Warren Spector: Gewaltverherrlichung in Games muss gestoppt werden

  • Die Entwickler von "Hitman: Absolution" nutzten Gewalt und Sexualität als Stilmittel in ihren Trailern.
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    Die Entwickler von "Hitman: Absolution" nutzten Gewalt und Sexualität als Stilmittel in ihren Trailern.

  • Szene aus "Far Cry 3": Der Shooter nimmt sich kein Blatt vor den Mund, zielt laut den Entwicklern aber auch klar auf ein erwachsenes Publikum ab.
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    Szene aus "Far Cry 3": Der Shooter nimmt sich kein Blatt vor den Mund, zielt laut den Entwicklern aber auch klar auf ein erwachsenes Publikum ab.

  • Warren Spector fordert Umdenken in der Videospielindustrie.
    foto: disney interactive

    Warren Spector fordert Umdenken in der Videospielindustrie.

Branchen-Ikone ortet zunehmende Glorifizierung von Gewalt in Games

Gewalt in Videospielen ist immer heiß diskutiert. Während manche Politiker auf härteren Jugendschutz pochen oder gar ein Verbot von gewaltvollen Games fordern, argumentiert die Industrie mit künstlerischer Freiheit. Und gewiss: Weshalb sollen nicht alle Medien egal ob Film, Literatur, Musik oder Spiel, sofern sie explizit für Erwachsene ausgeschrieben sind, auch die Abgründe des Lebens thematisieren?

Dass sich die Gaming-Branche derzeit dennoch auf immer dünneres Eis bewegt, kritisiert nun ausgerechnet einer der Koriphäen des Mediums. Warren Spector, Erfinder von Franchises wie "Wing Commander", "System Shock", "Deus Ex" oder "Thief", attestiert der Branche einen Drang in Richtung Gewaltverherrlichung.

Schauplatz E3

Spector spricht im Interview mit gameindustry international von der glamurösen Zurschaustellung von Gewaltszenen in modernen Werken. Auf der vergangenen Messe E3 in Los Angeles versuchten sich die Hersteller mit expliziten und stark stilisierten Tötungsanimationen in Trailern oder Gameplay-Demonstrationen gegenseitig zu übertrumpfen. Zumeist unter tosendem Applaus des anwesenden Fachpublikums. "Die extreme Gewalt muss gestoppt werden. Wir müssen aufhören sie zu lieben. Ich glaube keineswegs an Nachahmungstheorien, aber ich denke, dass wir aus der Gewalt einen Fetisch machen und in manchen Fällen sie mit einem pubertären Zugang zur Sexualität kombinieren. Ich denke, es ist schlicht schlechter Geschmack. Und in letzter Konsequenz wird es uns Probleme bescheren.", sagt Spector.

(Video: Kontroverser Trailer zu "Hitman: Absolution")

Schlechter als schlecht

Spector habe seinen ehemaligen Arbeitgaber Eidos 2004 verlassen, weil ihn das Gefühl ergriffen hat, von Gewaltorgien umgeben zu sein. "Wir sind zu weit gegangen. Die Blutspritzer in Zeitlupe, die Pfählungen durch tödliche Assassinen, die Messer und Elbögen in die Kehle... Auch 'Deus Ex' hatte seine Gewaltmomente, doch sie waren designt, um Unwohlsein hervorzurufen und ich sehe nicht, dass das heute passiert.", kritisiert der Entwickler. "Ich denke, dass wir damit nur eine pubertäre Geisteshaltung ansprechen und es 'erwachsen' nennen. Es ist Zeit, damit aufzuhören."

Wandel

Spector selbst hat sich vor einigen Jahren bereits von der Kreierung gewaltvoller Inhalte abgewandt. 2010 brachte er unter Disney Interactive den Platformer "Epic Mickey" heraus, dieses Jahr folgt der zweite Teil.

Dass Gewalt in Spielen auch eine Abschreckende Wirkung haben kann, versuchen die Entwickler von Naughty Dog mit dem Survival-Drama "The Last of Us" unter Beweis zu stellen. Konfilkte werden hier als dramatische Kämpfe ums Überleben inszeniert. Der Spieler steht unter Anspannung und sucht nicht den offenen Schlagabtausch. Gewalt als integralen Bestandteil der Erzählung nutzen auch die Autoren des 2013 erscheinenden "Tomb Raider". Hier werden traumatische Erlebnisse thematisiert, um die "menschlichere" Seite der Protagonistin Lara Croft herauszustreichen. (zw, derStandard.at, 14.6.2012)

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