Selbsthypnose bei Migräne per Smartphone

  • Smartphone-Applikationen erleichtern neurologischen Patienten das Leben.
    foto: peter strauch/pixelio.de

    Smartphone-Applikationen erleichtern neurologischen Patienten das Leben.

Demenz-Messung mit dem Laptop in Echtzeit - Experten fordern Anerkennung von IT-Innovationen in der Neurologie

Prag - Smartphone-„Apps" zur Evaluation von Demenz direkt am Krankenbett, Selbsthypnose-Programme aus dem Handy bei Migräne-Attacken, detaillierte 3D-Animationen von Gehirn und Nervenbahnen in der Therapieplanung, konsequenter Einsatz von Home-Videos zur präziseren Epilepsie-Diagnose, mit kontinuierlichen Selbstverbesserungsroutinen ausgestatteten E-Learning-Plattformen für die Aus- und Weiterbildung: Das sind nur einige Beispiele für den Einsatz innovativer Informations-Technik (IT) in der Neurologie, von denen Patienten und Ärzte profitieren können. Auf dem Europäischen Neurologenkongress in Prag wurden die Möglichkeiten und Grenzen dieser Technik-Revolution für die neurologische Praxis diskutiert.

"Der nächste Schritt muss sein, diese neuen Optionen weithin bekannt zu machen und konsequent in den klinischen Alltag zu integrieren, um diese diagnostische und therapeutische Verbesserungen auf breiter Basis zu nützen, " fordert Hannah Cock, von der St. George's University in Londonauf dem 22. Meeting der Europäischen Neurologengesellschaft (ENS).

Selbsttherapie und Gedächtnisstützen 

Patienten erleichtern sich schon heute mit neuen Smartphone-Applikationen das Leben auf vielfältige Weise: Zum Beispiel durch „Gedächtnisstützen" wie das Migräne- oder Epilepsietagebuch für die genaue und zeitnahe „Buchführung" der Attacken durch die davon betroffenen Patienten, was Ärzten die präzisere Einstellung der Therapie ermöglicht. Oder durch verbesserte Versionen der schon länger bekannten „Pill Reminder", in denen nun auch komplexe Einnahmevorschriften vieler unterschiedlicher Medikamente und Einnahmerhythmen programmiert werden können - ein wirksamer Schutz vor Fehl- oder Untermedikation durch überforderte Patienten. 

Migräne-Patienten können aber in ihrem Handy jetzt auch ein Therapieprogramm mit sich führen: "'Alleviate Migraine' (Lindere die Migräne) aus der Reihe ‚iCan Hypnosis' ist ein Selbsthypnoseprogramm, mit dem die Kopfschmerzattacken bereits im Anfangsstadium abgefangen oder gelindert werden sollen," so Cock: „Das eröffnet Patienten eine völlig neue Nutzen-Dimension, weil diese Technologie praktisch immer und überall einsetzbar ist."

Von Demenzdiagnose bis Aufklärung

Neurologen profitieren davon, dass innovative Programme immer mehr Aspekte ihres Fachgebiets über iPhone oder Android jederzeit Manteltaschen-handlich verfügbar machen. "Zum Beispiel erlauben standardisierte Tools die unmittelbare Einschätzung der Schwere von Demenz, indem Patienten am Touchscreen bestimmte Aufgaben zu bewältigen versuchen, die in Echtzeit ausgewertet werden. Anwendungen wie der ‚Sylvius MR-Atlas des menschlichen Gehirns', der ‚Nerve Whiz' oder der ‚ECG-Guide' erleichtern es uns, Patienten zu zeigen, wo das Problem liegt oder an welcher Stelle behandelt werden muss", weiß Cock. "Wenn es früher manchmal schwierig war, zu erklären, was genau bei einer Gehirnoperation geschehen wird, kann ich es mittels ‚Brain Tutor 3D' nun plastisch und dreidimensional auf meinem Handy oder Tablet-Computer zeigen. Das ist ein Quantensprung in der Patienten-Aufklärung."

Home-Video erleichtert Epilepsie-Diagnose

Auch die mittlerweile fast allgegenwärtige Möglichkeit, zuhause Videos aufzunehmen, kann Neurologen die Arbeit wesentlich erleichtern und ihre Behandlungen treffsicherer machen. "Wenn die Angehörigen von Patienten zum Beispiel mit Epilepsie, bestimmten Bewegungsstörungen oder Schlafstörungen dazu angeleitet werden, solche Ereignisse aufzuzeichnen, haben wir eines unserer wichtigsten Probleme gelöst: die Unzuverlässigkeit der Schilderungen von Zeugen, die oft nicht wissen, welche Details des Anfalls für uns wichtig sind und ihre Erinnerungen vielfach erst in deutlichem Zeitabstand und entsprechend ungenau zu Papier bringen", erläuterte Cock. "Auch diese Möglichkeiten sollten unseren Kollegen bewusst gemacht und durch geeignete Angehörigen-Schulungen in den Alltag eingebaut werden."

Projekt ebrain: „Selbstlernender" Fernlehrgang in Klinischen Neurowissenschaften
Einer der bedeutendsten Vorteile des Internet ist die Ortsunabhängigkeit von Information sowie die Möglichkeit, diese multimedial aufzubereiten. Diese Vorteile nutzt das Projekt ebrain, die bisher ehrgeizigste neurowissenschaftliche E-Learning-Plattform mit bereits 10.000 registrierten Usern - darunter Medizinstudenten, Ärzte in Ausbildung und Spezialisten in verschiedenen Bereichen der Neurowissenschaften wie Neurologie, Neurochirurgie, Neuropsychiatrie oder Neurophysiologie.

"Als Initiative des britischen Joint Neurosciences Council, die von der ENS mitfinanziert wurde und europaweit zur Verfügung steht, stellt ebrain den kompletten Stand heutiger Neurowissenschaften zur Verfügung - in 550 Lektionen, die jeweils in handlichen 20 Minuten zu bewältigen sind", betont Cock. Sie leitet gemeinsam mit Simon Shorvon (University College London), Simon Thompsom (Leed Teaching Hospitals NHS Trust) und Thomas Berger (Medizinische Universität Innsbruck) das multidisziplinäre Herausgeberteam. "Stolz sind wir dabei nicht nur auf die Fülle an multimedialem Material, das technisches Know-how viel anschaulicher vermittelt als es viele Seiten schriftlicher Anleitungen vermöchten, und dadurch ein völlig neues, ganzheitliches Lernerlebnis möglich macht", so Cock. "ebrain ist mehr als nur ein elektronisches Lehrbuch mit neuen Angeboten wie dem Fall des Monats oder Webinars, die im gesamten Jahr 2012 angeboten werden. Kursteilnehmer, die für die bewältigten Lektionen ihr elektronisches Zertifikat erhalten wollen, müssen dafür auch ein Feedback abgeben, aufgrund dessen wir das Programm laufend optimieren." (red, 14.6.2012)

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3 Postings
"Der nächste Schritt muss sein, diese neuen Optionen weithin bekannt zu machen"

Nein.

Der nächste Schritt muss für die Schulwissenschaft sein, die bereits seit Langem bekannten Optionen zu akzeptieren.

Zum Beispiel die "Silva Mind Methode", das ist nichts anderes als Selbstprogrammierung in der Alpha-Phase (Tiefenentspannung).
Oder O.C. Simonton, der Visualisierung mit großem Erfolg bei Krebsklienten anwendet.
Oder Mental Healing, wie sie Clemens Kuby anwendet.

Es gibt inzwischen viele Methoden der Selbstheilung, die alle dieselbe Wurzel haben: Tiefenentspannung, Meditation, Visualisierung.

Wozu muss ich da "elektronische Zertifikate" erwerben - für etwas, das ich ohne Hilfsmittel anwenden kann??

Viel wichtiger ist die Erkenntnis: "ich kann mein Leben und meine Gesundheit selbst gestalten".

Also ich hab mir das jetzt alles mal angeschaut - auf deren Internetseiten

Silva-Mind-Basissemminar 600€ - Dafür fördert es "gesundheitliches Gleichgewicht" - Steht aber nix davon, dass es den Migräneanfall behebt.
Adäquates Medikament für 6€?

Simonton: Seminarwoche: 1550€
Medidation und Phantasiereisen, Kontakt zur "inneren Weisheit" inklusive.
Ich sollte von meiner Rollenspielgruppe auch Geld verlangen...

Kuby Mental Healing:
für 400€ zurück in mein letztes Leben und eine persönliche Seelengeschichte entdecken...
http://de.wikipedia.org/wiki/Assa... s_Creed_II
Gute Geschichten mit früheren Seelen gibt's bessere billiger...

selbst der straßenpreis für LSD wird wahrscheinlich noch drunter liegen. reicht aber für eine reise ins letzte leben.

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