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Wien - Elliott Erwitt stützt sich auf seinen Gehstock. Der 83-jährige Fotograf, der zu den lebenden Legenden seiner Zunft zählt, durchschreitet seine Retrospektive, die nun im Kunsthaus Wien zu sehen ist, mit ernster Miene. Auf seinem Stock ist eine kleine Hupe befestigt. "Eine Geheimwaffe", sagt er. Hunde würden darauf reagieren, Menschen meist auch - mit einem Lächeln. Er hupt, alle lächeln. Bis zum 30. September zeigt die Ausstellung Erwitts Werk aus fünf Jahrzehnten: Seinen unvergleichlichen Witz, seinen herzlichen Fokus auf allzumenschliche Details, seine Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Politik und Film.
"Ich bin ein professioneller Fotograf, und ich bin ein Amateurfotograf", so Erwitt beim Pressegespräch am Mittwoch: "Das meiste, das sie hier sehen, habe ich für mein eigenes Amüsement aufgenommen." Mit seiner Kamera mischte sich Erwitt unter Nudisten, unter Museumsbesucher, unter Hunde. Er richtet sein Objektiv auf Beine - die von Menschen und Pferden gerne durchmischt - und auf zufällige Miniaturszenen, die jeder andere übersehen hätte. Diese "privaten" Fotos machte er in schwarz-weiß. "In Farbe ist es eine Beschreibung der Situation. Das braucht man, um ein Produkt zu verkaufen. In schwarz-weiß ist es eine Synthese der Situation."
Lapidare Erklärungen
Eine einzelne Frau vor dem Porträt einer bekleideten Dame, fünf Herren vor einem Akt - für solche Beobachtungen hat Erwitt seine Kamera auch im Museum stets dabei. Dass er häufig Hunde fotografierte, war zunächst Zufall - heute sind seine witzigen Aufnahmen der Vierbeiner geradezu ikonenhaft. "Sie eignen sich gut", sagt Erwitt trocken. "Sie sind überall. Es macht ihnen nichts aus, fotografiert zu werden. Und ihre Probleme sind sehr menschlich." Zur Kontaktaufnahme bellt Erwitt schon mal - und erreicht damit ungewöhnliche Effekte, wie er bei dem Foto eines senkrecht in der Luft schwebenden Hundes erklärt. "Ich bellte. Er sprang."
Die Erklärungen des langjährigen Magnum-Fotografen sind stets lapidar. Auf der Couch neben Fidel Castro hatte er Platz genommen, "weil da kein Sessel frei war", bei einem Bild von drei Sphingen und einem kleinen Mädchen merkt er an: "Da sehen sie meine Tochter - es ist die ganz rechts"; wenn er gefragt wird, wie das gewesen sei, mit Nixon und Chruschtschow, "in der ersten Reihe der Geschichte zu sein", dann antwortet er: "Ich nehme das nicht so ernst." Das wichtigste beim Fotografieren sei, "dass man da ist". Und dann "ist die Chance einfach größer, dass die Fotos publiziert werden, wenn es Bilder von bekannten Menschen sind".
Seine Linse macht keinen Unterschied zwischen bekannt und unbekannt, zwischen Mensch und Hund, zwischen Filmset und FKK-Strand, zwischen intimen Kussszenen und politischen Aufeinandertreffen. Sie sucht das, was Schmunzeln macht und findet dabei eine Wahrheit, die außerhalb der Sprache liegt. "Ich empfehle, die Bilder anzuschauen, statt über sie zu reden." (APA, 13.6.2012)
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