Wenn man selbst etwas geschafft hat, muss man anderen den gleichen Erfolg nachtragen?

Gleiche Chancen für alle zu fordern ist Neid???

Gleiche chancen bestehen ja. Wenn bestimmte eltern diese chancen fuer ihre kinder nicht ergreifen koennen oder wollen, wessen verantwortung ist das dann?

Wo lesen Sie in diesem Posting etwas über Neid heraus?

Warum soll sich jemand daum kümmern, anderen den Erfolg nachzutragen, den er sich selbst genauso hart erarbeiten musste?

Diese ständige Suderei über die angelich mangelnden Chancen nervt. Warum wohl sind diese Probleme bei einer bestimmten Migrantengruppe verhältnismäßig oft zu beobachten?...Aja, hab ganz vergessen - die rassistischen Österreicher sind schuld. ;-)

Sehen sie, sie stellen eine Frage, erfinden eine wahnsinnig witzige Aussage, die angeblich Leute, die anders denken als sie, tätigen, um mir klar zu machen, was auf keinen Fall stimmen kann!

Und was soll ich jetzt entgegnen? Sie wissen ja schon wie ich angeblich ticke. Das ist mir zu blöd! Das ist keine Diskussion, sondern ein Kasperltheater und sie merkens nicht mal, sondern finden sich besonders pfiffig. Ist das auch eine Folge der verfehlten Bildungspolitik? Nämlich dass man es mt einer Masse an Diskussionverünmöglichern zu tun hat, die gleichzeitig ständig behauptet, "die anderen" wären Diskussionsverweigerer?

Ich versuche Ihnen nur meine Position klarzumachen.

In ganz Europa gibt es Probleme mit Migranten einer gewissen Herkunft. Sicherheitshalber sag ichs dazu, das halte ich nicht für ein genetisches Problem, sondern für eine Mischung aus kultureller Unkompatibilität (Frauenfeindlichkeit, etc.), Gruppendruck und individuellem Unwillen.

Ihren "pfiffigen" Einzeiler (weiter oben) halten Sie, nach Ihren Maßstäben, für einen sinnvollen Diskussionsbeitrag?

neidLOSER Respekt.

Ich geh halt auch davon aus, dass ihre Stieftochter schon als junges Mädel vermittelt bekommen hat, wie wichtig Bildung ist.

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