Land der Berge, aber nicht der Erfinder

14. Juni 2012, 17:44

Entwickler aus Dänemark, Frankreich und Deutschland für Praktisches wie maßgeschneiderte Hörgeräte oder die tragbare Brennstoffzelle ausgezeichnet

Kopenhagen - Das Europäische Patentamt (EPA) hat am Donnerstag Erfinder aus Deutschland, Frankreich, Dänemark und Australien mit dem "European Inventor Award" (EIA) ausgezeichnet. Der Preis wird jedes Jahr für herausragende Beiträge "zum sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt" vergeben, diesmal in Kopenhagen, der Hauptstadt des derzeitigen EU-Vorsitzlandes Dänemark. Der für sein Lebenswerk nominierte Österreicher Josef Theurer ging leer aus.

Der Europäische Erfinderpreis wird in den fünf Kategorien "Industrie", "Forschung", "Kleine und mittelständische Unternehmen", "Außereuropäische Staaten" sowie "Lebenswerk" vergeben. Zwei der Gewinner des European Inventor Award 2012 kommen aus Deutschland, die anderen aus Frankreich, Dänemark und Australien.

Pionier der Augen-Laserkorrekturen geehrt

Der österreichische Unternehmer Theurer, Gründer der Firma Plasser & Theurer, war diesmal als erster Österreicher in der Geschichte dieses seit 2006 vergebenen Preises für sein Lebenswerk nominiert, wurde aber vom Deutschen Josef Bille von der Universität Heidelberg ausgestochen. Bille meldete fast 100 Patente im Bereich der Augenlaserchirurgie an und gilt als "Vater" der heutigen Augen-Laserkorrekturen.

Maßgeschneiderte Hörgeräte

In der Kategorie "Industrie" gewann das Team um Jan Topholm, Soren Westermann und Svend Vitting Andersen vom dänischen Hörgeräte-Hersteller Widex, die für die Entwicklung einer computergestützten Methode zur Herstellung von maßgeschneiderten Hörgeräten ausgezeichnet wurden. Die meisten Hörgeräte basieren heute auf dieser Technik.

In der Kategorie "Forschung" ging der Preis an Gilles Gosselin und Jean-Louis Imbach vom Centre National de la Recherche Scientique (CNRS) und Marti L. Bryant (Frankreich) für ihr Medikament zur Behandlung von Hepatitis B.

Tragbare Brennstoffzelle

Die Deutschen Manfred Stefener, Gründer der Smart Fuel Cell AG (SFC), Oliver Freitag und Jens Müller sind Preisträger der Kategorie "KMU" für die Erfindung der ersten tragbaren Brennstoffzelle, der sogenannten Direct Methanol Fuel Cell (DMFC).

WLAN

Preisträger in der Kategorie "Außereuropäische Staaten" sind die Australier John O' Sullivan, Graham Daniels, Terence Percival, Diethelm Ostry und John Deane von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO), die drahtlose Datenübertragungsnetze so schnell und robust machten wie Kabellösungen, was schließlich zum heutigen WLAN-Standard führte. (APA, 14.6.2012)


Hintergrund: Das Europäische Patentamt

Das Europäische Patentamt mit Sitz in München und Niederlassungen in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien vergibt den Erfinderpreis in Kooperation mit der EU-Kommission und dem jeweiligen EU-Vorsitzland sowie diesmal auch dem Dänischen Patent- und Markenamt.

Das EPA hat fast 7.000 Mitarbeiter und ist damit eine der größten EU-Institutionen. Mehr als die Hälfte dieser Mitarbeiter sind Wissenschafter, die sich mit der Prüfung von Patentanträgen befassen. Das EPA bearbeitete im vergangenen Jahr 244.000 Patentanträge und erteilte 62.115 Europäische Patente. Mit Siemens (2.235 Patentanmeldungen) und Philips (1.759) führen zwei europäische Unternehmen die Liste der größten Patentwerber beim EPA an. In der EU kostet es derzeit rund 36.000 Euro, sich ein Patent zu sichern, in den USA nur 2.000 Euro und in China nur 600 Euro.

Link

Europäisches Patentamt (EPA)

Moderisierung

Und gibt es schon neues wie es mit dem Patentamt bzw. einer möglichen Privatisierung weiter geht? Das EU-Anmeldeverfahren wird ggf. die Arbeit der nationalen Stellen erleichtern? Die Reaktionszeiten sind dzt. leider inakzeptabel.

höchste Zeit für

eine ernsthafte Förderung aller aus Österreich kommenden EU Patente für Klein und Mittelbetriebe ?

Vergiss das alles

Längst zu spät. Hätte zwischen 1970 und 1990 mit Vehemenz erfolgen müssen. Man hat die Leute damals statt dessen mit allen Mitteln kaputt gemacht.

Heute gibt es allein in einem winzigen Sektor (z.B. GPS-Tracking) weltweit an die 10 000 Patentanmeldungen und mind. 500 erteilte(!) Patente...

EU-Patent 36000/ USA-Patent 2000

was für eine Schande für die EU, dass sie es noch immer nicht geschafft haben, hier gleichzuziehen, es ist ja keine Wunder, dass viele heimische Erfinder gar nicht mehr in den EU ihr Patent anmelden, sondern gleich in die USA damit gehen
aber vermutlich ist das ja auch so beabsichtigt, bei all den Lobbyisten, die in der EU anscheinend das Sagen haben, Patente sollen offenbar hier reserviert sein für die großen Firmen, die sich die immensen Summen auch leisten können, die EU-Patente kosten,
auch in Österreich denkt man anscheinend weniger an den Wirtschaftsstandort Ö als vielmehr ans Kassieren, im Nov 2011 wurden die Patentgebühren wieder deutlich erhöht

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