Wie gefährlich ist das Trinken von destilliertem Wasser?

Regina Philipp
18. Juli 2012, 17:11
  • Vor einigen Jahren noch wurde beim Bügeln mit Dampf die Verwendung von destilliertem Wasser empfohlen.
    foto: w.r.wagner/pixelio.de

    Vor einigen Jahren noch wurde beim Bügeln mit Dampf die Verwendung von destilliertem Wasser empfohlen.

Die einen schwören darauf, die anderen fürchten um ihre Gesundheit: Eine Reihe Mythen ranken sich um das Trinken von destilliertem Wasser

"Niemals destilliertes Wasser trinken!" Diese Warnung kennt fast jeder von Kindesbeinen an. Die Angst, Körperzellen könnten platzen und Magenblutungen gar den Tod herbeiführen, lässt viele Menschen auch im Erwachsenenalter die ionenfreie Flüssigkeit als Durstlöscher gänzlich meiden. 

"An diesem Mythos ist nichts Wahres dran", sagt der Physiologe und Ernährungsexperte Cem Ekmekcioglu. "Destilliertes Wasser, in üblichen Mengen getrunken, ist bei normaler Nierenfunktion vollkommen ungefährlich und unschädlich." 

Grundsätzlich gilt: Trinken ist lebenserhaltend und für die Aufrechterhaltung des Elektrolyt- und Wasserhaushalts im menschlichen Organismus verantwortlich. Permanente Isoosmolarität und eine Konstanz des Flüssigkeitsvolumens sind das physiologische Ziel dieser regulierenden Tätigkeit. Isoosmolarität ist dann gegeben, wenn innerhalb und außerhalb der Körperzellen der gleiche osmotische Druck herrscht, also drinnen wie draußen eine weitgehend ausgeglichene Elektrolytverteilung existiert. Um eventuelle Konzentrationsunterschiede auszugleichen, fließt Wasser in die Zelle oder aus ihr heraus, je nachdem, in welchem Flüssigkeitsraum die Osmolarität ausgeglichen werden soll.

Remineralisierung im Magen

Nun ist hinlänglich bekannt, dass destilliertes Wasser gänzlich frei von Elektrolyten, Spurenelementen, Mineralien und Schadstoffen ist. Diese Hypo- beziehungsweise "Null"-Osmolarität hat vermutlich zu der Spekulation geführt, dass getrunkenes destilliertes Wasser in die Zellen des Magen-Darm-Traktes hineinströmt, um die relativ höhere Osmolarität innerhalb der Zellen an die niedrige außerhalb der Zellen anzupassen. Die angeblich daraus resultierende Folge: Zellen sind dem massiven Wasserzustrom nicht gewachsen und platzen. Im Magen kann das eine tödliche Blutung zur Folge haben. 

Dass das nicht passiert, hat einen ganz einfachen Grund: "Destilliertes Wasser wird bereits im Magen und im oberen Dünndarm wieder weitgehend remineralisiert ", sagt Ekmekcioglu, der am physiologischen Institut der Medizinischen Universität Wien tätig ist. Generell unterscheidet sich destilliertes Wasser von Leitungswasser hinsichtlich der Osmolarität ohnehin nur geringfügig. Und beide Flüssigkeiten sind, in üblichen Trinkmengen konsumiert, auch vollkommen ungefährlich.

Viel in kurzer Zeit

Gesundheitliche Probleme kann destilliertes wie simples Leitungswasser dem Menschen aber dennoch bereiten. Allerdings erst dann, wenn viel Flüssigkeit in sehr kurzer Zeit getrunken wird. Im schlimmsten Fall können solche Wasservergiftungen sogar tödlich enden. "Hier geht es vor allem darum, wie stark das Blut verdünnt wird", so Ekmekcioglu. 

Das überschüssige Wasser gelangt über die Blutgefäße in umliegendes Gewebe, wo der Organismus wiederum versucht, ein isoosmolares Milieu herzustellen, indem Flüssigkeit in die Zellen des Körpers transportiert wird, die dann in weiterer Folge anschwellen. Bei der Wasservergiftung ist es vor allem die Schwellung der Hirnzellen, die das das Leben der Betroffenen akut bedroht. 

Zu denselben lebensgefährlichen Konsequenzen käme es übrigens theoretisch auch, wenn destilliertes bzw. Leitungswasser unmittelbar per Infusion in den Blutkreislauf gebracht werden würde.

Aromatischer Jungbrunnen

Doch nicht überall ist destilliertes Wasser als Genussmittel gefürchtet. In einigen Ländern Südostasiens wird das ionenfreie Wasser industriell in Flaschen abgefüllt und den Konsumenten als "Premium"-Wasser verkauft. Und auch in Europa schwören manche Menschen auf die aromatisierende Wirkung bei der Tee- oder Kaffeezubereitung. Andere wiederum glauben an eine entschlackende Wirkung oder bezeichnen destilliertes Wasser gar als Jungbrunnen.

"Von den Schadstoffen her ist das Trinken von destilliertem Wasser sicher von Vorteil", ist auch Ekmekcioglu überzeugt, ergänzt jedoch, dass beispielsweise Mineralwasser als Lieferant von Calcium, Magnesium, aber auch gewissen Spurenelementen dem destillierten Wasser gesundheitlich weit überlegen ist. (Regina Philipp, derStandard.at, 14.6.2012)

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Mein

Versuch (Notlage) mit destilliertem Batteriewasser einen Kaffee zu brauen ist gescheitert.
Dieses Getränk ist ungeniessbar.

Nicht ohne Grund ist Dihydrogenmonoxid einer der gefährlichsten und tödlichsten Stoffe.

:-)

Da gibts doch ein Youtube Vid wo Leute in den USA mit einer Petiton durch die Gegend laufen und um Unterschriften bitten, um diese berüchtigte Chemikalie verbieten zu lassen.

Vor allemüber die schockierten und übermotivierten jungen Mütter, die für diese Idee gleich Feuer und Flamme waren, hab ich mich scheckig gelacht...

Leider ist mir der Link abhanden gekommen. Wenn es wer findet -> Bitte posten! ^^

es sollen sogar schon leute darin ertrunken sein!

destilliertes wasser in schnäpsen

um den üblicherweise über 70%igen feinbrand auf trinkstärke herunter zu setzen schadet ja auch nicht...obwohl...möglicherweise schadet genau der anteil an destilliertem wasser der leber und der alkohol ist nicht schuld ;-)

Ich bleib dann doch beim Bier.

Meine Erfahrung:

Kurzfristig macht das nichts, aber wenn man wochen- oder monatelang destilliertes Wasser (bzw. in unserem Fall: Wasser aus einer Osmoseanlage, das ist auch ziemlich leer) trinkt, kriegt man Probleme: Muskelkrämpfe, Bauchschmerzen. Nicht dramatisch, aber unangenehm.
Und seither schleppe ich halt doch wieder die Mineralwassergebinde (weil unser Leitungswasser leider absurd viel Nitrat enthält, danke allen Jauchebauern...).

hmm

wer hat diese studie bezahlt die mineralwasser-konzerne?

Logik ist nicht ihres, oder?

vöslauer stellt destilliertes wasser für den lebensmittelmarkt her? hmmmm....

Ich kann beruhigen.

habe vor einer Stunde binnen 2 Minuten 3 Liter Wasser getrunken. Es geht mir gut. Glaube kaum, dass man überhaupt noch mehr trinken kann in der Zeit.

Ich hab in der Mittagspause ein Flasche Cola getrunken und ein Schnitzel gegessen! Was sagen Sie nun !?

Iss eine Habanero, dann kannst du sehr viel mehr trinken.

Da Capsaicin in Wasser eher unlöslich ist, sollte man besser Öl statt Wasser nachtrinken, um es zu verdünnen!

Mit dieser Leistung sind Sie nun der Held des Tages.

Destilliertes Wasser ist nicht ohne Grund zu verwenden, weil

die Herstellung viel Energie verbraucht.

<http://de.wikipedia.org/wiki/Dest... Wasser>

naja, nicht ganz richtig,

da das meiste "destillierte" Wasser nicht über die energieaufwendige Destillation (aufgrund der hohen Wärmekapazität und Verdampfungsenthalpie) hergestellt wird, sondern die Entszalzung über Ionenaustauscher bzw. Membranverfahren durchgeführt wird, und somit deutlich weniger Energie konsumiert. Und aufgrund der Autoprotolyse von Wasser kriegt man es sowieso nie ganz "ionenfrei".

mit modernen Vakuumdestillen mit integrierten Wärmetauschern ist der Energieverbrauch auch nicht mehr so energieaufwendig

wir haben vor einigen Jahren von Ionentauschern zu Vakuumdestillationsanlagen zur Wasseraufbereitung umgerüstet, da in unserer Anwendung die Gesamtkosten geringer sind.

aber rein von der Gesundheit her genau so wie normales Wasser

aufgrund dessen, daß keine Mineralien drin sind, wird es halt nicht besonders schmecken...

ich habe in physiologie aber noch gelernt, das destilliertes wasser in mengen getrunken tödlich ist - wie jetzt? abgesehen davon, wer trinkt schon so ein wasser, freiwillig jetzt?

alles, was sie in MENGEN saufen bringt sie irgendwann um ;)

sie sagen es selbst: "in mengen".

einer oder 2 gläser schaden sicher nicht, 100 bis 200 schon...

Zum Beispiel Millionen Asiaten.

Dort wird es als Trinkwasser in Flaschen verkauft.
Mit ein Grund natürlich die oft schlechte Trinkwasserqualität. Das was oft aus der Leitung kommt stinkt derartig nach Clou, dass einem der Durst vergeht. (oft auch das Duschen)

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