Nokia will 10.000 Stellen streichen - Handysparte tiefrot

14. Juni 2012, 08:50
  • Nokia streicht im Rahmen seines weltweiten Stellenabbaus auch knapp
die Hälfte seiner 1.500 Arbeitsplätze in Deutschland. Der Standort
Ulm mit seinen rund 730 Mitarbeitern soll Ende September geschlossen werden. (Foto: Nokia-Chef Stephen Elop)
    foto: apa

    Nokia streicht im Rahmen seines weltweiten Stellenabbaus auch knapp die Hälfte seiner 1.500 Arbeitsplätze in Deutschland. Der Standort Ulm mit seinen rund 730 Mitarbeitern soll Ende September geschlossen werden. (Foto: Nokia-Chef Stephen Elop)

  • Artikelbild

Unternehmenssprecherin: In wie weit Nokia in Österreich von dem Jobabbau betroffen ist, könne man derzeit noch nicht sagen

Nokia ist ein angezählter Riese: Die neuen Smartphones verkaufen sich mäßig, und in den angestammten Märkten der Schwellenländer wildern aggressive Rivalen. Jetzt tritt der einstige Weltmarktführer die Flucht nach vorne mit einem radikalen Schnitt an - der kriselnde Handy-Hersteller streicht weltweit 10.000 Arbeitsplätze, um seine Zukunft zu sichern. Damit fällt rund jede fünfte Stelle im Handy-Geschäft weg. Die Jobs werden bis Ende 2013 abgebaut, wie das finnische Unternehmen am Donnerstag ankündigte. In wie weit Nokia in Österreich von den Stellenkürzungen betroffen ist, könne man derzeit noch nicht sagen, sagte Sprecherin Alma Mautner.

Verwaltung

Nokia Österreich mit Sitz in Wien verwaltet von hier aus insgesamt 15 Länder in Zentral- und Osteuropa. Wie viele Mitarbeiter in Wien arbeiten, wurde nicht bekanntgegeben. In Deutschland soll der Standort für Forschung und Entwicklung in Ulm mit zuletzt 730 Mitarbeitern schon Ende September schließen.

Deutschland bleibe aber ein sehr wichtiger Standort für Nokia, betonte Konzernchef Stephen Elop in einer Telefonkonferenz. Er hob vor allem das Zentrum für ortsbezogene Dienste in Berlin hervor. Die Mitarbeiter in Ulm arbeiteten aber an Projekten, die Nokia nicht mehr fortführen werde.

Lumia

Ortsbezogene Dienste sollen neben digitaler Fotografie und mobiler Navigation ein zukünftiger Schwerpunkt von Nokia werden. Elops Plan ist, den Fokus auf die neuen Smartphones der Marke Lumia und verwandte Angebote zu schärfen. Dafür gibt es die Kürzungen in anderen Geschäftsbereichen. Nokia steckt in roten Zahlen fest und muss dringend die Kosten senken. Allein im ersten Quartal gab es einen gewaltigen Verlust von 929 Mio. Euro.

Jetzt sollen die jährlichen Einsparungen bei den operativen Ausgaben von einer auf 3 Mrd. Euro hochgeschraubt werden. Von dem Milliardenziel seien im ersten Quartal bereits 700 Mio. Euro geschafft worden, sagte Elop. Zunächst wird der Stellenabbau aber rund 1 Mrd. Euro an zusätzlichen Kosten verschlingen. Eine Zäsur ist die Schließung des traditionsreichen Werks Salo im Finnland. Allein in Nokias Heimatland sollen 3.700 Jobs verschwinden.

122.000 Mitarbeiter

Nokia hatte zum Ende des ersten Quartals weltweit gut 122.000 Mitarbeiter im Konzern. Ohne den ebenfalls mit heftigen Problemen kämpfenden Netzwerk-Ausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) waren es 53.500 Arbeitnehmer.

"Wir müssen nicht nur unsere finanzielle Lage verbessern, sondern auch langfristig die Zukunft von Nokia sichern", erklärte Elop. Die Börsianer werteten die Rotstift-Aktion eher als Zeichen der Schwäche: Die Aktie verlor zum Mittag mehr als 11 Prozent und notierte erstmals knapp unter 2 Euro.

Führungsteam umgekrempelt

Mit der neuen Strategie wird auch das Führungsteam umgekrempelt. Es gehen Marketingchefin Jerri DeVard, Handy-Chefin Mary McDowell und Niklas Savander als Zuständiger für Märkte. Sie werden durch Nachfolger aus den eigenen Reihen ersetzt. So wird Chris Weber, der die Lumia-Markteinführung im Problemmarkt USA über die Bühne brachte, neuer Marketingchef.

Nokia müsse sich mit "äußerster Eile und sehr aggressiv" bewegen

Einige der nun zurückgetretenen Manager hatte Elop selbst im vergangenen Jahr befördert - doch offenbar konnten sie nicht die gewünschten Ergebnisse liefern. Nokia müsse sich mit "äußerster Eile und sehr aggressiv" bewegen, erklärte der frühere Microsoft-Manager die Personalentscheidung.

Nokia war lange Marktführer im Geschäft mit einfachen Handys und auch Computer-Telefonen, wurde aber von Apple mit seinem iPhone und vor allem Samsung überholt. Die Südkoreaner profitieren von ihrer breiten Modell-Palette und stießen Nokia zuletzt nach 14 Jahren vom Thron des weltgrößten Handy-Herstellers. Auch Nokias Lumia-Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone erwischten im vergangenen Herbst einen mäßigen Start. Laut Marktforschern hängt Windows Phone im Smartphone-Geschäft immer noch bei einem Anteil von rund zwei Prozent fest.

Mauer Ausblick

Zugleich senkte der Konzern den Ausblick für das zweite Quartal. Die Marge werde entgegen den Erwartungen noch tiefer als im ersten Vierteljahr in den roten Bereich absinken, hieß es. Das deutet auf einen weiteren hohen Verlust hin.

Den Edel-Handy-Hersteller Vertu - der extrem teuer verarbeitete, aber technisch nicht mehr so attraktive Mobiltelefone produziert - wurde nach langen Bemühungen an den europäischen Finanzinvestor EQT VI verkauft. Einen Preis nannte Nokia nicht. (APA, 14.06. 2012)

Link

Nokia

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 64
1 2
wenn die weiterhin im tausenderbereich leute entlassen, ...

... sitzt der elop bald allein auf einem berg unverkaufter windoof-handys

Fürchtet euch nicht!

Ich bin mir sicher, in China gibt es schon längst neue Nokias, genauso gut, aber viel billiger.

Am Endverbraucher gescheitert...

Bumble um die Jahrtausendwende:"Für mich gibt es nur Nokia!".

Bumble um 2010 herum:"Das war es, nie wieder Nokia!".

Nun, höchst zufrieden mit den Alternativen, führt so schnell kein Weg zurück. Denke, da bin ich kein Einzelfall. Die letzten 2 Geräte waren so denkbar schlecht, das verzeih ich so schnell nicht.

Dass sich Nokia mit Microsoft ins Bett gelegt hat

wird den Finnen das Genick brechen.

Die Hardware wäre nicht das Problem - Nokia kann erstaunlich gute Hardware produzieren - wenn sie wollen (auch wenn manchmal das Design und/oder die Verarbeitung nicht die beste ist).

Stimmt genau, und jetzt müssen sie nicht mehr stümperhaft Software zusammenschustern.

Na denkt doch logisch die müssen Leute entlassen woher sollen sonst die Millionen für die Manager kommen

Ich mag diesen Elop zwar nicht, er hat immerhin genug falsch gemacht, aber eigentlich bleibt ihm ja nichts anderes übrig. Nokia war schon lange auf dem falschen Weg. Und was sie gemacht haben kam viel zu spät. Was ich aber überhaupt nicht verstehen kann, wieso nur Win Phone? Samsung macht es doch vor. Viele Systeme und für jeden ist was dabei. Aber nur mit Win Phone und S40 kann man doch nicht so einen riesigen Konzern retten.

die testphase ist vorbei ;)

Die können schon mal die Maschinen für die Herstellung von Gummistiefeln abstauben, da hat man auch mehr Zeit um auf Veränderungen des Marktes zu reagieren, vielleicht passt das besser zu Nokia

dieses verdammte iphone hat der einst stolzen europäischen firma den gar ausgemacht.

oh wie ich diese apple bude hasse!!

...nicht Apple sondern die windigen Provider und die dummen Massen von Lemmingen haben Nokia zu Fall gebracht...

...

Apple hat nur als erster den neuen Trend gesehen... und Nokia offensichtlich als LETZTER ;)
In der Elektronikbranche kann man sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Man muss sich nur die Entwicklung von Android in den letzten 12-24 Monaten ansehen,... der Unterschied zwischen 1.5 und 4.0 verdeutlicht den Fortschritt wohl am Besten

Apple hat nicht etwa einen Trend "gesehen", sondern ihn selbst ausgelöst...

Nokia hat ihn anfangs ignoriert und sich später dagegen gestemmt um ihn schließlich zu spät und nur halbherzig doch noch aufzugreifen...

nana, die haben sich schon selbst versenkt ^^

... der communicator und das N95 waren cult, konnten (fast) alles und sogar mehr als das erste iphone. Keiner weiss, warum deren Nachfolger immer schlechter wurden (als die eigenen Vorgänger) N95/8g, N96, N97 ...

... das iphone war ein Schuss vor den Bug, beim Ausweichmanöver ist Nokia gekentert

naja, eigentlich haben die Nokia-Manager

es versemmelt. Die haben Android und iPhone einfach nicht ernst genommen. Und zu aktuellen "Strategie" sag ich nix mehr.

...nur mit MS hat Nokia eine Chance, als ursprünglich reiner Handy-Produzent zu den Computerkonzernen und Smartphone-Newcomern Apple und Google aufzuschließen!

...denn die modernen Smartphones sind kleine Computer!
Die GSM-Zeiten sind lange vorbei.

Wie sollte Nokia allein ein Software-Ökosystem wie OSX/iOS oder Chrome/Android aufbauen können...?
Genau daran mussten sie scheitern!
- siehe das langsam absterbende Symbian und das nie vollendete Maemo/MeeGo...

wer zu spät kommt

wie war das noch. wer zu spät kommt den bestraft ...

...

Apple mit Patentklagen? ;)

... bestraft

Microsoft mit seiner Anwesenheit ;-)

Mir kommt das so vor:

der Elop sitzt in der Nokia-Burg und reißt von innen jedes Monat ein weiteres kleines Loch in die Burgmauer.

Mit Jahresende ist die Burg sturmreif. Da kann MS dann einfach reinspazieren.

Warum entfernt Nokia nicht einfach den Saboteur???

weil nokia schon an ms´s tropf hängt.

1milliarde dollar verdient sich nokia nimmer so einfach in einem jahr.

Die werden wohl bald wieder Gummistiefel verkaufen. Schade eigentlich. Ich hatte ein paar echt gute Nokia Geräte: 5110, 8210, N700

UND STEPHEN ELOP BLEIBT??

geht's noch?

Posting 1 bis 25 von 64
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.