ÖBB-Tarifreform: Einzeltickets werden um acht Prozent teurer

14. Juni 2012, 16:38
  • Tarifreform der ÖBB: Einzeltickets werden teurer, Vielfahren dafür billiger.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Tarifreform der ÖBB: Einzeltickets werden teurer, Vielfahren dafür billiger.

Erste Erhöhung seit 2009 - Vorteilskarten, Sparschiene unverändert - Auch Westbahn erhöht Tarife

Wien - Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) führen eine Tarifreform durch: Ab 2. Juli 2012 werden die Ticketpreise für Einzeltickets im Schnitt um acht Prozent erhöht. Billiger wird es für Vielfahrer: Die ÖBB-Jahresnetzkarten werden günstiger. Auch Familien mit Kindern profitieren von der Tarifreform. Alle Kinder bis zum 6. Geburtstag fahren künftig gratis. Zuletzt waren die Preise im Juli 2009 erhöht worden, angesichts steigender Kosten finde nun erstmals seit drei Jahren eine Indexanpassung statt, heißt es vonseiten der ÖBB. Die mehrheitlich private Westbahn zieht mit und erhöht ebenfalls ab 2. Juli die Preise, die Jahreskarten sollen billiger werden.

Bahnfahren sei in Österreich um 30 bis 40 Prozent billiger als in Deutschland und in der Schweiz, dieser Abstand bleibe auch nach der Tarifreform gewahrt, heißt es vonseiten der ÖBB. Während die Bundesbahn die Einzeltickets um im Schnitt 8 Prozent verteuert, sei seit der letzten Erhöhung im Juli 2009 der Großhandelspreisindex um 13 Prozent gestiegen. Auch die Spritkosten wuchsen seitdem deutlich: Konnte etwa im Juli 2009 ein Liter Diesel noch um 1,006 Euro getankt werden, müssen die Autofahrer laut ARBÖ heute dafür 1,323 Euro im Schnitt berappen - ein Anstieg um rund 30 Prozent.

Verbundkarten nicht betroffen

Unverändert bleiben die Preise für ÖBB-Vorteilskarten und für die Zeitkarten der Pendler: Die Tickets der Verkehrsverbünde sind von der Tarifreform nicht betroffen. 60 Prozent der ÖBB-Kunden besitzen derartige Verbundkarten. Auch die Sparschiene-Angebote bleiben preislich unverändert. Die Tarifreform soll die Tariflandschaft auch übersichtlicher machen: Von bisher 118 Tarifen wird auf 61 Tarife abgespeckt.

Die Bahn-Vielfahrer werden von der Tarifreform profitieren, denn die ÖBB verbilligen die Netzkarten: Ab 2. Juli wird die Österreich-Card in der 2. Klasse 1.640 Euro kosten, bisher waren dafür 1.790 Euro zu bezahlen. Junge Menschen unter 26 Jahren zahlen für die Österreich-Card künftig 999 statt wie bisher 1.050 Euro. Senioren, also Frauen und Männer ab 60 Jahren, müssen für eine Österreich-Netzkarte künftig 1.150 Euro statt 1.260 Euro aufbringen.

Günstiger für Familien

Günstiger wird Bahnfahren für Familien mit Kindern. Künftig können auch ein Erwachsener und ein Kind gemeinsam ein Gruppenticket lösen - bisher war dies nicht möglich, der Gruppenreisetarif begann erst ab sechs Personen. Familien mit mehr als zwei kleinen Kindern unter sechs Jahren mussten ab dem dritten Kind bezahlen, künftig fahren alle Kinder bis einen Tag vor dem 6. Geburtstag in Begleitung eines Erwachsenen gratis.

Schon zwei Bahnfahrer bilden künftig eine Gruppe und können damit 5 Prozent Rabatt in Anspruch nehmen. Die Vergünstigung reicht bis zu 30 Prozent ab zehn Personen in einer Gruppe. Wer seine Bahntickets noch vor Inkrafttreten der Tarifreform kauft, für den gelten noch die bisherigen Tarife, betont die ÖBB.

Vorwiegend kritisch äußerte sich die Verkehrssprecherin der Grünen, Gabriela Moser: Die Mega-Bauprojekte der Bundesbahn würden teurere ÖBB-Tickets erzwingen, eine leistbare Netzkarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel wie in der Schweiz fehle in Österreich. Der "Ladenhüter ÖBB-Jahresnetzkarte", der nicht einmal auf den ÖBB-eigenen Postbussen gelte, werde auch mit der aktuellen Preissenkung kein Renner werden, so die Grüne.

Kritik der Fahrgastvereinigung

Die staatliche Schlichtungsstelle Schienen-Control begrüßt das vereinfachte Tarifangebot als ersten Schritt. Aufrecht bleibe jedenfalls die Kritik, dass Onlinetickets nach wie vor nicht erstattet werden.

Die Fahrgastvereinigung probahn Österreich kritisiert die Kostenüberwälzung auf die Fahrgäste nach dem Motto, "den Letzten = Fahrgast, beißen die Hunde". Statt über eine Reduktion der Ticketabgabe für die Fluglinien zu streiten, sollten Bund und Länder das Angebot von Bahn und Bus ausfinanzieren. Von ÖBB-Seite sollten "keine Bocksprünge im Tarifsystem", sondern eine jährliche Tarifanpassung im Ausmaß des Verbraucherpreisindex erfolgen. Die jetzige Preiserhöhung sei unverhältnismäßig. (APA, 14.6.2012)

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61 Tarife sind immer noch zu viel

Die Preiserhöhung wär ok, wenn's dafür eine Bestpreisfunktion gibt, sodass man nie mehr als nötig bezahlt. Eigentlich sollte es diese Funktion schon seit 2011 geben.

http://derstandard.at/128520069... -einfacher

also ich finde,

wenn ich ein auto habe und eine ermässigung bei der öbb bekommen würde, ich auch öfters das auto stehen lassen könnte, bringt ja auch was, ist nicht als anreiz zum autokauf gedacht aber wo heutzutage ja eh viel gruppen eine ermässigung bekommen wäre das auch mal einen versuch wert. nach dem motto "ach heut lass ich mein auto mal stehen" ist ja auch eine werbung auf dauer, vielleicht würden dann mehr leut sich bald eine jahreskarte oder so kaufen.

da tät ich mir als vorteilscardbesitzer ohne auto echt verschaukelt vor

leider kein einzelfall....

ich anerkenne, dass sich die bahn in vielen bereichen utner christian kern verbessert hat.

schwachpunkte und kundUNfreundlichkeiten gibts leider noch sehr viele

untestehndes beispiel ist leider kein einzelfall.

http://www.kleinezeitung.at/steiermar... echt.story

Der Kern redet viel wenn der Tag lang ist,

getan hat sich nichts was nicht ohne ihm auch passiert wäre.

hm... das kann ich nicht beurteilen, aber mag schon sein

Au weia. Die Idee, den einzigen Personenzug durchs Gesäuse schaffnerlos zu führen, ist sehr fragwürdig. Südlich von Kleinreifling hat nämlich kein einziger Bahnhof einen Fahrscheinautomaten oder -schalter. Lässt sich daraus schließen, dass südlich von Kleinreifling eh nie jemand einsteigt oder dass ÖBB-PV die entgangenen Einnahmen egal sind?

.....es würde schon reichen, dass man hierfür nicht bestraft werden darf.

schon klar, dass sich nicht überall ein schaffner (oder auch ein automat) rechnet, aber es ist nicht besonders fair, in gegenden ohne ÖBB-verkaufs-infrastruktur im zug dann strafen auszustellen!

Sehr kurzsichtig und kundenvertreibend von seiten der ÖBB!

.....und man kann sich nicht erwarten, dass pensionisten durchgehend mit sms oder internet vertraut sind.

Ah .. da muss ich mal wieder nachrechnen ... aber seit dem Jahr 1999 ist die ÖBB jedes Jahr im Schnitt um 5% teurer geworden! Also immer *weit* über der Inflation.

Gut, ich ärgere mich nicht mehr - hab mir jetzt endgültig ein Auto zugelegt.

wo ist nochmal die lang versprochene Karte, die für alle österreichischen Öffis gültig ist?

und schon wieder profitieren alle vom freien wettbewerb.

Wie kann man bei einem hoch subventionierten Unternehmen von freiem Wettbewerb sprechen?

Die ÖBB bekommen jedes Jahr Milliarden vom Staat. Das hat sich nichts mit Wettbewerb zu tun.

Minimax-Ticket auch gestrichen?!
Wenn ja, dann sind die neuen Gruppentickets mehr als lächerlich.
Zur Info: Vorher Minimax 2 Personen 20% (3P: 30%, 4P: 40%, 5P: 50%) Ermäßigung;
neue Gruppentarif: 2-3P: 5%, 4-5P: 10% Ermäßigung
(alles ohne Vorteilskarte)

Absolut lächerlich...

Dort wird genau am falschen Ende gespart...gerade zB Studenten, die fernab der Heimat studieren, konnten damit in kleinen Gruppen günstig nach Hause fahren...nun wird das Auto immer attraktiver...ein Autofahrer und 4 Mitfahrer, kommt nun sicherlich billiger als in einer Gruppe mit 5 Leute...

...die Einnahmen aus der Fahrpreiserhöhung könnte man doch in Fußstützen im Railjet investieren.
...rätselhaft, wie man einen so unbequemen Zug bauen konnte.

Fußstützen

Wer braucht schon Fußstützen? Die sind nur im Weg, wenn man die Beine ausstrecken möchte. Im Wiesel klapp ich sie immer hoch.

Wenn Sie sie immer hochklappen, wer braucht dann schon Fußstützen? :D

?

Wenn mir etwas im Wege ist, dann geb ich das weg (falls möglich). In diesem Fall eben nach oben.
Aber ich hab ihren Schmäh wohl nicht verstanden. Bitte um aufklärung. Danke.

Sorry für das Missverständnis. Wollte nur anmerken, dass es sehr wohl Gründe für andere geben kann, die Fußstützen zu benutzen - auch wenn Sie sie anscheinend nicht benötigen.

Aha genau

Zuerst ÖBB card Mitgliedern kein gutscheinheft mehr schicken und dann Gebühren erhöhen ...

Das ist eine Lüge!

Also dass es in den letzten 3 Jahren keine Erhöhung gegeben hat ist schlichtweg eine Lüge.

Bei meiner letzten Bahnfahrt zahlte ich statt der üblichen 7.20 auf einmal 9.20!!! Innerhalb eines Monats. Die Erhöhung muss April/Mai herum gewesen sein! Das ist eine Erhöhung von fast 30%!

Jetzt wollen sie innerhalb eines Quartals wieder um 8% erhöhen???

Danke.

Wo sind sie gefahren? Der ÖBB-Tarif hat sich tatsächlich seit 2009 nicht erhöht. Auf einigen Strecken gelten aber die jeweiligen Verbundtarife. Der VOR (Niederösterreich/Wien) hat Anfang Mai die Tarife `angepasst'

Ich nehme an, sie kaufen die Fahrscheine üblicherweise bei Automaten, erwarben den Fahrschein in diesem Fall aber beim Zugbegleiter?

In diesem Fall wird ein Zuschlag fällig.

Nein, beim ÖBB-Automaten. 30%

da gabs doch diese schöne kilometerbank... vor ewigen zeiten

naja, wie ich in der wiki gerade gelesen habe, hat die westbahn genau das system aufgesetzt. leider fährt die westbahn (noch) nicht auf der südbahn... :(

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