Josef Theurer fährt knapp am Erfinderpreis vorbei

14. Juni 2012, 12:28
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Europas Erfinderpreis geht an den deutschen Physiker Bille, für den oberösterreichischen Gleisbau-Spezialisten Theurer hat es nicht ganz gereicht

Er war einer der drei Nominierten, für den Sieg hat es am Donnerstag knapp nicht gereicht. Josef Theurer, der 82-jährige Gründer der Gleisbaufirma Plasser & Theurer, dürfte aber auch so hoch zufrieden sein. "In so einem Kreis nominiert zu sein bleibt eine tolle Sache", sagt sein Enkel Johannes Max-Theurer im Gespräch mit derStandard.at. Er weilt für den krankheitsbedingt abwesenden Theurer in Kopenhagen, wo der vom Europäischen Patentamt jährlich vergebene Europäische Erfinderpreis verliehen wird.

Das Rennen um das "Lebenswerk" gemacht hat nun nicht Theurer, sondern der deutsche Physiker Josef Bille. Der hat mit neuen optischen Methoden nicht nur die genaue Ermittlung von Fehlsichtigkeit ermöglicht. Die unter seiner Führung an der Universität Heidelberg entwickelte Lasertherapie hat die sichere Korrektur von Sehbeschwerden entscheidend vorangetrieben.

Josef Theurer und Steve Jobs

Mangelndes Lob für die Theurer'schen Erfindungen kann aber kein Grund dafür sein, dass es nur zum "Trostpreis" gereicht hat. So wurde der Oberösterreicher, der über die Jahre über 600 Patente allein im Gleisbau angemeldet hat, in der Nominierungsschrift gar mit Apple-Gründer Steve Jobs verglichen. Theurer teile mit dem früh verstorbenen IT-Revolutionär den Antrieb, Dinge immer besser zu machen, und ein einzigartiges Gespür für die Wünsche des Marktes.

Das zeigt sich auch im Unternehmensalltag. Josef Theurer schaut immer noch mehrmals pro Woche im Stammwerk in Linz vorbei. "Insbesondere im technischen Bereich bringt er sich sehr stark ein. Er führt strategisch nach wie vor das Unternehmen", sagt Enkel Johannes Max-Theurer, der als Co-Geschäftsführer die Nachfolge des Großvaters antritt.

Josef Theurer ist nicht nur für ein österreichisches Exportjuwel verantwortlich - 95 Prozent der Produkte gehen ins Ausland -, sondern auch für 3.500 Mitarbeiter weltweit. Fünf Prozent des Umsatzes wendet man für Forschung und Entwicklung (F&E) auf, 2010 waren das knapp 29 Millionen Euro.

Schweizermesser auf 20 Meter Länge

Konkret ausgetüftelt wurden und werden von Theurer so genannte Gleisstopfmaschinen. Diese kümmern sich sowohl um die Instandhaltung als auch um den Bau der Fahrwege. Ihre Stärken spielen die oft millionenteuren Baumaschinen vor allem bei malträtierten Gleisen aus. So verursachen die tonnenschweren Züge mit der Zeit minimale Änderungen im Verlauf der Schienen. Korrigiert werden diese mittels einer lasergesteuerten Maschine, die das Gleis hebt, und dann den Schotter unter Schwelle und Schiene verdichtet, um die Fahrbahn wieder in die richtige Lage zu bringen. Ähnlich einem 20 Meter langen, äußerst detailreichen Taschenmesser ermöglichen es diese Maschinen, technische Probleme mit nur einem Gerätezug zu beheben.

Ein Patent für alle

Dass es notwendig ist, das Know-how, in das man investiert, auch schützen zu können, ist für Plasser & Theurer klar. "Wir arbeiten seit jeher mit den nationalen Patentämtern und dem Europäischen Patentamt sehr gut zusammen", so Max-Theurer.

Intellektuelle Schutzrechte spielen somit für die Wirtschaft eine große Rolle. Ein Herzensthema der EU-Kommission und des Europäischen Patentamtes (EPA) ist daher das harmonisierte EU-Patent. Es soll nicht nur möglich sein, mit einem Patent Schutzrechte für die gesamte Union zu erhalten. Rechtsstreitigkeiten, die heute in jedem Mitgliedsstaat einzeln ausgefochten werden müssen, sollen in Zukunft in einem einzigen Verfahren für die gesamte EU geklärt werden. Das EPA will daher einen Patentgerichtshof (European Patent Court) einrichten, der in diesen Fällen das erstinstanzliche Urteil spricht. "Mit nur einem Patent, dem Wegfallen der Sprachbarriere und nur einer Stelle im Falle eines Rechtsstreits könnten die Patentkosten für Firmen um 70 Prozent gesenkt werden", frohlockte EPA-Präsident Benoît Battistelli am Vortag der Preisverleihung. Abgestimmt werden soll darüber bereits Ende Juni im Europäischen Rat, der Ratifizierungsprozess würde indes noch Jahre in Anspruch nehmen.

Allerdings lassen die Politiker noch das Wichtigste vermissen - die Einigung auf jenes Land, das den Patentgerichtshof beherbergen darf. München, wo das Europäische Patentamt seinen Sitz hat, London und Paris wollen darauf nicht verzichten. Den Haag wäre ein Kompromisskandidat. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 14.6.2012)

Wissen

Die Firma Plasser & Theurer ist ein 1953 gegründetes Familienunternehmen, das heute zu 80 Prozent im Besitz der Familie Theurer steht. 2010 erwirtschaftete es einen Umsatz von 579 Millionen Euro.

Das 1977 gegründete Europäische Patentamt beschäftigt knapp 7.000 Mitarbeiter. Es vergibt seit 2006 jedes Jahr den Erfinderpreise in fünf Kategorien. Mehr dazu finden Sie auf Facebook und Twitter.

  • Preis fürs Lebenswerk.
    foto: hermann sussitz

    Preis fürs Lebenswerk.

  • Stopfmaschine von Theurer.
    foto: plasser&theurer

    Stopfmaschine von Theurer.

  • Josef Theurer, der 82-jährige Gründer der Gleisbaufirma Plasser & Theurer.
    foto: plasser&theurer

    Josef Theurer, der 82-jährige Gründer der Gleisbaufirma Plasser & Theurer.

  • Nächste Generation am Ruder: Enkel Johannes Max-Theurer.
    foto: hermann sussitz

    Nächste Generation am Ruder: Enkel Johannes Max-Theurer.

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